Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

ARKTIK und das klimaneutrale Autofahren

CleanTech-StartUp der Woche 7 - 2013

0 31

Der Klimawandel, das Zwei-Grad-Ziel, das Reduzieren von Treibhausgasemissionen – Schlagworte die aktueller nicht sein könnten und das Tätigkeitsfeld des StartUps der Woche knapp umreißen. Wie aktuelle Studien beweisen, sind Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema im Privaten, sondern vor allem auch ein Wettbewerbsfaktor für Unternehmen.

Im Widerspruch dazu steht das Verhalten vieler Menschen und Unternehmen im Alltag: Das Autofahren ist zum festen Bestandteil des Lebens geworden, macht uns unabhängiger, schneller, bequemer. Die Kehrseite: In Deutschland verursachen jährlich etwa 41 Millionen PKW rund 105 Millionen Tonnen CO2. Dies entspricht 12 Prozent der bundesweiten CO2-Emissionen. Die Elektrifizierung der Mobilität wird zwar von der Bundesregierung, Initiativen, Unternehmen und Verbänden vorangetrieben, kommt jedoch nur langsam in Gang. Das Abgas-Problem wird daher vermutlich noch mindestens 20 Jahre bestehen.

Was also so lange tun, wenn man nicht auf das Auto verzichten kann oder möchte? Der beste Klimaschutz ist es, Treibhausgase zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.

Um die CO2-Emissionen von 50 Litern Benzin einzusparen, müsste man jedoch beim Duschen 110 Tage auf warmes Wasser verzichten oder 347 Tage kein Licht einschalten (Single-Haushalt). Da sich dies eher schwierig gestaltet, hat das CleanTech StartUp der Woche eine andere Idee entwickelt.

ARKTIK: Fakten zum StartUp der Woche

Auszeichnung StartUp der Woche_ARKTIK

Die ARKTIK GmbH wurde 2008 von einem jungen dreiköpfigen Team gegründet. Sitz des Klimaschutz-StartUps ist die Hansestadt Hamburg. Heute umfasst das Team bereits acht Köpfe und hat zahlreiche Kooperationspartner für sich gewinnen können. Darunter der TÜV Nord, Jet, euroShell, der NABU. Die Idee:  Gemeinsam für den Klimaschutz eintreten. Wie genau, wird an späterer Stelle erklärt…

Dass diese Idee eine gute mit Potenzial ist, zeigen verschiedene Auszeichnungen und Nominierungen, die das unabhängige StartUp bereits vorweisen kann: In einer Studie der Verbraucherzentrale hat ARKTIK den 2. Platz belegt und in den Kategorien „Realitätsnahe Berechnung“ und „Qualität der Kompensation“ ein „sehr gut“ erhalten. Außerdem wurde das Unternehmen von der AUTO BILD – u.a. neben dem Hybridfahrzeug Toyota Prius – als eine von zehn Umweltinnovationen für das grüne Lenkrad nominiert.

Die Zielgruppe des Unternehmens ist zweigeteilt: Einerseits können sich Privatpersonen durch die Nutzung der ARKTIK Karte beim Tanken an Klimaschutzprojekten beteiligen und so einen Beitrag zur Emissionsreduktion leisten. Andererseits richtet sich ARKTIK als Full Service Anbieter im Bereich Klimaschutz bzw. „externer Klimaschutzbeauftragter“ auch an Unternehmen, deren Mitarbeiter, Logistiker, Fuhrparkmanager.

Wer sich hinter ARKTIK verbirgt

ARKTIK GründerARKTIK wurde 2008 von drei Doktoranden gegründet und ging als Spin-Off aus dem Institut für Technologie- und Innovationsmanagement an der Technischen Universität Hamburg-Harburg hervor.
Während ihres Studiums an der TU Hamburg-Harburg lernten sich das Gründungsteam der ARKTIK GmbH kennen. „Im Rahmen des Studiums waren das Entwickeln von kreativen und innovativen Ideen sowie das Thema Gründung stets präsent“, erklärt Dr. Florian Skiba, Geschäftsführer und Gründer. Kein Wunder also, dass sich Dr. Florian Skiba (links im Bild) gemeinsam mit Dr. Dominic de Vries (Mitte) und Dr. Frank Tietze (rechts im Bild) während ihren Promotionen am Lehrstuhl für Innovationsmanagement dazu entschloss, ein Unternehmen zu gründen. „Das Studium hat uns einen sehr fruchtbaren Boden zur Verfügung gestellt, auf dem gute Ideen wachsen konnten. Schließlich kam uns die Idee von ARKTIK als Klimaschutzunternehmen“, so Florian Skiba weiter.

