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Deutscher Umweltpreis 2012: Im Zeichen der Photovoltaik

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Drei Pioniere der Photovoltaik-Technologie sind am vergangenen Sonntag im Leipziger Gewandhaus mit dem Deutschen Umweltpreis 2012 geehrt worden. Günther Cramer sowie Dr. Andreas Bett und Hansjörg Lerchenmüller als Team nahmen die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Umweltauszeichnung aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck und Hubert Weinzierl von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt entgegen. Die Verleihung an Pioniere der PV-Technik übermittelte vor allem eine Botschaft: Das Zeitalter der Photovoltaik hat gerade erst begonnen.

Bundespräsident Joachim Gauck bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2012 in Leipzig.
Gauck: „Mit der Energiewende ist etwas in Gang gekommen.“ (Fotos: Mirjam Schmidt)

Cleantech, Photovoltaik News / Leipzig. Günther Cramer lässt sich durch die aktuelle Lage der Photovoltaik-Branche nicht entmutigen. Als Aufsichtsratschef der heutigen SMA Solar Technology AG muss der Umweltpreisträger 2012 gerade die sukzessive Trennung von rund 1.000 Mitarbeitern bewältigen. Cramer hat den heutigen Markt- und Technologieführer für Wechselrichter über Jahrzehnte aufgebaut und mit bis zu 1.000 Entwicklungsingenieuren die Stringtechnik zum Standard entwickelt. Die aktuelle Wechselrichter-Generation hat einen Wirkungsgrad von 99 Prozent und somit die physikalische Grenze erreicht.

SMA Solar Technology exportiert 50 Prozent seiner Produkte – aber der Rückgang des Heimatmarktes von bis zu 50 Prozent trifft das Technologieunternehmen hart. Doch mit dem Erreichten ist für Günther Cramer, der heute dem Aufsichtsrat „seines“ Unternehmens vorsteht, noch lange nicht Schluss. Er möchte dafür sorgen, dass Photovoltaik-Technologie in den kommenden Jahren in den ärmsten Regionen der Welt dafür sorgt, dass viele der immer noch 1,3 Milliarden Menschen, die keinen Strom-Zugang haben, ihr Leben grundlegend verändern können.

„Mit all seiner Leidenschaft und der Vision von einer unabhängigen solaren Energieversorgung weltweit stellte Cramer sein Berufsleben in den Dienst erneuerbarer Energien“, sagte DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde im Rahmen der Preisverleihung. „Mit seiner mitarbeiterorientierten Unternehmensphilosophie, seinem ökologischen und sozialen Engagement in Deutschland und in den Entwicklungsländern ist er ein großes Vorbild für andere Unternehmer.“

Preisträger und Prominenz beim Deutschland Umweltpreis 2012 in Leipzig.

Neben Günther Cramer wurden auch Dr. Andreas Bett vom Freiburger Fraunhofer ISE und Hansjörg Lerchenmüller vom Spin-Off-Unternehmen Soitec Solar GmbH als Team aus Wissenschaftler und Unternehmer mit dem Deutschen Umweltpreis 2012 ausgezeichnet. Die von Bett und Lerchenmüller entwickelte Konzentrator-Photovoltaik kommt künftig vor allem in sonnenreichen Gegenden wie Nordafrika, Asien oder den USA zum Einsatz und gehört mit Modulwirkungsgraden von rund 30 Prozent weltweit zur Spitze der Photovoltaikindustrie.

„Bett und Lerchenmüller haben zum Nutzen der Sonnenenergie Außerordentliches geleistet, indem sie eine neue solare Technologie zur Marktreife entwickelt haben“, lobte DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde die Preisträger. Die Energieausbeute der Konzentrator-Technologie ist bereits heute rund doppelt so groß wie bei der herkömmlichen Silizium-Technik. Mit finanzieller Hilfe der DBU errichteten Bett und Lerchenmüller 2006 ihr erstes Pilotkraftwerk im spanischen Lorca. Seitdem folgten 14 weitere Anlagen. Derzeit ist das größte Kraftwerk der Concentrix-Technologie in San Diego in Kalifornien im Aufbau.

„Mit ihrer Konzentrator-Technologie haben Bett und Lerchenmüller Maßstäbe in der Photovoltaik gesetzt. Ihrem wissenschaftlichen und unternehmerischen Engagement ist es zu verdanken, dass GreenTech ‚Made in Germany‘ weltweit auf dem Vormarsch ist. Sie haben Innovationen befeuert und bewiesen, dass sich Wirtschaftswachstum und Umweltschutz gegenseitig befruchten“, so DBU-Generalsekretär Brickwedde.

