Cleanthinking.de – Cleantech und Energie News

Cleanthinking.de: Cleantech Wirtschaftsmagazin für die saubere Energie der Zukunft

WirtschaftsWoche meldet: Solare Netzparität ist erreicht

Wirtschaftswoche LogoWas die WirtschaftsWoche am kommenden Montag in Heft 39/2009 vermeldet, ist eine echte Sensation und dürfte von der Solar-Branche nicht gern gelesen werden: Das Wirtschaftsmagazin berichtet unter dem Titel “Ende der Schonzeit” in einem Aufmacher, der Cleanthinking.de bereits vorliegt:

“Schon heute ist Sonnenenergie vom Dach für Verbraucher genauso billig wie Strom vom Elektrizitätswerk”

Sprich: Die Netzparität, die von den Solarunternehmen zwar oft als mittelfristiges Ziel ausgegeben wird, aber bislang nicht ausgerufen wurde, ist laut WirtschaftsWoche damit erreicht.
Die Netzparität sei dann der Fall, wennn Solaranlagen zwischen 2400 und 2600 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung kosten würden – und genau dies sei nun eingetreten. Weiter heißt es:

“Damit ist Solarstrom aus der privaten Fotovoltaikanlage im Durchschnitt nicht mehr teurer als die Energie aus dem Netz der großen Stromversorger. Die sogenannte Netzparität ist erreicht.”

Neben eigenen Recherchen beruft sich das Magazin unter anderem auf eine Umfrage des auf Solartechnik spezialisierten Marktforschungsunternehmens EuPD aus Bonn. Berechnungen der Stiftung Warentest zeigten zudem: Bei 20 Jahren Laufzeit arbeiten Solaranlagen dieser Preisklasse auch ohne Subventionen rentabel. Offiziell liegen die Durchschnittspreise allerdings bei deutlich über 3.000 Euro.

Solarbranche sagt: Netzparitaet in wenigen Jahren erreichbar

Ende der Schonzeit netzparitaet wirtschaftswoche SolarDie ersten Reaktionen der Solarbranche hat die WirtschaftsWoche ebenfalls eingefangen: Demnach werden die Beispiele, in denen Solaranlagen für 2600 Euro pro Kilowatt verkauft würden, als Einzelfälle bezeichnet. Die abwehrende Reaktion ist logisch: Schließlich profitieren Installateure, Hersteller und Zulieferer besonders von den Subventionen – und je früher und stärker sie gekappt werden, um so mehr Geschäft geht ihnen verloren. Daher scheuen sie den stärkeren Wettbewerb, in dem es ausschließlich um Preise und Qualität geht.

In einem aktuellen Bericht des Hamburger Abendblatts mit Vorausschau auf die PVSEC in Hamburg ist davon die Rede, dass die Netzparität “schon in wenigen Jahren” erreicht werden könne. In der Öffentlichkeit sind die Vertreter der Solarbranche also eher zurückhaltend. Die Priogo GmbH verkündete kürzlich, man habe die Preise für Solarstromanlagen um 30 Prozent gesenkt und sei derzeit bei 3.200 Euro pro Kilowatt.

Wenn die Einspeisevergütung im kommenden Jahr um acht Prozent sinke, würde dies, laut Priogo, letztlich durch den technischen Fortschritt überkompensiert und die Preise pro Kilowatt auf 2800 Euro sinken – allerdings würden auch dann die Preise noch über denen liegen, die die WirtschaftsWoche schon jetzt als gängig ausfindig machte.

Konsequenz: Subventionen stärker kürzen

Die Konsequenz aus Sicht WirtschaftsWoche: Solarsubventionen, also die garantierte Einspeisevergütung aus dem EEG, können nach der Wahl gekürzt werden. Und genau dies wird zu heißen Diskussionen und hoch kochenden Emotionen in der Solarbranche führen.

Roland Tichy, Chefredakteur der WirtschaftsWoche, kritisiert in einem Kommentar die Solarbranche für ihre zurückhaltende Außendarstellung in Sachen Netzparität:

Also vielleicht die Förderungen der Solarenergie kappen – bis 2013 werden immerhin rund 77 Milliarden Euro fließen. Der Fortschritt macht Solarstrom aus neuen Anlagen so billig wie Haushaltsstrom. Es lohnt sich, das Dach mit Solarpanels vollzupflastern, ganz ohne Subvention – ein Triumph der Technik und eine Sensation. Statt darauf stolz zu sein, versteckt die Erfolgsbranche diese Zahlen lieber.

