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Jeder Fünfte LKW-Abgaskatalysator defekt oder manipuliert

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AdBlue-Killer gaukelt Abgasreinigung vor, obwohl Abgaskatalysator außer Betrieb ist.

Die Erkenntnis ist nicht neu, aber die neuerliche Bestätigung ist erschreckend: Jeder fünfte LKW auf Deutschlands Straßen fährt ohne funktionierenden Abgaskatalysator über Autobahnen und Landstraßen. Dadurch entgehen dem Staat mehr als 100 Millionen Mauteinnahmen pro Jahr – und Stickoxide belasten die Luftqualität erheblich.

Lastkraftwagen aus Osteuropa fielen bei der Untersuchung noch deutlicher auf – jeder Vierte Transporter mit osteuropäischer Herkunft konnte die Grenzwerte bei der Kontrolle nicht einhalten. Für die Studie hatten die Deutsche Umwelthilfe, die Universität Heidelberg und die Verkehrspolizei Sachsen an einem Tag im Mai 2019 zusammengearbeitet. Insgesamt waren 20 Prozent der 141 gemessenen Fahrzeuge defekt oder manipuliert.

Oftmals setzen osteuropäische Speditionen sogenannte AdBlue-Killer ein – das sind kleine Geräte, die den Kontrollsystemen vorgaukeln, es würde AdBlue zur Abgasreinigung wie vorgesehen in den Abgaskatalysator zugeführt. Real wird aber AdBlue eingespart – aus Sicht der Speditionen bietet das gleich eine doppelte Kostenersparnis: Einerseits fallen sie bei der Mauterhebung in einer andere Klasse, so dass dem Staat mehr als 100 Millionen Euro jährlich verloren gehen. Andererseits werden die AdBlue-Kosten gesenkt.

Software-Manipulation führt zu 9539 mg NOx/kWh

Ein besonders krasses Beispiel: Ein Euro V-LKW von MAN hatte bei der Stickoxid-Messung einen Durchschnittswert von 9538 mg NOx/kWh hervorgebracht. Der Prüfwert inklusive Toleranzenge liegt bei 3.000. Der von der Verkehrspolizei kontrollierte LKW fiel dadurch auf, dass bei manueller Überprüfung der Fahrzeugparameter über eine Diagnoseschnittstelle skurille Werte herauskamen.

Der notwendige Temperatursensor, der die Abgasreinigung reguliert, gab einen Wert von -20 Grad Celsius aus. Dadurch wird die AdBlue-Einspritzung in den Abgaskatalysator unterbunden. Als Außentemperatur zeigte das Fahrzeuge reale 21,3 Grad Celsius an. Ergebnis: Eindeutige Manipulation der Software.

Der Abgaskatalysator bzw. das gesamte System zur Abgasreinigung kann über elektronische Module, sogenannte Emulatoren, sowie Software-Eingriffe manipuliert werden, sodass die erforderliche Einspritzung von Harnstoff unterbunden oder die Abgasrückführung reduziert wird. Die bordeigenen Kontrollsysteme werden ausgetrickst, sodass das Fahrzeug ohne weitere Fehlermeldung und ohne funktionierende Abgasreinigung weiterfährt. 

Problem ist, dass die Kontrollen offenbar so lasch sind, dass Fahrer und Speditionen quasi nie erwischt werden. Daher fordert die Deutsche Umwelthilfe jetzt deutlich mehr und effektivere Kontrollen durch die zuständigen Behörden sowie wirkungsvolle Sanktionen gegen die Betreiber der Fahrzeuge.

Auffällige Fahrzeuge mit zu hohen Schadstoffemissionen sollten sofort stillgelegt und erst nach einer nachgewiesenen Reparatur der Abgasreinigungsanlage und einer anschließenden Prüfung durch die Behörden wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Dazu benötigt die Autobahnpolizei neben ausreichenden personellen Kapazitäten die technische Ausstattung, um Fahrzeuge mit zu hohen Emissionswerten aufdecken zu können.

Die aktuellen NOx-Abgasmessungen durch das Institut für Umweltphysik fanden an vier Tagen Ende Mai 2019 auf Autobahnen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen statt. Die Konzentration von NOX und CO2 in der Abgasfahne hinter den Lkw wurde während der Fahrt nach dem „Plume Chasing“ Verfahren untersucht.

Cleanthinking-Einschätzung zum Thema Abgaskatalysator

Der Test nach meiner Einschätzung, dass der Kostendruck im Transportgewerbe enorm ist. Das hängt auch mit überlasteten Strecken und hohem Konkurrenzdruck zusammen. Unklar ist, wie sich höhere Dieselpreise durch die geplante CO2-Bepreisung auswirken werden.

Wichtig ist in jedem Fall die Digitalisierung des Sektors, damit weniger LKW halbleer oder gänzlich ohne Ware fahren müssen. Außerdem braucht es definitiv mehr Verlagerung von Transporten auf die Schiene und schnelleres Umschwenken der Speditionen auf alternative Antriebe.

Das ZDF hatte im Februar übrigens bereits über einen früheren Test berichtet: Den Bericht gibt es hier zu sehen.

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1 Kommentar
  1. […] Jeder Fünfte LKW-Abgaskatalysator defekt oder manipuliert […]

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