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Shell bietet innovative E10-Versicherung

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Shell E10
Shell bei der Vorstellung seiner neuen "Geschäftsidee" in Berlin. Foto: W. Riedel/Auto-Reporter.NET

„Wir haben seit der Einführung von E10 unseren Kunden zugehört und deren Sorgen sehr ernst genommen.“ Mit diesem Satz eröffnete der Leiter des Shell-Tankstellengeschäfts in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Jörg Wienke, heute eine Pressekonferenz auf einer Shell-Tankstelle in Berlin. Vorgestellt wurde eine „kostenfreie E10-Versicherung“, die Shell zusammen mit der Deutschen Familienversicherung AG entwickelte. Mit ihr soll der Sorge der Fahrzeugbesitzer vor möglichen Folgeschäden beim Tanken von Super mit zehn Prozent Bioethanol (E10) begegnet werden.

Jeder Kunde, der mindestens 30 Liter Shell FuelSave Super E10 tankt, kann sich über www.shell.de/e10-versicherung“ bei der Deutschen Familienversicherung (DFV) online registrieren und den Versicherungsschutz unter den dort genannten Voraussetzungen aktivieren. Geschieht das erst drei Tage nach dem Tanken, ist der vorausgegangene Tankvorgang dennoch schon versichert. Zitat:

„Nach erfolgter kostenfreier Online-Registrierung erhält der Kunde seine Versicherungsnummer und den Versicherungsschein einschließlich aller Vertragsunterlagen. Ab sofort besteht Versicherungsschutz.“

[wp_campaign_1]Was passiert in Fall des Falles? – Vermutet der Versicherungsnehmer einen Schaden am versicherten Fahrzeug aufgrund der E10-Betankung, ist dieser über das Registrierungsportal der Versicherung mitzuteilen. Liegt eine Registrierung des Fahrzeugs vor und hat der Kunde überwiegend Shell-Kraftstoffe getankt, erhält er nach Prüfung des Sachverhalts, ein unabhängiger Sachverständiger der DEKRA wird auf Kosten der DFV hinzugezogen, eine Anleitung, wie der Schadenfall abgewickelt wird. Bestätigt der Sachverständige den E10-Schaden, erhält der Kunde von der DFV eine Deckungszusage. Reicht der Kunde dann aber keine Rechnung einer autorisierten Werkstatt ein, hat er Anspruch auf die voraussichtlichen Reparaturkosten nach Urteil des Sachverständigen.

Versichert werden können ausschließlich in der Bundesrepublik Deutschland zugelassene Pkws, für die der Hersteller eine Unbedenklichkeitserklärung abgegeben hat und deren Erstzulassung nicht vor 1995 erfolgte. Miet- und Leihfahrzeuge sind von der Versicherung ausgeschlossen. Die Laufzeit der Versicherung beträgt 18 Monate. Für den Kunden bleibt sie kostenfrei. Keine Auskunft war bei der Pressekonferenz an der Shell-Tankstelle in der Berliner Oranienstraße darüber zu erhalten, was Shell der Deal mit der Versicherung kostet.

Dafür wurde kräftig für E10, nämlich Shell FuelSave Super mit maximal zehn Prozent Bio-Ethanol, geworben:

„Unser Kraftstoff ist ein hochwertiges Produkt, von dessen Qualität und Verträglichkeit wir gerade mit Blick auf die langfristige Nutzung überzeugt sind“, sagte der Leiter der globalen Kraftstoffforschung bei Shell, Dr. Wolfgang Warnecke.

Voraussetzung für das Eintreten der Versicherung ist, dass „überwiegend Shell-Kraftstoffe getankt“ wurden. Ob sich das denn näher definieren lasse, wurde bei der Pressekonferenz gefragt. Shell denke „an 80 Prozent“. Und wenn jemand nur 79 Prozent nachweisen könne? „Da werden wir sicher nicht nein sagen.“

EasysolarAuf jeden Fall bekommen Kilometerstände und Tankbelege für versicherte Tankkunden von Shell besonderen Stellenwert. Eine Vertrauen bildende Maßnahme? – Man weiß nicht so recht, ob man Shell zu dieser Geschäftsidee, die Autofahrer sehr eng an die Marke bindet, gratulieren soll oder ob es näher liegt, den Kopf darüber zu schütteln, wohin die unselige E10-Debatte führte. Nach wie vor lehnen es viele Autofahrer ab, E10 zu tanken.

Eine Verweigerungshaltung mit dieser Konsequenz und in solchem Maße hat es noch nie gegeben. Jörg Wienke kennt die Folgen. Er offenbart:

„Um die Bio-Quote, die gesetzlich vorgeschrieben ist, in Deutschland erfüllen zu können, „müssen wir mehr als 90 Prozent unseres Benzinverkaufs mit E10-Produkten haben. Auf dieses Volumen haben wir unsere gesamte Lieferkette eingestellt. Im Moment aber liegt das Verhältnis zwischen E5 und E10 eher bei 50 Prozent!“

Es wird sich zeigen, ob die Geschäftsidee, der Shell und die Deutsche Famlienversicherung verfallen sind, sicher in Erwartung beiderseitiger Vorteile, an der Situation etwas ändern und die Akzeptanz des neuen Superbenzins E10 verbessern kann. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)

Update: Gestern berichtete sogar das ZDF heute-journal über den durchsichtigen Marketing-Gag von Shell. Denn: Verbindlich sind die Aussagen der Hersteller – und: die Bedingungen für die Versicherung kommen dem Wechsel zum „gläsernen Autofahrer“ sehr nahe. Denn: Shell verlangt, dass der überwiegende Teil E10 bei dem Unternehmen selbst getankt werden muss. Insofern: Durchsichtiges Manöver oder billiger Trick, um eine bessere Kundenbindung zu erreichen?

Was ist Ihre Meinung zu E10 und Shell-Versicherung?

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