Denn: Jeder Arbeitsplatz in der Fotovoltaikindustrie erhält heute 177.000 Euro Subventionen – das Doppelte der früheren Steinkohlehilfe. Jeden Tag wachsende Beträge fließen direkt nach China: Immer mehr Panels kommen von dort; sie sind billiger und leistungsfähiger. Die deutsche Solarindustrie dagegen ist vor lauter Abkassiererei dabei, technologisch den Anschluss zu verlieren. Sie verschlingt die Mittel, die beim Umbau zur ökologischen Wirtschaft fehlen.

Die Redaktion von Cleanthinking.de interessiert Ihre Meinung: Steht die Netzparität wirklich kurz bevor? Müssen die Subventionen stärker gekürzt werden? Welche Auswirkungen wird die Bundestagswahl auf diese Fragen haben? Verpasst die deutsche Solarindustrie den Anschluss, weil sie sich nur aufs Abkassieren konzentriert wie Roland Tichy meint?

Tags: , , ,


11 Reaktionen zu “WirtschaftsWoche meldet: Solare Netzparität ist erreicht”

  1. Tweets die X erwähnen WirtschaftsWoche meldet: Solare Netzparität ist erreicht | Cleanthinking.de -- Topsy.com schreibt

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Roland Tichy, Martin Seufert, Martin Seufert, Michael Krokerund anderenerwähnt. Michael Kroker sagte: RT @Cleanthinking: WirtschaftsWoche meldet: Solare Netzparität ist erreicht (http://www.cleanthinking.de) -> http://bit.ly/UhRIa (via @RolandTichy) [...]

  2. egghat schreibt

    Das Thema beschäftigt mich auch schon länger: http://egghat.blogspot.com/search/label/solarenergie

    Insbesondere die Zahlen aus der Digitimes Studie sind hochspannend. Danach sind die Preis für die Zellen in China (OK, die machen nur einen Teil der Kosten aus, aber imerhin einen großen) von etwa 4 Dollar pro Watt vor einem Jahr auf inzwischen 1,80 gesunken. Der Analyst erwartet für 2010 ein Absinken auf 1 Dollar (was für viele Projekte in vielen Regionen schon Parität bedeuten würde) und für 2011 eine nochmalige Halbierung. Spätestens dann sind wir in Deutschland auch bei der Parität.

    Ich habe auch schon einen Vorschlag für die Anpassung gemacht um diese leidige Diskussion zu beenden: Alle Anlagen müssen mit Rechnung eingereicht werden (muss man bei Förderung eh) und den Zähler für die Einspeisung kennt man auch. Dann errechnet man jedes Jahr neu die Kosten und den Ertrag und passt das automatisch nach unten an. Das kann in einem Jahr mal 5% sein, aber in Jahren wie diesen muss die Vergütung kräftiger runter …

  3. MadeInGermany schreibt

    Deutsche Solarunternehmen lassen ihre Module doch heute schon in China fertigen. Kürzlich hat in den Medien gestanden, Q-Cells, Solar-Fabrik und Solarworld kaufen in China Zellen und Module ein. Nur noch ein Teil der “deutschen” Module ist wirklich made in Germany. Und dass die Solarlobby kein Interesse hat, in die Wettbewerbsfähigkeit entlassen zu werden, liegt auf der Hand. Herr Manz sagt im aktuellen Wiwo-Interview, dass dann die großen Fabriken in Asien von den LCD-Bildschirm-Herstellern errichtet werden. Da haben viele deutschen Produzenten keine Lust zu, sich mit denen messen zu müssen. Deshalb wollen sie Solarstrom teuer halten und eben keinen Wettbewerb.

  4. egghat schreibt

    @MadeInGermany:

    Dass jeder gerne weiter seine Subventionen hätte: Klar! Aber ich als Steuerzahler will das natürlich nicht. Ich möchte möglichst viel CO2-freien Solarstrom für mein Geld.

    Übrigens hat der Solarworld Chef Asbeck am Wochenende eine stärkere Absenkung der Vergütung vorgeschlagen. Er sorgt sich um die Akzeptanz der Vergütung und meint auch, dass sich die Hersteller durch eine stark sinkende Vergütung stärker als bisher in Richtung Netzparität entwicklen müssen. Die Vergütung soll keine Hängematte für die schlechten Hersteller sein, sondern eine Belohnung für die guten!

