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Druck von allen Seiten: Koalition sollte Klimaziele und Ausbaupfade für Erneuerbare Energien und Wasserstoff schnell erhöhen

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Neue Studien zeigen Pfade zu Klimaneutralität 2045 und Net Zero in 2050. Fokus auf Klimaziele. Ausbau der Erneuerbaren Energien, Dekarbonisierung und Wasserstoff.

Der gesellschaftliche Druck auf die große Koalition, die Ziele zum Ausbau erneuerbarer Energien, zur vollständigen Dekarbonisierung des Stromsektors und zur Net Zero-Klimaneutralität anzupassen, wächst derzeit spürbar – national, international und global. Auf Initiative von US-Präsident Joe Biden haben USA und Japan ihre Klimaziele erhöht, kurz nachdem die Europäische Union ihres auf 55 Prozent anpasste. Neue Studien belegen, dass Deutschlands Klimaneutralität 2045 und Net Zero auf globaler Ebene möglich sind. Reagiert nun auch die Große Koalition noch vor der Wahl?

Es ist eine selten einmütige Gemengelage: Führende Köpfe der großen Koalition, Teile der Opposition, Wissenschaftler und zahlreiche Industrie-Verbände fordern die Bundesregierung auf, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen – und die Klimaziele anzuheben. Doch als Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangene Woche beim Klimagipfel von Joe Biden sprach, hatte sie bis auf die kleinen Verbesserungen im EEG keine positiven Nachrichten mitgebracht. Im Gegensatz zu den USA und beispielsweise Japan.

Neben USA und Japan, zwei der größten Treibhausgas-Emittenten der Welt, hatte vergangene Woche auch die Europäische Union ihr erhöhtes Klimaziel von 55 Prozent im Vergleich zum Niveau von 1990 bekanntgegeben. (Lesen Sie mehr dazu hier: EU-Klimaziel auf 55 Prozent verschärft: wann reagiert die Bundesregierung?) Mit Indien und China führen die USA intensive Gespräche über schnellere Zielerreichung – haben aber darunter zu leiden, selbst durch die vergangenen vier verlorenen Trump-Jahre erst wieder glaubwürdig werden zu müssen.

Die erkennbare Dynamik, letztlich zuerst ausgelöst durch den Boom der erneuerbaren Energien, dürfte sich mindestens bis zum Klimagipfel COP26 in Glasgow weiter beschleunigen. Auch viele kleinere Staaten streben danach, schneller klimaneutral zu werden als bislang vorgesehen. Unterdessen hat Frankreich angekündigt, die Phase der EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2022 insbesondere für die Etablierung einer CO2-Grenzsteuer nutzen zu wollen – und dafür, dass Kernenergie als Lösung anerkannt wird.

Bei einem Bloomberg-Event, das gestern und heute live gestreamt wird, sagte Ex-Präsidentschaftskandidat Al Gore, er sei optimistischer denn je, dass die internationale Gemeinschaft den Kampf gegen die Klimakrise angenommen habe. Dieser Moment sei mit der Hoffnung erfüllt, dass jetzt gerade der lange erwartete politische Wendepunkt beim Klima überschritten werde.

Klimaneutralität bis 2045: Was Deutschland tun müsste

Aber ausgerechnet einer der bisherigen Vorreiter, Deutschland, bewegt sich derzeit kaum. Wie es gehen könnte, und welche Anstrengungen nötig sind, zeigt derzeit eine ganze Reihe von Studien, die allesamt zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommen, wenngleich die Zielsetzung nicht immer identisch ist. Sie zeigen der deutschen Politik ziemlich exakt, was JETZT zu tun ist – und möglichst nicht erst nach der Bundestagswahl. Die notwendigen Weichenstellungen sind so ähnlich, dass auch eine neue Bundesregierung nicht daran vorbeikommen wird. Umso wichtiger wäre es, noch vor der Sommerpause zu handeln.

Die Szenarien des Bundesverbands Erneuerbare Energien beschäftigen sich alleine mit der Umstellung des Stromsektors auf 100 Prozent Erneuerbare Energien. Die Studien der Energy Transitions Commission zum Stromsektor und zu Wasserstoff, die heute publiziert wurden, zeigen Pfade auf, wie global das Ziel der Net Zero-Wirtschaft erreichbar wird.

