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Leaf, Kona, Ampera: Wie es sich anfühlt, ein E-Auto zu fahren

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Persönlicher Einblick in die E-Auto-Erfahrungen des Cleanthinking-Gründers.

Es fühlt sich großartig an, den Alltag mit einem E-Auto zu bestreiten. Seit einem Jahr bin ich (41, verheiratet, eine Tochter) ins Zeitalter der Elektromobilität gestartet – und habe es keinen Moment bereut. Als jemand, der nicht nur die mikroökonomische Perspektive betrachtet, sondern auch auf den Nutzen für die Volkswirtschaft schaut, ist der Schritt zum E-Auto besonders bedeutsam: Denn der Elektroantrieb ist viel mehr als nur die Ablösung des Verbrennungsmotors und fossiler Kraftstoffe. Es ist ein Systemwechsel.

Genau diesen Systemwechsel braucht Deutschland, braucht die Welt, um künftig effizienter, ja nachhaltiger und vor allem klimafreundlicher wirtschaften und leben zu können. Als E-Auto-Fahrer lernt man im Winter schnell: Nutze die Sitz- und die Lenkradheizung und verzichte, soweit möglich, darauf, das gesamte Auto auf 25 Grad aufzuheizen. Denn das – und das machen Leaf, Kona oder Ampera unmittelbar transparent, kostet Reichweite.

Weiteres Learning als E-Auto-Fahrer ist: Man lernt im Grunde jeden Tag dazu. Wo sind die besten Ladesäulen in der eigenen Umgebung? Die Autobahn-Ladesäulen welcher Anbieter sind besonders unzuverlässig? Wo kann ich auf typischen Strecken – etwa von Leipzig nach Dresden – zügig und zu fairen Preisen laden?

Eine meiner besten Erfahrungen in den vergangenen zwölf Monaten mit einem der E-Autos war die Reise von Leipzig nach Bremen mit dem Hyundai Kona Elektro. Das Auto verfügt über einen 64-kWh-Akku und ist damit so effizient, dass es im Vergleich zu anderen E-Autos mit gleicher Kapazität, deutlich weiter kommt. Bei entsprechender Fahrweise ist die 400-Kilometer-Strecke von Leipzig in die Nähe von Bremen ohne Nachladen zu packen.

Eine andere, eher negative Erfahrung, ist: Manche Ladesäule auf Marktplätzen ist nicht mehr als Fassade, das Vorgaukeln einer Zukunft, die noch nicht da ist. Im Erzgebirge habe ich erlebt, dass eine Ladestation tatsächlich nur wenige Kilowatt „ausspucken“ kann – wer ernsthaft auf Nachladen angewiesen ist, kann hier locker einen halben Tag stranden.

Aber die Verfügbarkeit von Ladestationen wird kontinuierlich besser. Neben meinem „Heimathafen“, dem Laden direkt am Haus, das über eine PV-Anlage verfügt, gibt es etwa beim Einkaufen in der Umgebung mittlerweile etliche Möglichkeiten, „nebenbei“ etwas Strom zu tanken. So etwa beim Leipziger Kaufland, bei Ikea oder zahlreichen anderen Gelegenheiten.

Hyundai Kona Elektro: E-Auto überzeugt

Mein favorisiertes E-Auto ist bislang der Hyundai Kona Elektro, den ich einige Monate fahren durfte. Die Reichweite ist phänomenal und macht das ständige Nachdenken über die nächste Chance zum Nachdenken, überflüssig. Es gibt schlicht genügend Gelegenheiten. Die Effizienz des Fahrzeugs macht einfach Spaß – gleichzeitig fährt sich das Auto wie jedes E-Auto tendenziell sportlich, zumindest wenn man es nicht auf die größtmögliche Effizienz abgesehen hat.

Ich bin nie zuvor einen Koreaner gefahren, sondern mehrere VW oder einen Ford. Der Kona ist im Vergleich dazu echter Luxus. Das Zusammenspiel etwa mit dem Smartphone funktioniert problemlos, das Aufladen via Induktion eingeschlossen. Zuverlässiges Navigieren gehört ebenso dazu, wie Assistenzsysteme, die es in deutschen Fabrikaten nur in Autos jenseits der 50.000 Euro zu geben scheint.

