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Cargobeamer vs. eHighway – wie der Güterverkehr in Zukunft sauberer werden soll

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Cleantech & Mobilität News / Berlin, Leipzig, Großdölln. Cargobeamer und Enuba sind zwei völlig unterschiedliche Visionen, vielleicht sogar Utopien, die beide gedacht werden müssen, um den Verkehrsinfarkt auf Deutschlands und Europas Straßen zu verhindern. Beide Projekte beschäftigen sich mit der Frage, wie der Güterverkehr sauberer und effizienter gestaltet werden kann. Heute tagt der Deutsche Umweltrat und wird dem Vernehmen nach den Vorschlag unterbreiten, Deutschlands Autobahnen von A1 bis A9 mit Oberleitungen zu versehen, um in Zukunft Elektro-LKW auf die Autobahnen zu bringen. Das könnte ein Durchbruch sein für die Technologie, die Siemens unter dem Projektnamen „Enuba“ in Brandenburg erprobt – und die dort bereits viele Zweifler überzeugt hat.

Verkehrsinfarkt vermeiden CargoBeamer
CargoBeamer will den Verkehrsinfarkt vermeiden

Mit Zweiflern muss sich seit vielen Jahren auch das Leipziger Unternehmen Cargobeamer AG herumschlagen: Das Cleantech-Unternehmen hat ein hoch intelligentes System entwickelt, um den Umschlag von Schwerlastverkehr mit Sattelaufliegern von der Straße auf die Schiene effizienter zu machen. CargoBeamer ist eine Idee aus den ausklingenden neunziger Jahren und hat Ende des Jahres 2007 die finanzielle Ausstattung und die Anerkennung von Öffentlichkeit, Markt und Politik gefunden. 2008 und 2009 wurde der CargoBeamer realisiert. Inzwischen gibt es die ersten zugelassenen CargoBeamer Waggons sowie ein Werksterminal, das zur automatisierten und parallelen Horizontalvberladung genutzt werden kann.

CargoBeamer konzentriert sich auf die LKW, deren Sattelauflieger nicht kranbar sind, bei denen es also keine Möglichkeit zur Verlagerung auf die Schiene gibt. Das Potenzial ist gewaltig: Sattelauflieger sind das dominierende Transportmittel im Güterverkehr auf der Straße. Derzeit können jedoch nur ca. 15 Prozent aller am Straßenverkehr beteiligten Transportbehältnisse am UKV – Unbegleiteter Kombinierter Verkehr – teilnehmen. Dabei handelt es sich um Wechselbrücken, Container und speziell modifizierte Sattelauflieger.

Der CargoBeamer macht durch seinen automatisierten, parallelen Umschlag der Trailer die Kombination Straße-Schiene hoch effizient.
Sattelauflieger sind das dominierende Transportmittel im Güterverkehr auf der Straße. Zurzeit können nur ca. 15 % aller am Straßenverkehr beteiligten Transportbehältnisse am UKV – Unbegleiteter Kombinierter Verkehr – teilnehmen. Dabei handelt es sich um Wechselbrücken, Container und speziell modifizierte Sattelauflieger.

Und: Die EU unterstützt CargoBeamer dabei, eine Ost-West-Verbindung von BeNeLux über NRW, Sachsen, Polen und Litauen nach Lettland aufzubauen. Neben dem Werksterminal in Leipzig sind CargoBeamer Gates in Hagen (NRW), Legnica (Polen), Calais (Frankreich) und Mockava (Litauen) in der Planungsphase.

