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5 Fragen an… Rüdiger Grimm von geoEnergie Konzept

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Geothermie / Freiberg. Die Geothermie-Branche in Deutschland steht derzeit unter Druck: In den kommenden Jahren müssen Erfolge her, damit sich diese erneuerbare Energiequelle erschließen lässt. Wenige Negativ-Beispiele machen der Branche zu schaffen. Dabei ist Geothermie eine saubere Technologie, die sogar die dringend notwendige Grundlastfähigkeit mitbringt. Über die Chancen und den Nutzen der oberflächennahen Geothermie haben wir uns daher mit Rüdiger Grimm, dem Geschäftsführer des Freiberger Unternehmens geoEnergie Konzept in der Rubrik „5 Fragen an…“ unterhalten.

CleanThinking.de: Geothermie und Erdwärme ist ein sehr breites Feld: Wo liegen Ihre Kernkompetenzen als geoENERGIE Konzept?

Rüdiger Grimm, Geschäftsführer von geoEnergie KonzeptGrimm: Wir sind als Fachplaner auf dem Gebiet der Oberflächennahen Geothermie tätig, die auch als Erdwärme bekannt ist. Unser Leistungsspektrum umfasst dabei den gesamten Prozess von der Erstberatung über die Planung der Anlage und die Durchführung von Testarbeiten bis zur späteren Überwachung der Erdwärmeheizung. Unser Kundenkreis reicht vom Privatmann mit Einfamilienhaus über Wohnungsbaugesellschaften und öffentliche Bauherrn bis zu Industrieunternehmen.

CleanThinking.de: Sie sitzen in Freiberg in Sachsen: Was bedeutet der Standort Ostdeutschland im Hinblick auf Ihre Projekte? Gibt es regionale Projekte aus Freiberg, die beispielgebend sind?

Grimm: Ostdeutschland ist sicherlich ein geographischer Schwerpunkt unserer Arbeit, wir sind aber bundesweit tätig. Insgesamt ist die Situation in den ostdeutschen Ländern sehr unterschiedlich, was die Installation von geothermischen Anlagen angeht. Während Brandenburg in der von uns gemeinsam mit den Geothermie-Verbänden erstellten „Erdwärme-Liga“ im Jahr 2010 an erster Stelle lag und Sachsen einen Platz im oberen Mittelfeld einnahm, gehören Sachsen-Anhalt und Thüringen zu den Schlusslichtern unter den Flächenländern. Da ist definitiv noch Spielraum nach oben.

Beispiel gebende Projekte in Freiberg gibt es etliche, da sind wir auch stolz drauf. So hat die hiesige Städtische Wohnungsgesellschaft SWG in den Jahren 2009 und 2010 drei denkmalgeschützte Wohnhäuser aus dem Jahr 1932 von Grund auf saniert. Mit diesem Projekt wollte die SWG ein Pilotprojekt für die Geothermienutzung vor Ort errichten und hat uns dafür ins Boot geholt. Wir haben die Anlage in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen für den Heizungsbau geplant und umgesetzt. Über insgesamt sechs Erdwärmesonden sorgt Geothermie für eine behagliche Wohnatmosphäre. Unser Monitoring hat ergeben, dass die Anlage effizient und damit umweltfreundlich arbeitet. Einmalig an diesem Projekt ist auch die Anzeigetafel, die man sonst eher von PV-Anlagen kennt. So können die Mieter und auch Passanten sehen, wie viel Energie bislang erzeugt wurde und welche Emissionen damit vermieden werden konnten.

Dass Geothermie nicht nur im Wohnungsbau Gewinn bringend eingesetzt werden kann, sondern auch in Industriebauten, zeigt ein weiteres Beispiel aus Freiberg. Das Unternehmen ACTech GmbH, das Gussteilprototypen und Kleinserien für Kunden aus verschiedenen Branchen fertigt, nutzt bereits seit mehreren Jahren Geothermie in seinen Fertigungsgebäuden. Im Jahr 2007 haben wir für eine neue Feingießerei von ACTech eine Geothermie-Anlage geplant, die vorrangig zur Kühlung eingesetzt wird. Dadurch können mehr als 60% der Betriebskosten und mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart werden. Das Unternehmen war offenbar zufrieden mit der Enerqiequelle Erdwärme: Auch die im vergangenen Jahr fertig gestellte neue Fertigungshalle für die Mechanische Bearbeitung haben wir mit einer Geothermie-Anlage ausgestattet. Hier kam als Vorteil dazu, dass auf Grund der erforderlichen konstanten Raumtemperatur für die Bearbeitung der Prototypen Erdwärme nahezu ideal ist.

