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Bioeconomy: Merkel eröffnet neues Fraunhofer-Zentrum in Leuna

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Das Spitzencluster BioEconomy hat neben dem Holzcluster Rottleberode, dem Biomasseforschungszentrum in Leipzig und den Stendaler Zellstoffwerken einen weiteren, ganz wichtigen Baustein bekommen. Am vergangenen Dienstag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ein neues Fraunhofer-Zentrum eingeweiht. Das Fraunhofer CBP soll die Lücke zwischen Labor und industrieller Umsetzung schließen.

Haben gut lachen: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Prof. Thomas Hirth und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. (Fotos: Martin Jendrischik)

Cleantech News / Leuna. Die Einweihung des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna hätte symbolträchtiger kaum stattfinden können: Am Tag, an dem bereits in München die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit begannen, zeigte sich in Leuna eine ganz besondere Erfolgsgeschichte deutscher Wiedervereinigungs-Historie.  Der Chemiestandort Leuna galt in der DDR zwar bis zuletzt als „Beispiel produktiver Stärke“, wie sich Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer Festrede erinnerte – vor 22 Jahren habe sich bei näherem Hinsehen aber gezeigt, dass es notwendig sei, im Zuge der Wiedervereinigung in Leuna „neue Wege zu wagen“.

„Damals hat die Politik richtig entschieden, die vielen Fachkräfte hier in der Region zu halten und das Chemiedreieck neu zu gestalten“, so die Bundeskanzlerin. Dies veranschauliche, dass Politik durchaus befördern könne, dass „etwas Neues entsteht“. „Innovationen können vom Staat aber nicht befohlen werden“, so Merkel weiter. „Die Politik kann nur Mut machen, es zu leben.“ 

Konzernzentralen in Leuna „züchten“

Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Mit der Eröffnung des mehr als 50 Mio. Euro teuren Fraunhofer-Zentrums ist dem Standort Leuna in Sachsen-Anhalt ein weiterer Schritt geglückt, um auch künftig einen Ausgleich dafür zu finden, dass es in der Region keine industriellen Leuchttürme gibt. „Wir haben hier, das ist richtig, keine Unternehmenszentralen“, so Stephan Witt, Manager des Spitzenclusters BioEconomy. „Aber wir können uns welche züchten.“ Zuvor hatte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bedauert, es gebe in der Region Leuna keine Konzernzentralen, dafür aber große Niederlassungen namhafter Unternehmen wie Linde. Wer in fünf oder zehn Jahren wiederkomme, der werde neben diesen großen Namen, vermutlich auch neue Unternehmen entdecken, so die Erwartung von Witt.

Apropos Züchten: Im Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse dreht sich als Teil des Spitzenclusters Bioeconomy alles im die Nutzung nachwachsender Rohstoffe wie beispielsweise Holz als Grundstoffe für die Chemieindustrie. Das weltweit einmalige Versuchslabor CBP soll dabei helfen, ein altes Problem zu beseitigen: Bislang galt es als schwierige Hürde, die Prozesse zur Herstellung chemischer Grundstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen in den industriellen Maßstab zu übertragen.

Nachwachsende Rohstoffe für die Wertschöpfung

„Die Integration der Nachwachsenden Rohstoffe in die jetzige Wertschöpfungskette ist eine große Herausforderung“, betonte Prof. Thomas Wirth, einer der wissenschaftlichen Vordenker des Fraunhofer-Zentrums sowie des Spitzenclusters. Die große Vision mit dem Spitzencluster Bioeconomy sei es, durch die Vernetzung vieler Partner einen gewichtigen Beitrag zur künftigen, biobasierten Wirtschaft zu leisten. Derzeit beteiligen sich rund 80 Partner aus Wissenschaft und Unternehmen am Spitzencluster.

Das bedeutet konkretisiert, dass Kunststoffe, Lacke oder Klebstoffe – also die Produkte der Chemieindustrie – künftig nicht mehr auf Basis von Erdöl sondern auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden sollen. Im Labormaßstab funktionieren solche neuen Verfahren, die ohne Lebens- und Futtermittel auskommen sollen, schon sehr gut. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in industrieller Dimension ist allerdings selbst für große Unternehmen ein erheblicher finanzieller und technologischer Kraftakt. Auch kleine und mittlere Unternehmen scheitern oft daran, ihre Produkte in die technische Anwendung zu bringen, obwohl sie im Labor bereits erfolgreich attraktive Produkte entwickelt haben.

Chemische Grundstoffe aus Biomasse produzieren

„Für die Partner des Clusters BioEconomy wird das Fraunhofer CBP die Produktion chemischer Grundstoffe aus Biomasse, z. B. Holz, ermöglichen. Es liefert damit eine wichtige Grundlage, um die Chemieproduktionen im Cluster mit Rohstoffen und Zwischenprodukten zu versorgen“, erläutert Stephan Witt. Biomasse, die nicht aus Nahrungsmitteln gewonnen wird, wie Holz soll Erdöl als Grundstoff heutiger Produkte der Chemieindustrie ablösen und zudem die Entwicklung neuartiger Stoffe ermöglichen. „Damit das, was im Reagenzglas funktioniert, auch im industriellen Rahmen umgesetzt werden kann, müssen wir die Prozesse in größeren Versuchsanlagen testen und optimieren“, erläutert Professor Dr. Hirth die Funktion des Fraunhofer CBP.

Das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP in Leuna (Bild: Fraunhofer CBP)

Das Fraunhofer CBP schließt also genau diese Lücke zwischen Labor und industrieller Umsetzung. Die Anlagen stellt das Fraunhofer CBP externen Partnern aus Forschung und Industrie zur Verfügung, um biotechnologische und chemische Prozesse zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe bis in produktrelevante Dimensionen zu entwickeln.

Es ist somit das einzige für Dritte offene Prozesszentrum für die Entwicklung und Skalierung chemisch-biotechnologischer Verfahren in Europa.

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Bundesregierung: Strategie Biobasierte Wirtschaft

Passend zu den Zielen und Aktivitäten im Spitzencluster Bioeconomy wird die Bundesregierung im Frühjahr 2013 eine Strategie „Biobasierte Wirtschaft“ vorstellen. Davon wird dann sicherlich auch weiter der altehrwürdige Standort Leuna profitieren.

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1 Kommentar
  1. Fabo sagt

    Gute Info – gute Seite
    Grüße,

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