Mehr zum CargoBeamer gibt es im Video zu sehen:

Enuba: Siemens will den eHighway bauen

eHighway SiemensEine wiederum ganz andere Vision verfolgt die Siemens AG mit ihrem Projekt Enuba. Der Cleantech-Konzern will Autobahnen überall auf der Welt mit Oberleitungen ausrüsten, um LKW mit einem seriellen Hybridantrieb darauf fahren lassen zu können. In Großdölln betreibt Siemens hierzu bereits eine Pilotstrecke. Das Enuba-Projekt wurde in den vergangenen Jahren vom Bundesumweltministerium mit über zwei Millionen Euro gefördert. Heute ist Enuba II in der Entwicklungsphase. Das Ziel: den elektrischen, fahrdrahtgebundenen Betrieb schwerer Nutzfahrzeuge für den Straßengüterverkehr untersuchen und die technische Realisierung des Systems auf einer Teststrecke demonstrieren.

Dabei werden die Systeme mit Hybrid-LKW getestet: Sobald ein solcher LKW den Kontakt zur Oberleitung verliert, springt der Dieselantrieb des Hybrid-LKW ein. Das Bundesumweltministerium ist jedenfalls begeistert: „Mit dem Projekt Enuba wurde der Grundstein für ein neuartiges, ökologisch orientiertes Güterverkehrskonzept gelegt“, heisst es in einer Broschüre fast schon euphorisch.

Mehr Informationen zu Enuba und den eHighway gibt es im Video:

Der Umweltrat ist von dem Konzept der Oberleitungen auf Autobahnen überzeugt: Im Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen, das heute in Berlin vorgestellt wird (Download siehe unten), sind auch die Kosten aufgeschlüsselt. Das Umweltgremium rechnet mit Kosten für Oberleitungen auf einer Länge von 5.700 Kilometer für die wichtigsten Autobahnen von 14,25 Milliarden Euro – eine vergleichsweise überschaubare Summe, schließlich würde der gelieferte Strom an die LKW-Betreiber verkauft und damit rasch amortisierbar. Andere Studien aus Schweden, die die Stuttgarter Zeitung zitiert, kommen zu einer Größenordnung von bis zu 2,5 Millionen Euro je Kilometer Oberleitung.

CargoBeamer und eHighway: Modelle, über die nachgedacht werden sollte

CargoBeamer und der eHighway von Siemens: Zwei denkenswerte Konzepte mit Vor- und Nachteilen. Während das CargoBeamer-Konzept auf zentrale Strecken und Terminals angewiesen ist, wird der Verkehr durch den eHighway von Siemens in keiner Weise gemindert. Der Co2-Ausstoß wird durch die neuen Hybrid-LKW, die keine große Batterie mehr an Bord haben müssen und dadurch vom Gewicht her realisierbar sein sollten, würden im Normalzustand als Diesel-LKW fahren und nur auf den Autobahnen elektrisch angetrieben werden. Der Überbau von 10 Autobahnen mit Oberleitungen wird Jahre dauern. Hinzu kommen Sicherheitsfragen, etwa bei Schnee oder bei starkem Wind und natürlich im Fall von Unfällen.

Das CargoBeamer-Konzept ist da ein Stück charmanter: Ein Teil des Verkehrs kann auf die Schiene verlagert werden, millionenfach neue LKW und Überbauten auf Autobahnen sind nicht nötig. Nachteil ist, dass es zunächst nur wenige Strecken gibt, die den Autobahn-Verkehr wirklich auf die Schiene verlagern. Aber gerade die Langstrecken etwa von NRW nach Lettland oder umgekehrt sind besonders umweltschädlich, wenn sie von LKW gefahren werden. Hier kann eine Verlagerung auf die Schiene einen höchst sinnvollen Umweltnutzen haben.

Nachteile des eHighway-Konzeptes ist natürlich, dass die Verkehrsmenge dadurch nicht abnehmen wird.

Weiterführende Informationen: Umweltgutachten 2012: Verantwortung in einer begrenzten Welt (Kurzfassung)  

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% S Kommentare
  1. Christian sagt

    In dem Artikel der hier zitierten Stuttgarter Nachrichten wird von 2,5 MILLIONEN € pro KM Oberlandleitung gesprochen, nicht MILLIARDEN.

    1. Danke für Ihren Hinweis – ist korrigiert.

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