Mit meinem aktuellen E-Auto, dem Ampera-E, bin ich nun Teil des neuen Systems Elektromobilität. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es logisch, wieso sich reine E-Autos mit größeren Akkus durchsetzen, und nicht etwa Fahrzeuge mit Brennstoffzelle, die etwas mehr Reichweite versprechen. Einerseits braucht ein Autofahrer diese Reichweite fast nie, andererseits braucht es aus volkswirtschaftliche Perspektive die Speicherkapazitäten, die mit den Autos herumfahren.

In wenigen Jahren werden wir unser Auto die meiste Zeit an einer Ladesäule platzieren und anschließen. Daraus machen Cleantech-Unternehmen wie energy2market zusammen mit der Autoindustrie virtuelle Kraftwerke und sorgen im ersten Schritt dafür, dass überschüssiger Ökostrom zwischengespeichert wird. Was gibt es Besseres, als acht Stunden zu arbeiten und dann in ein voll geladenes E-Auto einzusteigen?

Stromhandels-Tochter Elli aus Volkswagen-Konzern

Volkswagen hat nicht ohne Grund die Stromhandels-Tochter Elli gegründet. Darüber bietet der Autokonzern auch Stromtarife für Besitzer von E-Autos an – bezeichnet als Volkswagen Naturstrom oder Volkswagen Naturstrom Blue. Was im Vordergrund schlicht ein Ökostromtarif ist, ist im Hintergrund der Handel mit Strom. Und der ist durchaus lukrativ.

In Sachsen laufen bereits erste Tests an Supermärkten, wo Flottenbetreiber mit E-Autos aufgefordert werden, ihre Fahrzeuge über Nacht an den installierten Ladesäulen aufzuladen. Das können energy2market oder Elli oder andere Anbieter gezielt nutzen, um die Energie genau dann in die Autos zu bringen, wenn der Preis besonders niedrig ist. Im Hintergrund geht es also um Digitalisierung und Flexibilisierung des Stromnetzes – und damit die weiterführende Integration Erneuerbarer Energien.

Die seltsamen Thesen von Verbrenner-Experte Wellnitz

Wer das verstanden hat, kann im Grunde nur den Kopf schütteln, wenn er liest, was ein Wasserstoff- und Verbrenner-Experte wie Prof. Jörg Wellnitz so alles verbreitet. Nicht völlig überraschend tut er das vor allem in rechtsgerichteten Medien, die nach jedem Strohhalm greifen, um E-Autos zu diskreditieren. Freudig geteilt von AfD-Mann Jörg Meuthen, beim Deutschland-Kurier oder bei Junge Freiheit.

Wellnitz, der sein Geld mit Verbrenner-Technologie verdient, behauptet allen Ernstes, das E-Auto sei eine Nischen-Technologie, die dem Kunden nichts nützen würde. Klar: Lokale Emissionsfreiheit hilft nicht dabei, die Atemluft in den Städten sauberer zu bekommen,und der leise Elektromotor auch nicht, Lärm zu reduzieren.

Wenn man den Elektrantrieb gewohnt ist, kommt einem ein lauter Diesel-Motor wie aus der Zeit gefallen vor. Der disruptive, also umwälzende, Wandel zum E-Auto ist längst in vollem Gange. Das zeigen die Milliardensumme, die Volkswagen, BMW, Daimler und Co. in die Technologie stecken.

Das zeigt letztlich auch der Börsenwert des Pioniers Tesla oder die Vielzahl der reinen batterieelektrischen Fahrzeuge, die heute quasi täglich angekündigt werden. Zuletzt beispielsweise der Volvo XC40 als erstes E-Auto der Marke oder der Kia Imagine, der 2021 auf den Markt gebracht werden soll. Die Vielfalt, das Angebot an E-Autos wächst in rasantem Tempo – wir sind noch ganz am Anfang.

Der Wandel hin zum E-Auto ist ein Systemwechsel, der mit dem Austausch des Antriebs lange nicht abgeschlossen ist. Autonomes Fahren wird entscheidend zu diesem Systemwechsel beitragen. Dazu kommen Services, bei denen nicht mehr das Auto verkauft oder gemietet wird, sondern 15.000 oder 30.000 Kilometer Mobilität pro Jahr. Die Flexibilität, unterschiedliche Transportmittel je nach Anforderung nutzen zu können, wird entscheidend zunehmen.

In Städten wird Parkraum teurer werden oder verschwinden – andere Verkehrsmittel aber günstiger werden. Ich muss mich künftig nicht mehr entscheiden, hin- und zurück zur Arbeit zu pendeln, sondern kann flexibel entscheiden. Wenn ich mit dem Bus zur Arbeit gekommen bin, kann ich mir während der Arbeitszeit ein Auto bestellen, um anschließend noch Möbel bei IKEA einkaufen zu gehen.

