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Altmaier will Strombedarf Deutschlands in 2030 anpassen und erneuerbare Energien viel stärker ausbauen

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat in einem aktuellen Interview eingeräumt, dass der Strombedarf Deutschlands im Zuge von Energiewende und Dekarbonisierung steigen wird.

Über Monate vertrat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zuletzt die Ansicht, der Strombedarf Deutschlands werde sich zwischen 2020 und 2030 nicht erhöhen – trotz der Umstellung auf Elektroautos, dem Aufbau von Elektrolyseur-Infrastruktur und vieler anderer Maßnahmen. Zwar ist es richtig, dass etwa in Raffinerien und durch Effizienzverbesserungen, Stromverbräuche sinken: Zu einem deutlichen Anstieg kommt es trotzdem, wie etwa der Bundesverband Erneuerbare Energien vor einigen Wochen errechnet hat.

Durch die verschärften Klimaziele Deutschlands einerseits und der EU andererseits müsse er von einem deutlich höheren Strombedarf ausgehen, so Altmaier. Dazu werde das Bundeswirtschaftsministerium neue Berechnungen vorlegen

Im Interview mit der WirtschaftsWoche kündigte Peter Altmaier im Zuge der Veränderungen beim Strombedarf an, konkrete Vorschläge vorlegen zu wollen, wie die Offshore-Windkraft sowie Windenergie an Land und Photovoltaik „viel stärker“ ausgebaut werden könnten, als bisher vorgesehen. Warum Altmaier erst jetzt dieser Forderung, die beispielsweise auch der Koalitionspartner SPD lange Zeit vertrat, nachkommt, ist unklar. Wann die Vorschläge auf dem Tisch liegen, ebenfalls.

Nach Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energien erhöht sich der Bruttostromverbrauch sehr deutlich von 571 Terawattstunden in 2019 auf 745 Terawattstunden in 2030. Der klassische Stromverbrauch hingegen nimmt nach BEE-Annahmen aufgrund sehr ambitionierter Effizienzannahmen um 48 Terawattstunden (TWh) ab. Die Netzverluste, der Eigenverbrauch der Kraftwerke und Speicherverluste verringern sich insgesamt um 8 TWh.

Der zusätzliche Strombedarf von 205 TWh im Wärme- und Verkehrssektor für Wärmepumpen, Elektromobilität und Sektorenkopplungstechnologien (PtX) überkompensiert jedoch diesen Rückgang, sodass der gesamte Bruttostromverbrauch bis 2030 um rund 174 TWh steigt. PtX, wie grüner Wasserstoff, und Elektromobilität nehmen mit 110 TWh bzw. 45 TWh den größten Anteil am zusätzlichen Stromverbrauch ein. Wärmepumpen erhöhen den Strombedarf um 29 TWh. Für die direkte Stromnutzung für Prozesswärme kommen 21 TWh hinzu.

Nach dem BEE-Szenario 2030 muss der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch mehr als verdoppelt werden: von 17 Prozent (Stand 2019) auf 44 Prozent im Jahr 2030. Im Verkehrs- und Wärmesektor sind die Anteilssteigerungen von 6 auf 38 Prozent bzw. von 15 auf 49 Prozent besonders signifikant. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch wächst von 42 auf 77 Prozent.

Die installierte Leistung der Onshore-Windenergieanlagen muss bis 2030 auf 95 GW gesteigert werden, die der Photovoltaik auf 205 Gigawatt. Die Offshore-Windenergie weist ebenfalls höhere Potenziale auf, die aber aufgrund der langen Planungszeiträume vor 2030 noch nicht erschlossen werden können. Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft bleiben im Stromsektor ebenfalls weitgehend konstant. Die gesamte EE-Leistung nimmt im Zeitraum von 2019 bis 2030 von 124 Gigawatt auf 337 Gigawatt zu, was 72 Gigawatt mehr als im bisherigen Szenario darstellt.

% S Kommentare
  1. Cornelius Oberle sagt

    Was immer vergessen wird:
    Es reicht nicht, den Ökostrom irgendwann, nämlich wenn gerade Wind weht oder die Sonne scheint, zu produzieren. Strom muss just in time, also bedarfsgerecht geliefert werden. Da relevante Stromspeicher technisch nicht in Sicht sind, macht es keinen Sinn immer mehr Windräder zu installieren. Der zusätzliche Beitrag zu CO2-Reduktion geht immer mehr gegen Null.
    Und: Die angeblich günstigen Produktionskosten vom Windstrom stimmen nur, wenn man den Bedarf und damit die Versorgungssicherheit ignoriert. Andernfalls müssten Stromspeicher oder Backup-Kraftwerke eingepreist werden. Dann wird es teuer, was man an den deutschen Strompreisen sieht.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Hallo Cornelius,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Niemand vergisst, dass Angebot und Nachfrage erneuerbarer Energien in Einklang gebracht werden müssen. Dazu dienen Strom- und Wärmespeicher auf ganz verschiedenen Ebenen, dazu dient Digitalisierung (Angebotsorientierung, Verschiebung von Lastspitzen) etc.

      Vielen Menschen fällt es schwer, den Systemwechsel zu begreifen. Wir bekommen ein weitgehend verteiltes Energiesystem. An ganz vielen Stellen wird heute schon Energie direkt dort verbraucht wo sie produziert wird. Netze bekommen eine andere Funktion. Kraftwerke bekommen eine andere Funktion – virtuelle Kraftwerke übernehmen den Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Dazu zählen auch virtuelle Stromspeicher wie etwa der Zusammenschluss von Heimspeichern und Elektroauto-Batterien.

      Die Lösungen sind da, und weit weniger teuer als Du es Dir vorstellst. Die Wissenschaft liefert dazu die passenden Studien, die in Auflösung von wenigen Minuten untersuchen, ob genügend Energie zur Verfügung steht.

      Der Kern ist der Ausbau der Erneuerbaren.

      VG von Martin

      1. Manfred Bedbur sagt

        Virtuelle Kraftwerke? Jawohl, und virtueller Strom! Den können wir uns denken!

        1. Martin Jendrischik sagt

          Nein, natürlich gibt es keinen virtuellen Strom, Manfred. Was soll diese Aussage?

          Mit sonnigen Grüßen, Martin Jendrischik

  2. Pit Stein sagt

    Endlich geht dem Altmaier ein Licht auf!!!

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