Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Werbung

Cleantech Firmenporträt: Next Kraftwerke nutzt Notstromaggregate für virtuelles Kraftwerk

3

Next Kraftwerke GmbH LogoIm Herzen der schönen neuen Cleantech-Welt, wie wir von www.cleanthinking.de sie uns eines Tages vorstellen, liegt das Smart Grid. Es handelt sich um das intelligente Stromnetz, durch Steuerungstechnik und intelligente Vernetzung von Erneuerbaren Energien, Elektromobilität, Smart Metering und Hausautomation zu einem sinnvollen, makro- wie mikroökonomischen Ganzen zusammenführt.

Bis diese neue Welt unser aller Leben deutlich bis sehr deutlich verändern wird, dauert es noch ein paar Jahre oder sogar Jahrzehnte. Einige Technologien, wie die des Cleantech Startups NEXT Kraftwerke GmbH („Das virtuelle Regelkraftwerk“), können schon als Vorläufer verstanden werden. Lesen Sie hier, was die Gründer der NEXT Kraftwerke vorhaben, wie intelligent sie Notstromaggregate und andere Kleinerzeugungsanlagen nutzen wollen und auch, was einen der Investoren, Neuhaus Partners, dazu bewog, in das junge Unternehmen zu investieren.

Jochen Schwill und Hendrik Sämisch sind noch keine typischen Unternehmer. Bis vor wenigen Wochen wirkten sie noch als wissenschaftliche Mitarbeiter am Energiewirtschaftlichen Institut der Universität zu Köln. Als Mitglieder eines Forschungsteams für „kurzfristige Strommärkte“ kamen Schwill und Sämisch unter anderem mit dem sogenannten „Minutenreservemarkt“ in Berührung.

Dieser wichtige Nischenmarkt dient dazu, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen – klassischerweise sorgen dafür bislang Kraftwerksbetreiber, die ihre Stromproduktion kurzfristig variieren. Durch die steigende Einspeisung von teilweise schlecht vorhersehbaren Strommengen, die durch Erneuerbare Energien erzeugt werden, steigt die Bedeutung der Minutenreserve in den nächsten Jahren deutlich. Gleichzeitig sinkt das Angebot durch konventionelle Anbieter.

Genau dort setzt das junge Unternehmen NEXT Kraftwerke aus Köln an. Das Unternehmen hat ein intelligentes System entwickelt, um verschiedene kleine Erzeugungsanlagen bei Bedarf innerhalb von wenigen Minuten zu aktivieren oder zu deaktivieren.

Minutenreserve mit Notstromaggregat
Minutenreserve mit Notstromaggregat (Klicken zum Vergrößern!)

Um kurzfristig Stromfehlmengen liefern zu können, vernetzt NEXT Kleinerzeugungsanlagen im „Next-Pool+“, die normalerweise als stehende Reserve nicht am Strommarkt teilnehmen, wie beispielsweise Notstromaggregate. Auch für die kurzfristige Stromüberproduktion bietet Next im „Next-Pool-“ ein Produkt aus Kleinerzeugungsanlagen, die normalerweise im Dauerbetrieb fahren und nicht auf Strompreissignale reagieren, wie etwa Biogasanlagen.

„Der Clou an unserer Technologie ist, dass wir Ressourcen verwenden, die ohnehin vorhanden sind“, berichtet Jochen Schwill im Gespräch mit Cleanthinking.de.

Ganz konkret heißt das: NEXT Kraftwerke sorgt dafür, dass bspw. ohnehin bestehende Notstromaggregate – etwa bei Krankenhäusern oder Rechenzentren – für das allgemeine Stromnetz bzw. zum Einsatz für das virtuelle Kraftwerk von NEXT Kraftwerke nutzbar werden.

„Der Krankenhaus-Betreiber oder sonstige Besitzer eines Notstromaggregates kann so erstmalig am Strommarkt teilnehmen und mit einer ohnehin vorhandenen Ressource nebenbei und ohne Kosten Geld verdienen“, erklärt Jochen Schwill.

Eine Win-Win-Situation: NEXT Kraftwerke übernimmt die Kosten dafür, dass die Notstromaggregate per Mobilfunk an die Leitstelle des Unternehmens angebunden werden. Anteilig verdient das Unternehmen dann an den Auktionserlösen auf dem Markt für Minutenreserve.

„Unsere Notstromaggregate- Partner verdienen nicht nur mit bislang ungenutzten Kapazitäten: Im Idealfall wird es sogar in Zukunft so sein, dass regelmäßige Tests der Notstromaggregate, die meist Samstags morgens stattfinden und oft das Stromnetz belasten, wegfallen können, da sie durch den Zusammenschluss bereits getestet wurden.

Zukünftig  werden Testläufe der Notstromaggregate somit nur noch Strommarkt-geführt durchgeführt. Somit können wir Minutenreserve anbieten, ohne zusätzliche Ressourcen zu verbrauchen- einfach durch ein intelligentes System“, berichtet Jochen Schwill.

Es wird nicht nur Geld verdient, sondern gleichzeitig Kosten für Testläufe gespart. Eine Tatsache, die Dr. Gottfried Neuhaus, Managing Partner bei Neuhaus Partners, neben dem Hightech-Gründerfonds einer der Investoren, als „schlicht genial“ bezeichnet. Dr. Neuhaus ist ein Kenner der Szene: In seinem eigenen Unternehmen brachte er vor vielen Jahren das erste Modem auf den Markt – in einer Zeit als der Telekommunikationssektor gerade liberalisiert wurde.

In einer ähnlichen Situation befindet sich derzeit auch der Energiesektor. Und Dr. Neuhaus scheint ein idealer Partner zu sein, promovierte er doch zum Thema „Lastverteilung auf Kraftwerke“.

Dr. Gottfried Neuhaus, Neuhaus Partners„Die Produktionskosten, die NEXT Kraftwerke tragen muss, sind geringer als die für die klassische Erzeugung der positiven und negativen Minutenreserve. Wir sind absolut vom Geschäftskonzept und vom Team dahinter überzeugt“, versichert Dr. Neuhaus im Cleanthinking.de-Gespräch.

Momentan sind die beiden Gründer in der Präqualifizierungsphase. Dabei werden bereits die ersten Kleinerzeugungsanlagen auf ihre Tauglichkeit für Anwendungen, wie sie sich NEXT Kraftwerke vorstellt, zertifiziert. Diese Phase soll bis Ende des Jahres abgeschlossen und dann der eigentliche Markteintritt gelingen.

Bis dahin suchen die Kölner vor allem einen Leiter Vertrieb/ Business Development, der die notwendigen Vertriebsstrukturen schaffen soll. Die Betreiber von Notstromaggregaten lassen sich grundlegend sehr leicht identifizieren – entscheidend wird sein, möglichst rasch Vertrauen bei diesen Kunden zu gewinnen, damit der Pool sukzessive erweitert werden kann.

Die Idee des Unternehmens NEXT Kraftwerke, vorhandene Ressourcne für die Nutzung eines bestehenden und größer werdenden Problems zu nutzen, ist Cleantech pur. Eine Art Smart Grid in einer kleinen, aber wachsenden und wichtigen Nische. Wir werden die weitere Entwicklung dieses spannenden Unternehmens auch in Zukunft intensiv beobachten.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.