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Sauber in die Zukunft

DAUERHOLZ und ein ökologischer Werkstoff CleanTech-StartUp der Woche 3-2013:

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Noch hat der Winter die Bundesrepublik im Griff. Doch bald wird der Frühling Einzug halten. Wie schön wird es dann sein daheim im Garten, auf der Parkbank oder am See die ersten Sonnenstrahlen zu genießen. Für die Anwendung von Holz im Außenbereich – also auch für Terrassen, Parkbänke und Bootssteege – wurde wegen der bedeutend besseren Haltbarkeit bislang meist nicht auf einheimisch gewachsenes Holz, sondern auf Tropenholz vertraut. Jetzt kommt mit DAUERHOLZ die Alternative.

Dauerholz Cleantech-Startup der WocheWoran jedoch kaum gedacht wird: Jedes Jahr werden weltweit etwa 13 Millionen Hektar Wald abgeholzt –  bis zu 40 Prozent davon illegal. Ein Thema, das weit weg ist? Keineswegs: Die EU gilt als einer der größten Importeure illegalen Tropenholzes. Um dies zu ändern, stimmten bereits 2010 über 94 Prozent der EU-Parlamentarier einem neuen Holzhandels-Gesetz zu. Mit dem In-Kraft-Treten im vergangenen Jahr wurde die Brisanz der Thematik unterstrichen.

Was diese Entwicklung mit dem CleanTech-StartUp der Woche zu tun hat? Nun, die illegale Abholzung von Tropenhölzern birgt verheerende Folgen: Sie trägt zu etwa 20 Prozent der Treibhausemissionen bei, verursacht Artensterben, treibt die Verschlechterung der Boden-, Luft- und Wasserqualität voran. Neben großen Naturschutzverbänden unterstützen auch europäische Holzproduzenten sowie einige Importeure die Initiative.

Das CleanTech-StartUp der Woche unterstützt durch das Anbieten einer konkreten Alternative zum Tropenholz diese Initiative. Ein über viele Jahre entwickeltes und mittlerweile patentiertes Verfahren macht es möglich, regional zur Verfügung stehendes Kiefernholz so haltbar zu machen wie Tropenholz. Ein ökologischer und nachhaltig hergestellter Werkstoff eines StartUps, das engagiert und voller Eifer neues Terrain betrat – unser Grund, ein neues CleanTech-StartUp der Woche zu küren!

DAUERHOLZ: Fakten zum StartUp der Woche

DAUERHOLZ ist die Erfindung des Hamburger Tischlermeisters Jan Nies. Er entdeckte zufällig bei seiner Arbeit, dass Wachs an einem Holzstück dessen Verfall verlangsamte. Von da an versuchte er herauszufinden, wie man das Wachs dauerhaft in das Holz bekäme, um es so haltbarer und so robust wie Tropenholz zu machen. Knapp zehn Jahre hat der Erfinder aus der Hansestadt getestet und verbessert bis er das Verfahren patentieren lies.

In 2007 wurde das Unternehmen als DAUERHOLZ GmbH gegründet. Der Aufbau der Produktion auf einem stillgelegten Kasernengelände in Mecklenburg-Vorpommern dauerte dann knapp zwei Jahre, sodass 2009 die Produktion der heute als AG firmierenden Unternehmung aufgenommen werden konnte. Ines Iwersen, Leitung Marketing und Kommunikation bei DAUERHOLZ, erklärt: „Die Inbetriebnahme des stillgelegten Kasernengeländes in Dabel ermöglichte uns überhaupt erst, die vom Platzbedarf her sehr umfangreiche DAUERHOLZ-Produktion anzukurbeln – hinzu kommt ein sehr positiver Nebeneffekt: die Unterstützung des Wirtschaftsstandortes in Mecklenburg-Vorpommern.“ Die DAUERHOLZ AG schuf fast 70 Arbeitsplätze in Dabel.