Und die Stiftung Klimaneutralität hat zusammen mit den Experten von Agora Energiewende/ Agora Verkehrswende herausgearbeitet, dass Deutschland eine Milliarde Tonnen CO2 zusätzlich einsparen könnte, wenn das Land Klimaneutralität bis 2045 anstatt bis 2050 anstreben würde.

Dazu müsste Deutschland insbesondere folgende Maßnahmen bis 2030 ergreifen:

  • Kohleausstieg bis 2030
  • 70 Prozent Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien
  • 14 Millionen Elektroautos bis 2030, 30 Prozent der LKW elektrifiziert
  • Wasserstoff zur Dampfherstellung in der Industrie
  • Gebäude-Sanierungsrate von 1,6 Prozent
  • 6 Millionen Wärmepumpen
  • Starker Wärmenetzausbau
  • Reduktion von Düngemittel und Tierbeständen

Bis 2045 stünden dann folgende Maßnahmen im Zentrum:

  • Ersatz von fossilen Brennstoffen durch grünen Wasserstoff
  • CO2-Erzeugung von Fernwärme
  • 100 Prozent Erneuerbare Energien
  • Wasserstoff und Biomasse für Hochtemperaturwärme
  • Wasserstoff für Stahlerzeugung,
  • chemisches Recycling
  • CCS für Prozessemissionen
  • Elektrifizierung des PKW-Verkehrs (Ausstieg aus Verbrenner ca. 2032)
  • CO2-neutraler LKW-Verkehr
  • Ausbau ÖPNV
  • Sanierungsrate 1,75 % pro Jahr
  • Mehr als 90 % der Fläche ist 2050 saniert oder neugebaut
  • ausschließlich klimaneutrale Wärmeerzeugung
  • 15% Marktanteil Fleisch- und Milchalternativen

Für die Windkraft sowie die Photovoltaik halten die Studienautoren deutlich höhere Ausbaumengen für nötig. Wasserstoff solle zunehmend an Bedeutung gewinnen und nach 2040 Erdgas als wichtigsten Energieträger für die regelbare Stromerzeugung ablösen – in Zeiten, wo weder ausreichend Sonnen- noch Windenergie zur Verfügung stehe. Bis zum Jahr 2045 müssten laut Studie im Pkw-Bestand nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Pkw ersetzt werden. Güter sollen verstärkt auf der Schiene transportiert werden.

Die Studienautoren kommen zur Erkenntnis, dass all diese Maßnahmen (vollständige Liste in der Studie) möglich und realisierbar sind. Der Direktor der Stiftung Klimaneutralität, Rainer Baake, sagte, absolute Priorität müsse sein, dass die Industrie nicht mehr in fossile Technologien investiere, sondern in Zukunftstechnologien. Der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen, forderte mit Blick auf die Politik, die „Beamtenmentalität“ müsse abgelegt werden. Bisher sei es so, dass erst reguliert und dann investiert werde. Dies müsse umgekehrt werden.

Ein entscheidendes Instrument, um all die Veränderungen durchzusetzen, dürfte die CO2-Bepreisung sein, die Kohle, Öl, Gas, Heizöl, Diesel und Benzin weiter und stärker verteuern muss. Gleichzeitig sollte Strom günstiger werden. Aus Sicht des Agora-Direktors werde daher das Regierungsprogramm nach der Bundestagswahl 2021 für das Gelingen des Weges zur Klimaneutralität von zentraler Bedeutung sein.

Koalitionäre, Opposition und Verbände fordern Handlungen

Dabei stellt sich die Frage, welche Maßnahmen die jetzige große Koalition noch bis zur heißen Phase des Wahlkampfes umsetzen könnte. So forderte zuletzt der Unions-Fraktionsvize Andreas Jung, die CO2-Bepreisung schneller anzuheben, und die Einnahmen daraus vollständig zur Senkung der Stromkosten zu verwenden. Exakt eine solche verbrauchsnahe CO2-Bepreisung fordern Ökonomen oder beispielsweise auch die oppositionellen Grünen seit der Debatte um die entsprechenden Gesetze.