    (hab auch darüber gebloggt)

  5. MadeInGermany schreibt

    @egghat
    Herr Asbeck möchte eine ganz leicht stärkere Anpassung der Vergütung, um drei bis vier Prozentpunkte. Das ist ein Witz und reine Symbolpolitik.
    Überhaupt wenn man schaut, was er noch will: er will Mitbewerber aus dem Markt drängen, indem chin. Hersteller ihre Ware zertifizieren lassen müssen. Was sich gut anhört, ist aber was ganz anderes: bis man solch eine Zertifizierung bekommt, dauert es. Solarworld wäre für längere Zeit frei von chinesischen Mitbewerbern, könnte schön Rahmenverträge mit Installateuren über mehrere Jahre machen. Und schon hat man die Chinesen raus aus dem Markt. Und gleichzeitig auch manch deutschen Modulhersteller, der seine Zellen in China einkauft. Der muss diese dann weit teurer bei Solarworld kaufen.

  6. CleanTech Studienreihe Solarenergie des Deutschen CleanTech Instituts | Cleanthinking.de schreibt

    [...] vergangenen Samstag berichtete die Redaktion von Cleanthinking.de über einen Beitrag der WirtschaftsWoche, in dem davon die Rede war, dass bei Solardachanlagen die so genannte Netzparität inzwischen [...]

  7. Andy schreibt

    Der Bundesverband Solarwirtschaft gibt aktuell einen Preis von 3.263 €/kWp an, damit ist man noch weit weg von der Netzparität, aber auf bestem Wege.

  8. Philipp Wolff vom Deutschen CleanTech Institut im Interview über die Netzparität, den Clean Tech Media Award, die Begriffsdefinition CleanTech und die Studie zum Thema Solarenergie | Cleanthinking.de schreibt

    [...] Herr Wolff, die WirtschaftsWoche berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe, die Netzparität bei Solardachanlagen sei erreicht. Dabei bezieht sich das Magazin auch auf Ihre [...]

  9. Achim schreibt

    Tichy weiß nicht was er will. Immer wieder plädiert er für Atomkraft u. (moderne) Kohlekraftwerke. Jetzt behauptet er Solarstrom wäre schon soweit ohne Förderung zu überleben.
    Noch ist das aber falsch, einige Jahre mit degressiver Förderung werden noch nötig sein. Aber wir sind auf dem besten Weg, eine Anpassung der Förderung ist aber geboten.

  10. MartinS schreibt

    Die Debatte wird ja weiterhin sehr heiß geführt und es ist nicht verwunderlich, dass sich Herr Tichy über den Wahlausgang – auch aus seiner energiepolitischen Sicht – gefreut haben dürfte.
    Ich schätze, er wollte bewusst polarisieren, um die Debatte aufrecht zu halten oder anzustoßen – dies ist ihm ja auch eindrucksvoll gelungen. Ich denke aber nicht, dass er von heute auf morgen für die Abschaffung des EEG oder speziell der Solarförderung wäre.
    Anpassung ja, aber Abschaffung nein – ich denke, das ist der richtige Weg.

  11. AlfredK schreibt

    Die momentan diskutierte Absenkung der Solarstromvergütung nach EEG um 30% entspricht einer Vergütung von dann ca. 30 ct pro kWh.
    Bei einem spezifischen Preis von 3000 €/kWp im nächsten Jahr und einem mittleren spezifischen jährlichen Solarertrag von 900 kWh/kWp errechnet sich eine Rendite von 4,6% p.a. nach Steuer.
    Das ist das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsrechnung mit der Exceldatei solarstrom.xls, welche von der Homepage des Umweltinstituts München kostenlos herunterladen werden kann (www.umweltinstitut.org/downloads/solarstrom.xls). Darin können alle möglichen Faktoren, welche die Wirtschaftlichkeit beeinflussen,
    individuell vorgegeben werden.
    Eine 30%ige Absenkung der Vergütung wäre also noch keine Katastrophe für die Solarbranche.

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2009, Cleanthinking.de – Cleantech und Energie News, Cleanthinking.de: Cleantech Wirtschaftsmagazin für die saubere Energie der Zukunft | business pro theme by ep -- Cleantech PR-Agentur -- Bildrechte im Header erworben bei fotolia.de -- CleanTech, Saubere Technologie, Energieeffizienz, Photovoltaik, Erneuerbare Energien, grüne Wirtschaft, Elektroauto, Elektromobilität
41 queries, 0.508s | Beiträge (RSS) & Kommentare (RSS) | powered by wp & insurance1