Letztlich reicht es dann endlich für Pendler etwa, sich ein kleines Auto zuzulegen – weil sie jederzeit in ein großes Fahrzeug umsteigen können, wenn sie es wirklich brauchen. So werden Ressourcen geschont, Effizienz verbessert.

Auto muss zu individuellen Bedürfnissen passen

E-Auto fahren ist, wenn es zu den individuellen Bedürfnissen passt, eine großartige Sache. Mit jeder PV-Anlage, mit jedem Windrad, wird selbst das per Strommix geladene E-Auto sauberer, der Abstand zu Hybridfahrzeugen oder gar Brennstoffzellen-Autos vergrößert sich. Auch wenn es heute viele Stimmen gibt, die sagen: „In eine E-Kiste setze ich mich nie“, wird der Wandel dazu in rasanter Geschwindigkeit seine Antwort geben.

Letztlich sind es handfeste ökonomische Gründe, warum das E-Auto insbesondere als Flottenfahrzeug unschlagbar günstig wird. Tesla macht es vor: In einigen Monaten wird man einen Tesla nicht mehr kaufen können. Dann ist Tesla selbst als Hersteller der Besitzer jedes Fahrzeugs und kann es immer dann, wenn es nur rumsteht, sinnvoll einsetzen. Das Wichtige daran: Solange Tesla die Fahrzeuge besitzt, hat das Unternehmen das allergrößte Interesse daran, dass es möglichst lange seinen Dienst verrichtet.

Bislang bestand das System Auto auch entscheidend daraus, dass Autos günstig verkauft wurden, weil hohe Werkstattkosten eingeplant werden konnten. Auch dieser Fehler im System wird dank Tesla und anderen Anbietern, die dem Beispiel folgen werden, beseitigt. Auch in punkto Recycling hat ein Hersteller, der das Fahrzeug über den gesamten Lebenszyklus besitzt, ein viel größeres Interesse an einfachen Lösungen…

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er heute schon in ein E-Auto einsteigen und die neue Welt kennenlernen möchte. Mir persönlich wäre das Risiko, heute noch einen Verbrenner zu kaufen, der innerhalb weniger Jahre komplett wertlos werden könnte, viel zu hoch. Noch fahre ich aber auch ein E-Auto im Prinzip im Abonnement und kaufe es nicht – weil kaum abschätzbar ist, wie groß die nächsten Technologiesprünge werden.

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% S Kommentare
  1. Autopilot sagt

    Liest sich so, als ob hier Wasserstoff nun auch nur aus der rechten Ecke Befürworter findet. Absolut populistischer Artikel, der bei weitem verkennt, dass Wasserstoff sauberer ist als jede reine E-Möhre. Und politische Hetze sollte hier nichts zu suchen haben.

    1. Hallo anonymer Kommentator,

      wie Sie darauf kommen, der Artikel sei „politische Hetze“ erschließt sich mir nicht im Geringsten. Sorry, das ist zu weit hergeholt und jenseits jeder Realität. Wenn sich dieser Prof. Wellnitz bevorzugt von rechten Gazetten interviewen lässt, ist das ein Fakt und keine Hetze.

      Wer Cleanthinking.de liest, weiß, dass grüner Wasserstoff eine ganz zentrale Rolle in unserer künftigen Energiewelt spielt. Aber mindestens in den kommenden zehn Jahren nicht im PKW. Fertig.

      Die Aussage, Wasserstoff sei „sauberer als jede reine E-Möhre“ ist schwer nachvollziehbar. Es gibt nur sehr deutlich gedrehte Studien, die zu diesem Schluss kommen. In der Regel kommt man zu anderen Resultaten. Wichtig ist eben, das habe ich versucht, zu verdeutlichen, dass das reine Elektroauto besser ins Gesamtsystem passt – und auch deshalb sich durchsetzt.

      1. Jürgen Baumann sagt

        Martin
        Ich schliesse mich Deiner Argumentation an. Die E-Möhren sind einfach um den Faktor 2 bis 3 effizienter als die H2-Erbsen. Und by the way jeder Wasserstoffantrieb braucht einen veritablen Akku. Die Reaktionsgeschwindigkeit der Brennstoffzelle auf eine Änderung der Stellung des Pedals ist so langsam, dass einem sonst die Gesichtszüge einfrieren würden.

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