Gauck: „Das Wünschenswerte ins Machbare verwandelt“

Bundespräsident Gauck lobte während der abwechslungsreichen Preisverleihung im Leipziger Gewandhaus, die drei ausgezeichneten Photovoltaik-Unternehmer und Wissenschaftler hätten es geschafft, das „Wünschenswerte ins Machbare zu verwandeln“.  „Es zeigt sich: Da ist etwas in Gang gekommen bei einem  der wichtigsten Themen unserer Zeit – der Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“, so Gauck weiter. „Da wird nicht nur gemahnt, geklagt und gestritten, sondern erforscht, erfunden und angewendet.“

Mit Ingenieurskunst und gesellschaftspolitischem Weitblick könne Deutschland Vorreiter in Zukunftstechnologien bleiben und „uns unabhängiger von Ressourcen machen, die wir in Deutschland nicht haben“. Die Unternehmen könnten Arbeitsplätze schaffen und weltweit gutes Geld verdienen. „Das ist für ein Industrieland doch von bleibender Bedeutung“, bilanzierte Bundespräsident Joachim Gauck während der Preisverleihung des Deutschen Umweltpreises 2012 vor 1.200 geladenen Gästen im Leipziger Gewandhaus.

Doch Joachim Gauck fand nicht nur lobende, sondern auch mahnende Worte: Wenn überall auf der Welt so konsumiert würde, wie in Deutschland, könne keine Technologie den Energiehunger je stillen. „Konzepte wie der ökologische Fußabdruck lassen uns ahnen, wie breit wir uns auf der Erde machen“, so das Staatsoberhaupt. „Das heißt: Wir müssen uns entwickeln, müssen uns verändern.“

Weinzierl: Eine Energiewende, eingebettet in eine Kulturwende

Ein Gedanke, den auch Hubert Weinzierl, der aufgrund eines Augenleidens fast Erblindete Kuratoriumsvorsitzende der DBU, aussprach. „Wir brauchen in Deutschland neben der technologischen Energiewende auch eine geistige Wende im Umgang mit Ressourcen“, sagte Weinzierl. Er wünsche eine Energiewende, die in eine Kulturwende eingebettet sei. „Wir brauchen eine Kultur der Achtsamkeit, eine Kultur der Bescheidenheit“, so Weinzierl unter dem Applaus des Publikums. Am Ende der Veranstaltung wurde Weinzierl mit stehenden Ovationen verabschiedet. Der Naturschützer scheidet im kommenden Jahr aus dem Kuratorium der DBU aus.

Vor der Festrede von Bundespräsident Gauck, der Preisübergabe an Cramer, Bett und Lerchenmüller sowie der emotionalen Verabschiedung Hubert Weinzierls hatte Moderatorin Katrin Bauerfeind zu einer Diskussion über die Energiewende geladen. Bundesumweltminister Peter Altmaier betonte dabei, man müsse den Enthusiasmus der Bevölkerung für die Energiewende aufrecht erhalten. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Energiewende zerredet wird.“

Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt: Dr. Fritz Brickwedde.

DBU-Generalsekretär Brickwedde gab zu bedenken, die prozentuale Steigerung der EEG-Umlage von 50 Prozent mache lediglich fünf Euro im Monat aus. „Auch das muss in der Diskussion gesagt werden“, so Brickwedde. Die Energiewende habe ja gerade den Charme, dass Wertschöpfung in den Regionen entstehe und weit weniger importiert werden müsse. „Derzeit importiert Deutschland für 100 Milliarden Euro Öl, Benzin oder Gas“, sagte Brickwedde. In Zukunft werde man das freiwerdende Kapital in Wertschöpfung in Deutschland investieren können.

Brickwedde: „Deutschland hat ganz große wirtschaftliche Chancen, weil wir bei regenerativen Energien spitze und bei Effizienz vorne sind.“

Einen wichtigen Beitrag hierzu leisteten auch die Projekte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit einer durchschnittlichen Energieverbrauchsreduktion von 40 Prozent und einer Verbesserrung der Materialrohstoffeffizienz von je 70 Prozent. So gebe es auch viele tolle Projekte in Sachsen, die in den vergangenen Jahren umgesetzt worden seien.

Tillich: Deutschland als Land der Energie

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich betonte in der Diskussion, im Ausland seien alle gespannt und alle würden erwarten, dass es nur Deutschland schaffen könne. Bestehende Energien müssten noch effizienter ausgenutzt werden, so Tillich. „Deutschland kann zu seinem Land der Energie und Energieeffizienz“ werden.

Insgesamt zeigte sich besonders der Wunsch, den CleanThinking bereits einmal als „Die zweite Rendite der Energiewende“ beschrieb – der Wunsch, intelligente, saubere Technologien in Deutschland so weit zu entwickeln, dass sie in den Entwicklungsländern wirtschaftlich werden. Davon könnten deutsche Unternehmen dann profitieren – etwa über eine X-Gigawatt-Produktion der Konzentrator-Photovoltaik oder eine Produkterweiterung der SMA Solar Technology AG.

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