Außerdem, so Jung, müsse man nochmals deutlich zulegen bei den Klimazielen, um die neuen Vorgaben der EU von 55 Prozent zu erreichen. Dabei komme man am Emissionshandel „als Leitinstrument für marktwirtschaftlichen Klimaschutz“ nicht vorbei. Doch bislang konnte sich die Koalition nicht auf die Erhöhung der Klimaziele verständigen – Umweltministerin Schulze fordert mindestens 65 Prozent, die Grünen wollen nach der Bundestagswahl spätestens auf 70 Prozent hochschrauben.

Neben der Senkung der EEG-Umlage, finanziert aus der Erhöhung der CO2-Bepreisung, schlagen die Grünen mehrere weiterführende Instrumente vor. So solle die EEG-Umlage bei Verbrauchern, die bereits einen Smart Meter bzw. intelligentes Messsystem haben, nicht pauschal berechnet werden, sondern je nach Börsenpreis variabel. Der Haken an der Idee: Der Smart-Meter-Rollout hakt derzeit bedenklich, weil ein Gerichtsurteil ergab, dass Vorgaben nicht rechtskonform waren.

Koalitionärer Streitpunkt: Stromverbrauch 2030

Elektroautos, Wärmepumpen oder die Elektrolyseure zur Herstellung von grünem Wasserstoff sind nur einige Bereiche, in denen von wachsendem Strombedarf bis 2030 bzw. 2050 auszugehen ist. „Der Strombedarf wird sich bis 2050 auch in Deutschland mindestens verdoppeln, und schon bis 2030 deutlich steigen“, betont Andreas Wagner, ETC-Sprecher und Co-Autor der neuen Studien. Eine Position, die viele Wissenschaftler und Experten teilen, wie auch der Handelsblatt-Artikel zur Stromlüge zeigt.

Ganz anders sieht das aber das Bundeswirtschaftsministerium, wie eine kleine Anfrage der Grünen im März belegte. „Gegenwärtig geht die Bundesregierung davon aus, dass sich der Bruttostromverbrauch aufgrund zunehmender Stromnachfrage der Bereiche Wärme und Verkehr auf der einen Seite und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz auf der anderen Seite im Jahr 2030 im Bereich des heutigen Niveaus bewegen dürfte.“ Daher geht die Bundesregierung bis 2030 von einem eher konstanten Strombedarf aus.

Selbst Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sieht in der Einschätzung des Wirtschaftsministeriums ein Problem. Konkret war Scholz Altmaier vor, die Unwahrheit über den künftigen Strombedarf zu verbreiten. „Die Zahlen, die heute in der Welt sind, sind eine Stromlüge. Es wird nicht über die Wahrheit gesprochen über das, was tatsächlich notwendig ist, wenn das mit dem CO2-neutralen Wirtschaften gelingen soll“, so Scholz laut Dow Jones während der Berliner Energietage.

Weitergehend forderte Scholz – immerhin Vize-Kanzler, aber offenbar machtlos – den schnelleren Ausbau Erneuerbarer Energien, der Stromnetze, des Wasserstoffnetzes, mehr Ladesäulen und ein starkes Fernwärmenetz. „Zwar wurden hierzulande mit dem EEG, der CO2-Abgabe oder der Wasserstoffstrategie richtige Instrumente eingeführt, was gute und notwendige Schritte sind“, so Wagner, „allerdings sind die darin vereinbarten Maßnahmen noch ungeeignet, um den gesamten Stromsektor bis Mitte der 30er Jahre auf Erneuerbare Energien umzustellen oder bis 2050 die Net-Zero-Wirtschaft zu erreichen.“

Nach Ansicht der ETC sollte Deutschland bereits Mitte der 2030er Jahre eine CO2-Intensität des Netzes unter 30 Gramm CO2 pro Kilowattstunde erreichen, während 2040 ein angemessener Zeithorizont zu sein scheint, um null zu erreichen.