Die ARKTIK Karte im FlyDie Idee einen CO2-Ausgleich für Flugreisen zu schaffen, war bereits etabliert und von der Gesellschaft akzeptiert. Den Gründern kam die Idee, dieses Konzept in den Alltag zu übertragen. Sie suchten nach Gründen, warum es diese Leistung nicht auch für Autofahrten gab. Das Ergebnis: Die Akzeptanz und das Interesse an solchen Projekten ist durchaus vorhanden: 72 Prozent der deutschen Autofahrer halten CO2-Kompensation für eine sinnvolle Maßnahme, aktiv das Klima zu schützen. Jedoch sei die Umsetzung mit einem höheren Aufwand – zum Beispiel dem Führen eines Fahrtenbuches – verbunden. „Es ist eben leichter bei der Flugbuchung einen Haken für den CO2-Ausgleich zu setzen, als selbst tätig zu werden“, so die Theorie des Gründerteams.

Die Lösung: Es sollte eine Automatisierung geschaffen werden, welche die Handhabung extrem vereinfacht. Entstanden ist die ARKTIK Tankkarte. Florian Skiba stellt fest: „Tankkarten gab es ja bereits. Das war keine Neuheit und die Akzeptanz bei den Nutzern damit bereits vorhanden.“ Die Unternehmensidee war geboren.

Liebe Leserinnen und Leser – in jeder Woche wird ein spannendes CleanTech-StartUp  vorgestellt. StartUps können sich mit einer Mail an startups@cleanthinking.de bei der CleanThinking-Redaktion bewerben. Wir freuen uns über Hinweise und Empfehlungen und sind gespannt, was die CleanTech-Welt bewegt!

Lesen Sie hier den zweiten Teil des StartUp-Porträts:

Wie das Konzept funktioniert und welche weiteren Dienstleistungen es gibt

Arktik_Gleichung_hochkant
Die ARKTIK-Gleichung.

Dass diese Idee des CO2-Ausgleich funktioniert, beweist nicht nur das Hamburger Klimaschutz-StartUp: In 2008 wurden weltweit bereits über 123 Millionen Tonnen CO2 freiwillig von Privatpersonen, Organisationen und Unternehmen durch globale Klimaschutzprojekte ausgeglichen. Circa 100.000 Tonnen CO2 konnten in 2012 von ARKTIK unterstütztenKlimaschutzprojekte bereits gespart werden. Doch wie funktioniert das Konzept?

Im Kern ganz einfach: Mit der ARKTIK Tankkarte unterstützen Autofahrer – zusammen mit  Kooperationspartnern wie Jet und euroShell – beim Tanken automatisch Klimaschutzprojekte und sparen so die Menge CO2 ein, die sie im Alltag auf der Straße verursachen. Und zwar zu 100 Prozent und vom TÜV NORD geprüft.

Mit der Tankkarte können bargeldlos Kraftstoff und andere Waren bei den kooperierenden Tankstellen gekauft werden. Auf Basis der getankten Kraftstoffmenge wird automatisch – mittels eines vom TÜV NORD geprüften Verfahrens – die Menge CO2 berechnet, welche beim Verbrauch der getankten Kraftstoffmenge entsteht.

Was das kostet? Um die Menge CO2 des getankten Kraftstoffs durch Unterstützung von Klimaschutzprojekten andernorts zu 100 Prozent einzusparen, sind 4,5 Cent pro Liter Kraftstoff notwendig. Da die ARKTIK-Kooperationspartner das Klimaschutzengagement mit einem Klimabeitrag von 2,5 Cent pro Liter unterstützen, werden für den Endverbraucher nur zwei Cent pro Liter fällig.