Jährlich produzieren die Mitarbeiter in Dabel rund 10.000 Kubikmeter des ökologischen Werkstoffes. Mit steigender Tendenz, erklärt Iwersen, denn Holz sei der einzige nachwachsende und kohlenstoffneutrale Baustoff. Aber: Aller Anfang ist schwer! Diese Erfahrung musste auch die DAUERHOLZ AG machen. Die Branche sah DAUERHOLZ sehr kritisch, galt Tropenholz doch als die einzig wahres Holz im Außenbereich. Es kostete das Unternehmen viel Durchhaltevermögen, um Händler, Handwerker, Verbraucher und Kommunen vom neuen alternativen Werkstoff zu überzeugen.

„Heute steht fest: Wir sind auf dem Markt angekommen und werden als eine der wenigen Terrassendielen-Marken wahrgenommen“, berichtet Ines Iwersen stolz, „Holzfachhändler nennen DAUERHOLZ in einem Atemzug mit Marken wie Osmo oder Meister.“ Und dies sind schließlich Marken, die bereits Jahrzehnte am Markt bestehen.

Doch nicht nur die Branche akzeptiert DAUERHOLZ nach und nach. Auch Initiativen und Verbände würdigen den ökologischen Werkstoff. Vom Rat für nachhaltige Entwicklung wurde das CleanTech-StartUp bereits 2011 und 2012 mit dem Qualitäts- und Nachhaltigkeitssiegel WerkstattN ausgezeichnet. Für seine Innovationsleistung wurde das junge Unternehmen zudem als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2011“ geehrt (Foto der Preisverleihung, siehe unten). „Mit der Idee einen deutschen Ersatz für Tropenholz herzustellen, überzeugten wir die Jury der Initiative Deutschland – Land der Ideen“, erklärt Ines Iwersen.

Wer sich hinter DAUERHOLZ verbirgt

Jan Nies, ein Tischlermeister aus Hamburg, ist der Erfinder der Wachskonservierung. Als ihm nach etwa 10 Jahren des Entwickelns und Verbesserns bewusst wurde, dass seine Idee auch im größeren Stil funktionieren kann, begab er sich auf die Suche nach privaten Investoren, um eine grössere Anlage bauen zu können. Durch das entstehende Netzwerk kam er mit dem diplomierten Betriebswirt Olaf Weber in Kontakt. Dieser hat die DAUERHOLZ AG von der Startphase an mit aufgebaut.

Jan Nies ist heute Hauptgesellschafter des Unternehmens, jedoch nicht im operativen Geschäft tätig. Er arbeitet weiterhin als Tischlermeister in seinem Betrieb in Hamburg.

Liebe Leserinnen und Leser – jeden Motag wird ein neues CleanTech-StartUp der Woche porträtiert. StartUps können sich mit einer Mail an startups@cleanthinking.de bei der CleanThinking-Redaktion bewerben. Wir freuen uns über Hinweise und Empfehlungen! Auf geht´s – wir sind gespannt!

Patentiert und dauerhaft haltbar

„Wir machen das, was unter Holzexperten lange als unmöglich galt: Das Tränken des Kernholzes mit Wachs. Die patentierte Imprägnierung ist weltweit einmalig“, so Ines Iwersen. Die DAUERHOLZ AG verspricht: Da ausschließlich zertifiziertes Kiefernholz in den Tränkkessel kommt, wird dem Verbraucher ein hochwertiges Produkt mit langer Haltbarkeit aus 100 Prozent nachhaltiger Waldwirtschaft angeboten.

Wachs ist der Hauptbestandteil der umweltneutralen Lösung, mit der das Holz getränkt und konserviert wird. Es ist geruchs- und geschmacklos. Bei dem Holz handelt es sich ausschließlich um heimische, schnell nachwachsende und nicht gefährdete Baumarten. Die Verwendung von heimischem Holz garantiert kurze Transportwege – der Import von Tropenholz wird überflüssig. Durch die Bestellung des Holzes direkt beim Waldbesitzer lässt sich die Herkunft eindeutig nachvollziehen – der nachhaltige Umgang mit dem Rohstoff Holz ist zudem PEFC-zertifiziert.