Globaler Strombedarf für Net Zero

Aus Sicht der Energy Transitions Commission ist zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens, das Erreichen einer Net-Zero-Wirtschaft zwingend erforderlich. Die globale Koalition von Führungskräften des Energiesektors zeigt in zwei neuen Studien, dass die tiefgreifende Elektrifizierung aller Sektoren, flankiert vom raschen Ausbau der Wasserstoff-Wirtschaft der Schlüssel ist, um die fossilen Energieträger Kohle, Öl und Erdgas zu ersetzen. Den Studien zufolge muss das globale Stromangebot von heute 27.000 Terawattstunden pro Jahr auf 90.000 bis 130.000 Terawattstunden pro Jahr in 2050 erhöht werden, wobei diese dann aus erneuerbaren Energiequellen stammen sollen.

„Das ist nach unserer Analyse technologisch machbar und bezahlbar“, so Andreas Wagner, ETC-Sprecher und Co-Autor der neuen Studien. Der globale Investitionsaufwand liege über die nächsten 30 Jahre bei zirka 1,5 Prozent der jährlichen globalen Wirtschaftsleistung.“

Energy Transitions Commission Net Zero 2050

Weiterhin zielkritisch seien klare Dekarbonisierungsstrategien der anderen Sektoren. Dies betreffe beispielsweise den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, die Ausweitung des CO2-Preises auf alle Sektoren oder die Abschaffung sämtlicher Subventionen auf fossile Kraft- und Brennstoffe.

Energy Transitions Commission ist eine Koalition von mehr als 45 führenden Vertretern globaler Energieunternehmen, energie-intensiver Industrien, Finanzinstitutionen und Umweltschutz-Organisationen. Dazu zählen etwa ArcelorMittal, Shell & BP, Volvo und das World Resources Institute.

Höhere Ausbaupfade für Erneuerbare Energien

Der Kern aller Aktivitäten, um Net-Zero und Klimaneutralität zu erreichen, ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Das gilt auf nationaler Ebene – und die Erhöhung der Ausschreibungsmengen bis 2030 müsste unmittelbar auf die Ausdehnung des Klimaziels in Anpassung an das EU-Ziel erfolgen. Eigentlich sollte diese Anpassung im ersten Quartal 2021 passieren – aber die Koalition konnte sich nur mit Mühe zu einem Minimalkompromiss durchringen.

Der BEE hat berechnet, dass ein Anteil von 77 Prozent an einem Bruttostrombedarf von gesamt 745 TWh im Jahr 2030 erforderlich ist, um die Klimaziele zu erreichen und eine deutliche Abnahme der fossilen Erzeugung von 329 TWh (2019) auf 169 TWh (2030). Für den Bruttoendenergiebedarf bedeutet die THG-Minderung von 65 Prozent eine Steigerung der Nutzung Erneuerbarer Energien um den Faktor 2,4 von 455 TWh (2019) auf 1084 TWh (2030).

Wind Onshore und Photovoltaik weisen hier die größten Steigerungspotenziale auf, aber der Mix aller Erneuerbare-Energien-Technologien wird für einen zunehmend flexibler werdenden Strommarkt gebraucht. Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft bleiben in ihrer Nutzung über die Jahre konstant.

Globale Studien der Energy Transitions Commission

Global gesehen zeigt der Bericht „Der Weg zur nachhaltigen Elektrifizierung: 30 Jahre für die Elektrifizierung der Weltwirtschaft“ der Energy Transitions Commission, warum es nicht nur unumgänglich, sondern auch machbar und bezahlbar ist, die globale Stromproduktion um den Faktor 5 zu erhöhen, und gleichzeitig auf eine Stromversorgung aus erneuerbaren Energien umzusteigen. 

Dazu muss der Anteil von Wind und Sonne an der gesamten Stromerzeugung von heute zehn
Prozent bis zum Jahr 2030 auf etwa 40 Prozent, und bis zum Jahr 2050 auf mehr als 75 Prozent steigen. Die jährlichen Installationen von Wind- und Solaranlagen müssten, so die Studie der ETC-Experten, daher bis 2030 um das 5- bis 7-fache und bis 2050 um mehr als das 10-fache zunehmen. Sie müssen weiter von der parallelen Einführung anderer, kohlenstofffreier Stromerzeugungstechnologien (wie Wasser- und Kernkraft), Flexibilitätslösungen, Speichern und Stromnetzen begleitet werden.