Nachdem 2009 zunächst nur Jet Tankstellen zum Portfolio zählten, konnte 2010 mit euroShell der für Autoflotten interessante Partner gewonnen werden. „Wir freuen uns sehr, dass wir vor wenigen Tagen einen weiteren wichtigen Kooperationspartner von unserem Konzept überzeugen konnten“, verkündet Florian Skiba stolz. „Westfalen steht drauf, über 5.200 Tankstellen stehen dahinter“, so die Beschreibung. Damit kann zukünftig bei Westfalen und allen Tankstellen der Marken Aral, TOTAL, Agip, Markant und OMV in Deutschland automatisch klimaneutral getankt und Projekte unterstützt werden.

Projektcollage_vorab
AKRKTIK unterstützt verschiedene Klimaschutzprojekte.

„Alle unsere Klimaschutzprojekte entsprechen dem vom WWF mitentwickelten Gold Standard und werden vor Ort von UNO-anerkannten Stellen überprüft„, versichert Florian Skiba. Der Gold Standard garantiert, dass die Projekte zusätzlich und klar quantifizierbar sind sowie einen nachhaltigen, ökologischen und sozialen Nutzen haben. „Zusätzlich heißt, dass es die Projekte nicht geben würde, wenn wir sie nicht unterstützen würden“, so der ARKTIK Mitgründer.

Um Transparenz zu schaffen, können alle Informationen zu den unterstützten Klimaschutzprojekten, den eingesparten Mengen CO2 sowie zu Kartenumsätzen jederzeit in einem persönlichen Online-Kundenkonto eingesehen werden. Eine besondere Plakette für das eigene Auto macht das Engagement nach außen sichtbar.

Und für Geschäftskunden?

Für Geschäftspartner bietet die ARKTIK GmbH weitere Diesntleistungen an. „Wir treten gewissermaßen als Full Service Anbieter im Bereich Klimaschutz bzw. externer Klimaschutzbeauftragter auf“, erläutert Skiba das Konzept. Die Dienstleistungen umfassen im Kern den Bereich Mobilität. Allerdings auch die Bereiche Green Marketing, CO2-Bilanzierung, Reporting und Zertifizierung.

Als offizieller Beratungspartner des TÜV NORD bietet ARKTIK individuelle Lösungen zur Erfassung des Carbon Footprint  des Unternehmens, dessen Produkte und Dienstleistungen. Daraus sollen lösungs- und umsetzungsorientierte Klimaschutzstrategien zur Einsparung von Energie und damit von CO2 und Kosten abgeleitet werden.

Florian Skiba fasst zusammen: „Insgesamt halten sich Privat- und Geschäftskunden etwa die Waage.“

Weitere Besonderheiten

Das StartUp stellt einen CO2-Logistikrechner auf seiner Website zur Verfügung. Dieser kann einfach, schnell und kostenlos für verschiedene Verkehrsmittel die Treibhausgasemissionen von mehrgliedrigen Transportketten berechnen. In Zusammenarbeit mit green logistics world e.V. hat ARKTIK das Online Tool für die Transportbranche in Anlehnung an die Richtlinien des Deutschen Speditions- und Logistikverbands e.V. (DSLV) entwickelt.

Eine weitere Dienstleistung, die angeboten wird, sind klimaneutrale Veranstaltungen. „Klimaneutrale Tagungen, Messen, Kongresse und Konzerte nehmen zu und sind bereits heute zentraler Wettbewerbsfaktor für Veranstalter und ein wichtiges Auswahlkriterium für Aussteller, Besucher und Akteure“, so Florian Skiba.

Das Hamburger StartUp wird sein Klimaschutzkonzept vermutlich noch in weiteren Bereiche überführen. „Unsere Stärke ist es, aus der Beobachtung heraus Bewährtes in andere Bereiche zu übertragen“, erklärt der Mitgründer Florian Skiba. Wir dürfen also gespannt sein, ob das Konzept in weiteren Bereichen Einzug hält.

Noch mehr Informationen zum CleanTech-StartUp der Woche finden Sie hier.

Das könnte dir auch gefallen

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.