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EEG-Novelle: Wie Photovoltaik jetzt gefördert wird

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Neue Fördersätze für Photovoltaik (Copyright: BMU / Bernd Müller)

CleanTech, Energiewende News / Berlin. Die EEG-Novelle zur Photovoltaik 2012 ist nach der Einigung im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat rückwirkend zum 1. April 2012 in Kraft getreten. Dabei spielen viele Begrifflichkeiten wie „Einmalabsenkung“, „Zubaukorridor“, „atmender Deckel“ oder „Eigenverbrauchsbonus“ eine wichtige Rolle, die noch nicht jedermann gebräuchlich sind. Daher geben wir einen Überblick über die Veränderungen und schaffen Aufklärung, was es mit den genannten Begrifflichkeiten auf sich hat.

Im Rahmen der EEG-Novelle erfolgte eine Neugestaltung der Vergütungsklassen und Größenbegrenzungen für Photovoltaik. Für Photovoltaik-Dachanlagen gibt es nun vier Vergütungsklassen:

  • Anlagen bis 10 kW installierter Leistung
  • Anlagen bis 40 kW installierter Leistungen
  • Anlagen bis 1.000 kW installierter Leistung
  • Anlagen über 1.000 kW installierter Leistung
Für Solaranlagen auf der Freifläche gilt hingegen eine einheitliche Vergütung. Anlagen mit mehr als 10 MW auf Freiflächen erhalten hingegen keine Vergütung mehr. Um eine missbräuchliche Aufsplittung in mehrere 10-MW-Anlagen zu ver­meiden, werden Anlagen als eine Anlage gewertet, wenn sie innerhalb von 24 Monaten im Umkreis von 2 km im Gebiet derselben Gemeinde in Betrieb gehen.

Einmalabsenkung der Photovoltaik-Förderung

Die Fördersätze haben sich insbesondere durch eine „Einmalabsenkung“ verändert. Diese Einmalabsenkung zieht die für Juli 2012 geplante Absenkung der Einspeisevergütung um 15 Prozent von Juli auf April vor. Gleichzeitig wird diese Reduktion um eine Sonderdegression ergänzt. Seit 1.4.2012 gelten nun folgende Vergütungssätze:
  • Anlagen bis 10 kW installierter Leistung: 19,5 Cent je Kilowattstunde
  • Anlagen bis 40 kW installierter Leistungen: 18,5 Cent je Kilowattstunde
  • Anlagen bis 1.000 kW installierter Leistung: 16,5 Cent je Kilowattstunde
  • Anlagen über 1.000 kW installierter Leistung: 13,5 Cent je Kilowattstunde
  • Freiflächenanlagen bis 10 MW: 13,5 Cent je Kilowattstunde

Dazu erfolgt eine Verstetigung der Degression: Die Vergütungssätze werden ab 1. Mai 2012 mo­natlich um 1 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vormonat abgesenkt. Dies entspricht einer jährlichen Absenkung von ca. 11,4 Prozent (Basisdegression), wenn der Zubaukorridor eingehalten wird.

Zubaukorridor und Gesamtausbauziel: Im EEG wird ein Gesamtausbauziel für die geförderte Photovoltaik in Deutschland in Höhe von 52 GW verankert. Der jährliche Ausbaukorridor von 2.500 – 3.500 MW bleibt ohne Absenkung bis zur Erreichung dieses Ziels erhalten. Ist das Gesamtausbauziel erreicht, erhalten neue Anlagen keine Vergütung mehr. Der Einspeisevorrang bleibt aber für zu­sätzliche Anlagen auch danach gesichert. Die Bundesregierung wird rechtzeitig vor Erreichung des Ziels einen Vorschlag für eine Neugestaltung vorlegen. Dies
erfolgt auf Grundlage des jährlichen Monitoringberichts nach § 65a EEG.

Zubauabhängige Steuerung („atmender Deckel“): Die Höhe der Degression hängt vom Zubau ab. Die Degressionsschritte werden alle drei Monate angepasst und in Monatsschritten umgesetzt. In den Monaten Mai bis Oktober 2012 sinkt die Vergütung jeweils um 1% zu Monatsbeginn. Die erste zubauabhängige Anpassung erfolgt am 1. November 2012 aufgrund des Zubaus in den Monaten Juli bis September 2012, der auf zwölf Monate hochgerechnet wird.

Um jahreszeitliche Schwankungen auszugleichen, erhöht sich in der Folge der Bezugszeitraum, der als Grundlage für die Berechnung der Degression dient: Basis für die Berechnung der Degression ab dem 1. Februar 2013 ist der Zubau von Juli 2012 bis Dezem­ber 2012, wiederum hochgerechnet auf zwölf Monate. Basis für die Berechnung der Degression ab dem 1. Mai 2013 ist der Zubau von Juli 2012 bis März 2013, wiederum hochgerechnet auf zwölf Monate.

Für die Berechnung der Degression ab dem 1. August 2013 kann erstmalig ein volles Jahr – vom 1. Juli 2012 bis zum 30. Juni 2013 – als Bezug genommen werden. In der Folge werden jeweils die zurückliegenden zwölf Monate für die Berechnung der Degression verwendet. Ein Monat wird zudem als Puffer benötigt, damit die Bundesnetzagentur den Zubau und die neuen Vergütungssätze ermitteln kann. Wichtig bei dem neuen „atmen­den Deckel“ ist, dass bei deutlicher Unterschreitung des Zielkorridors die Degres­sion ausgesetzt bzw. die Vergütungssätze sogar erhöht werden.

Marktintegrationsmodell und Eigenverbrauchsbonus: Bei Photovoltaik-Anlagen zwischen 10 kW und 1.000 kW wird pro Jahr nur noch 90% der gesamten erzeugten Strommenge vergütet. Bei kleinen Anlagen bis 10 kW und bei Freiflächenanlagen und sonstigen Anlagen bis 10 MW erfolgt die Vergütung zu 100% der erzeugten Strommenge. Die Regelung gilt für betroffene Anlagen zwischen 10 und 1.000 kW, die ab dem 1. April 2012 in Betrieb genommen werden, sie wird aber erst ab dem 1. Januar 2014 angewendet. D.h. für den Zeitraum bis 31. Dezember 2013 erhalten diese Anlagen Vergütung für 100% der erzeugten Strommenge und erst ab dem 1. Januar 2014 erfolgt die Begrenzung der vergütungsfähigen Strom­ menge.

Im Gegensatz zum Vergütungssatz für Photovoltaik-Dachanlagen, wird das Marktin­tegrationsmodell nicht anteilig berechnet, sondern gilt jeweils für die gesamte Strommenge der betroffenen Anlagen. Die unvergütete Strommenge kann selbst verbraucht, direkt vermarktet oder dem Netzbetreiber zum Verkauf an der Börse angedient werden. Der Eigenver­brauchsbonus entfällt.

Befreiung der Speicher von der EEG-Umlage: Zwischengespeicherter Strom wird künftig von der EEG-Umlage befreit, um eine Doppelbelastung bei Speicherung und Entnahme zu vermeiden.

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