Laut ETC ist dies „zweifellos erreichbar“, wenn klare nationale Strategien zur Dekarbonisierung umgesetzt werden, und eine angemessene Gestaltung des Strommarkts private Finanzströme freisetzt. Investitionen in erneuerbare Energien, vor allem in Wind- und Solaranlagen, werden den größten Teil (ca. 80 Prozent) der Gesamtinvestitionen ausmachen die für Net-Zero notwendig sind. In den nächsten 30 Jahren werden globale Investitionen von mehr als 66 Billionen Euro erforderlich sein
(im Durchschnitt etwa 2,07 Billionen Euro pro Jahr). Dazu zählen Investitionen in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, um die direkte und indirekte Elektrifizierung zusätzlich zu den Investitionen in die Stromnetzinfrastruktur zu unterstützen.

Etwa zwei Billionen Pro Jahr erscheint zwar viel, entspricht aber weniger als 1,5 Prozent des weltweiten BIP und ist im aktuellen makroökonomischen Umfeld verkraftbar.

Die Studie „Der Weg zur nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft: Ausbau von nachhaltigem Wasserstoff in einer elektrifizierten Weltwirtschaft“ beschreibt die ergänzende Rolle von sauberem Wasserstoff, und wie eine Kombination aus privatwirtschaftlicher Zusammenarbeit und politischer Unterstützung die anfängliche Produktion und Nutzung von nachhaltigem Wasserstoff bis zum Jahr 2030 auf 50 Millionen Tonnen steigern kann.

Bislang hat Deutschland in der Nationalen Wasserstoffstrategie ein Ziel von 5 Gigawatt Elektrolyse-Kapazität bis 2030 festgelegt. Die Grünen fordern, dieses Ziel zu verdoppeln. Mindestens muss der Pfad nach 2030 exponentiell. Die bisherigen Ansätze sind viel zu vage. Aus Sicht der Energy Transitions Commission sind zahlreiche kritische Maßnahmen erforderlich, um den Preis für grünen Wasserstoff möglichst rasch auf unter zwei Dollar pro Kilogramm zu reduzieren. Das ist auch besonders bedeutsam für Deutschland, das mit großer Wahrscheinlichkeit zum Wasserstoff-Importeur in signifikanter Größenordnung werden wird.

Letztlich zeigt die gesamte Analyse, dass insbesondere das Bundeswirtschaftsministerium Druck von allen Seiten bekommen, und die Koalition die Klimaziele und Ausbaupfade für Erneuerbare Energien und Wasserstoff schnell erhöhen sollte. Die Klimakrise erlaubt uns keinen weiteren Stillstand von mindestens sechs Monaten bis zur Wahl – jetzt ist der Zeitpunkt, zu handeln. Der weitgehende Konsens zwischen den unterschiedlichsten Gruppen zeigt, dass ausreichend Rückhalt vorhanden ist.

Fehlt nur noch der politische Wille einiger Christdemokraten, allen voran des Bundeswirtschaftsministers bzw. im Ministerium. Wann reagiert Peter Altmaier?

Transparenz-Hinweis: Ich, Martin Jendrischik, bin Autor dieses Artikels. Gleichzeitig bin ich als Berater für die Energy Transitions Commission tätig. Der Artikel spiegelt aber – ausgenommen von Zitaten und direkten Verweisen – ausschließlich die Ergebnisse meiner Recherchen wieder, nicht zwingend die Einschätzung der ETC.

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  1. […] wiederum strebt Laschet jetzt „deutlich vor 2050“ an – ähnlich wie die Stiftung Klimaneutralität von Ex-Staatssekretär Rainer Baake es bis 2045 fordert. Dazu ist allerdings viel konsequenteres Handeln erforderlich. Markus Söder hat angekündigt, sein […]

  2. […] rasch zu beseitigen, herrscht nicht ansatzweise. Stattdessen gibt es Schuldzuweisungen und – ähnlich wie in diesem Artikel zu der Anpassung der Klimaziele beschrieben – wird vor der Wahl im September nichts mehr passieren. Es geht nicht mehr um echte […]

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