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5 Fragen an… Sam Sciacca von IEEE-SA

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Cleantech News / Düsseldorf. IEEE-SA ist die Standard-Organisation des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) des weltweit größten Verbands zur Technologieförderung. Mit fast 400.000 Mitgliedern aus mehr als 160 Ländern, fördert IEEE Innovationen, ermöglicht den Ausbau der internationalen Märkte und unterstützt die Funktionalität, Leistungsfähigkeit und Interoperabilität einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen. Ein Schwerpunkt der Organisation ist unter anderem die Erstellung von Industriestandards für Smart Grids. CleanThinking.de sprach mit Sam Sciacca, Vorstandsmitglied der IEEE Standards Association, über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der „Intelligenten Netze“.

CleanThinking.de: Herr Sciacca, welche Entwicklungen im Bereich Smart Grid stellen für IEEE-SA die nächsten Herausforderungen dar?

IEEE Sam Sciacca
Sam Sciacca

Sam Sciacca: Wir haben kürzlich den Standard IEEE 2030 verabschiedet, der – als eine Art Roadmap – die Architektur des Smart Grids vorsieht. Im nächsten Schritt werden sich nun viele verschiedene Organisationen an dieser Roadmap orientieren und dabei die Details, die noch nötig sind, um sie zu realisieren, identifizieren.

Im übertragenen Sinne kann man sich das so vorstellen, wie bei einem Plan für eine Reise zum Mond. Nachdem der Plan steht ergeben sich neue Fragen, wie zum Beispiel: „Wie soll das Raumschiff aussehen?“. Diese Fragen werden aus verschiedenen Teilen der Welt kommen. Und es werden zusätzliche Standards entstehen. Auf der einen Seite werden sich diese aus bereits existierenden, sei es aus IEC-, VDE-, oder beispielsweise chinesischen Standards, entwickeln. Auf der anderen Seite wird es Leute geben, die sich die Roadmap anschauen und dabei feststellen, welche neuen Standards ihre Realisierung voraussetzt.

CleanThinking.de: Denken Sie, es ist realistisch, dass die vielen kleinen Smart Grids, die es anfangs geben wird, zu einem großen zusammenhängenden Smart Grid verschmelzen werden?

Sam Sciacca: Ja, ich denke dass sich mit der Zeit ein großes Smart Grid entwickeln wird. Die Entwicklung wird jedoch in den verschiedenen Ländern und Regionen auf unterschiedliche Art und Weise ablaufen. Schließlich sind Smart Grids aufgrund verschiedener Energieversorgungsstrukturen und Industrien in den einzelnen Ländern sehr spezifisch und unterscheiden sich daher von Ort zu Ort. Sie können jedoch wachsen uns sich – ähnlich wie beim Internet – in ein zunehmend größeres System ausdehnen.

Sobald den Leute das Potenzial eines Smart Grids bewusst wird, werden immer neue Anwendungen für dieses aufkommen und neue Nutzen entstehen.

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CleanThinking.de: Wie verhält es sich mit dem Datenschutz innerhalb eines Smart Grids?

Sam Sciacca: Bei sämtlichen vernetzten Technologien wird ein großer Teil an Informationen nachverfolgbar. Wenn wir im Internet surfen, kann nachverfolgt werden, von welchem Computer aus wir wie lange auf welcher Website waren. Wir nehmen diesen Einschnitt in die Privatsphäre hin, weil der Nutzen, den wir durch das Internet erzielen, überwiegt. Ähnlich verhält es sich beim Smart Grid. Die Energieversorgungsunternehmen werden feststellen können, wann wir morgens aufstehen und unter die Dusche beziehungsweise abends ins Bett gehen. Aber auch hier werden Aspekte des Datenschutzes mit den verschiednen Vorteilen abgewogen.

CleanThinking.de: Kann ein Smart Grid genauso solide sein kann wie unser konventionelles Netz?

Sam Sciacca: Ja, in manchen Gegenden wird das Smart Grid sogar zuverlässiger sein, weil die Energie aus verschiedenen Quellen stammt. Unterscheiden wird sich das Smart Grid jedoch dadurch, dass die Konsumenten Teil der Gleichung sein werden. Momentan nutzen wir elektrische Energie, ohne darüber nachzudenken, wie viel wir wann nutzen. Wir erwarten von den Versorgern, dass sie stets die gewünschte Leistung bereitstellen. In Zukunft wird sich das ändern. Dann wird uns das Smart Grid informieren, wenn nicht genügend Energie im Netz ist und uns bitten, selbst Strom einzuspeisen oder unser Verhalten an das vorhandene Angebot anzupassen, also beispielsweise energieintensive Tätigkeiten auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben. Die Überwachung des Netzes und die zusätzlichen Daten, die es generiert, werden es jedoch stabiler machen als unser konventionelles Netz.

CleanThinking.de: Insbesondere in Deutschland wird der Ausbau der erneuerbaren Energien stark forciert. Kann die Entwicklung des Smart Grids da überhaupt mithalten?

Sam Sciacca: Die Erzeugung von Wind- und Solarstrom ist schon sehr weit fortgeschritten. Was uns allerdings noch fehlt, sind adäquate Speichertechnologien. Diese werden voraussichtlich noch am meisten Forschung und Entwicklung benötigen.

Des Weiteren kommt aber auch hier den Endkunden – also uns allen – wieder eine wichtige Rolle zu. Wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir mit den Energieversorgern kooperieren und akzeptieren, dass wir unter Umständen auch unseren Energieverbrauch von Zeit zu Zeit der verfügbaren Elektrizität anpassen – und nicht andersherum, wie es bisher der Fall ist.

CleanThinking.de: Herr Siacca, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch!

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