CleanThinking.de: Welche Kriterien muss ein Unternehmen, das über eine eigene Erdwärmesonde nachdenkt, beachten?

geoEnergie GeothermieGrimm: Grundsätzlich kann die Oberflächennahe Geothermie fast überall genutzt werden, Ausnahmen gibt es in Wasserschutzgebieten. Der Unterscheid liegt aber in der „Ergiebigkeit“ des Untergrundes, den diese ist maßgebend für die Investitionskosten. Gerade bei größeren Anlagen, also für Mehrfamilienhäuser oder Büro- und Industriegebäude, ist es unabdingbar, im Vorfeld die thermischen Eigenschaften des Untergrunds zu ermitteln.

Das geschieht mittels eines so genannten Thermal Response Test (TRT). Dabei wird über einen bestimmten Zeitraum (meist 72 Stunden) eine definierte Wärmemenge über die Erdwärme-Sonde auf das umgebende Gestein übertragen und die entsprechende „Antwort“ (thermal response) gemessen. Aus den Messkurven kann die Wärmeleitfähigkeit für den Standort ermittelt werden. Diese Erkenntnisse sind die Grundlage für die Dimensionierung der Anlage, sprich die Zahl der notwendigen Sonden und die benötigten Bohrmeter. So kann es keine unliebsamen Überraschungen geben, denn jeder zusätzliche Bohrmeter erhöht die Investitionskosten!

CleanThinking.de: Wann ist oberflächennahe Geothermie wirtschaftlich einsetzbar?

Grimm: Zur Wirtschaftlichkeit einer Anlage tragen verschiedene Faktoren bei. Sehr wichtig ist die Effizienz der Anlage. Eine Wärmepumpe – die die Energie aus dem Erdreich in Heizungswärme wandelt – benötigt Antriebsenergie, d.h. elektrischen Strom. Damit die Betriebskosten niedriger bleiben als bei anderen Heizsystemen, muss die Wärmepumpe eine möglichst hohe Jahresarbeitszahl (JAZ) aufweisen.

Diese Einheit gibt das Verhältnis von Heizenergie zur Antriebsenergie an. Eine JAZ von 4 bedeutet, dass die Heizenergie das 4-fache der Antriebsenergie beträgt. In diesem Fall kämen 75% der Energie aus der erneuerbaren Energiequelle. Die JAZ hängt im Wesentlichen von der erforderlichen Temperaturdifferenz zwischen Quelle und Heizsystem ab. Diese kann durch die Wahl möglichst großflächiger Heizkörper oder einer Flächenheizung, aber auch durch Wärmedämmung der Gebäudes optimiert werden.

Die Wirtschaftlichkeit wird deutlich gesteigert, wenn die Geothermie auch zur Gebäudekühlung eingesetzt wird. Dann sinken die Betriebskosten im Sommer, wenn herkömmliche Klimaanlagen ersetzt werden. Zugleich steigt die Temperatur im Erdreich, da die im Sommer den Gebäuden entzogene Wärme über die Erdwärmesonde „abgefahren“ und im Untergrund gespeichert wird. Dadurch verringert sich in der darauffolgenden Heizperiode die von der Wärmepumpe auszugleichende Temperaturdifferenz, so dass weniger Antriebsenergie notwendig ist, was wiederum die JAZ erhöht.

Eine gut geplante Geothermie-Anlage, die in enger Abstimmung mit der Gebäudetechnik errichtet wird, amortisiert sich klar innerhalb der Lebenszeit der Heizungsanlage – wobei die Erdwärmesonden auch noch deutlich länger einsetzbar sind als die Heizung an sich.

CleanThinking.de: Bislang kann Geothermie im Wohnungsbau vor allem bei Neubauten eingesetzt werden: Ist die Nutzung auch bei Altbausanierungen möglich?

Grumm: Wie nicht zuletzt das oben genannte Freiberger Beispiel zeigt: Ja, sogar bei denkmalgeschützten Gebäuden. Sie muss allerdings Teil eines Gesamtsanierungskonzepts sein. Gerade Wohnungsbaugesellschaften können – neben der Wertsteigerung der sanierten Gebäude – auch indirekt profitieren, wenn sie den Imagegewinn durch den Einsatz einer umwelt- und klimafreundlichen Technologie in ihrer Kommunikation nutzen. Und Kommunen können ihren Klimaschutzzielen näher kommen, wenn sie den kommunalen Wohnungsbestand entsprechend sanieren.

Ein weiteres Argument sind die Nebenkosten. Die so genannte „zweite Miete“ spielt heutzutage bei der Entscheidung des Mieters für ein Wohnobjekt eine nicht unwesentliche Rolle. Und da kann die Wärmepumpe deutliche Kostensenkungen bewirken!

CleanThinking.de: Herr Grimm, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.

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