Die Wachsimprägnierung erfolgt nicht nur – wie üblich – durch Schutz weniger Millimetern an der Holzoberfläche, sondern reicht bis in das Kerninnere des Holzstammes. Das Ergebnis: Ein regional geschlagenes Holz, das Eigenschaften aufweist, die bisher nur von Tropenhölzern zu erwarten waren.

Die Holzaltzernative ist belastbarer und härter als rein oberflächengeschütztes Holz, dauerhaft gegen Witterungseinflüsse, Fäulnis sowie den Befall von Schädlingen, Pilzen und Insekten geschützt. Dabei ist es pflegeleicht, splitterarm, formstabil, rutschfest und benötigt keine Nachbehandlung bzw. Imprägnierung. Das mögliche Auftreten von Rissen bietet auch keinen Angriffspunkt für Feuchtigkeit und Schädlinge, da das Wachs bis ins innere der Holzzellen wie ein Schutzpanzer wirkt. Dass das Cleantech-Unternehmen hinter diesen Aussagen steht und überzeugt von ihrem Produkt ist, beweist eine Garantie, die 15 Jahre umfasst.

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Produktion auf Gartenhölzern, wie Terrassendielen, Unterkonstruktionen und Produkten für Schwimmteiche. Auch Fassadenverschalungen und flexibel einsetzbare Konstruktionshölzer werden hergestellt. Sehr stark habe nach Unternehmensangaben das Interesse von Kommunen zugenommen. Da diese zunehmend auf Tropenholz verzichten, kommt DAUERHOLZ als haltbare und preiswerte Alternative für Stadtmöbel wie zum Beispiel Parkbänke ins Spiel.

Was die Zukunft bringen soll

„Zukünftig ist geplant, Werkstoffe, wie zum Beispiel ökologisch haltbar gemachte Bahnschwellen, für den industriellen Einsatz zu fertigen“, erklärt Frau Iwersen im Hinblick auf die Zukunft des ökologischen Werkstoffes, „Hinzu kommt, dass wir nicht nur beim Produkt an sich auf Innovation setzen, wir arbeiten auch mit einer High-Tech-Anlage für die Keilzinkung unserer Produkte.“ Zur Saison 2013 werden Dielen mit einer neuen, gebürsteten Oberflächenstruktur und eine rustikale Sortierung mit festverwachsenen Ästen angeboten. Auch neue Holzöl-Farben mit dem Namen DAUERSCHÖN  und das neue Befestigungssystem DAUERFIX werden nun vertrieben. Das unsichtbare Befestigungssystem wurde gemeinsam mit der Stanzwerk Reif GmbH entwickelt ermöglicht eine besonders zeitsparende Verlegung der Dielen.

Auch im Hinblick auf das Vertriebsgebiet tat und tut sich einiges: Es war geplant, DAUERHOLZ nur in Deutschland zu vertreiben – schnell kamen jedoch Interessenten aus der DACH-Region dazu. Auch Branchenkenner aus Polen und Finnland sind auf die Unternehmer zugekommen, da in beiden Ländern aus verschiebenden Gründen Interesse an qualitativ hochwertigen und haltbaren Hozprodukten besteht. „Auf der BAU 2013 sind nun weitere Kontakte entstanden – das Produkt wird es also eventuell demnächst auch in Großbritannien und Holland geben“, verrät die Kommunikationsexpertin.

Ein kleiner Fun-Fact zum Schluss: Nachhaltigkeit bedeutet auch, Abfallprodukte zu nutzen. Es verwertet seit neustem seine Holzabfälle zu IndianFire. Die Outdoor-Fackeln werden aus den gewachsten Spänen, die bei der DAUERHOLZ-Produktion anfallen, hergestellt.

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1 Kommentar
  1. Jörg Rupert sagt

    Diese Abholzung und Verschwendung finde ich katastrophal. Das geschieht alles auf Kosten unserer Nachkommen. gerade die grünen Lungen sind sehr wichtig für unser Klima. Gerade aus diesem Grund habe ich mich beispielsweise bei dem Bau unserer Terrasse auf WPC Dielen von der-preisbrecher.de verlassen, welche aus recycling Material bestehen. da macht das Gewissen dann ein nicht ganz so großen Faktor aus.

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