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Elektroauto für den urbanen Verkehr: Elektro-Kleinwagen mia electric

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Gut Ding will Weile haben – könnte man denken. Ganz anders denkt anscheinend die neu gegründete mia electric GmbH, die heute den Verkaufsstart ihres unkonventionellen und zumindest optisch gewöhnungsbedürftigen Elektroautos mia electric ankündigte. Hinter mia stecken der Pharmaunternehmer Prof. Edwin Kohl und die Essener Conenergy, die kürzlich die Produktionsstätte und die Rechte am Fahrzeug von der ursprünglichen Muttergesellschaft Heuliez übernommen hatten.

mia electric Elektroauto ElektromobilitätElektroauto News / 6. Oktober 2010. Wer mit dem „Verkaufsstart“ von einem der ersten serienmäßig produzierten Elektroautos – mia baut Kapazitäten von 10.000 Stück für 2011 auf – auch die schnelle Möglichkeit zu Probefahrten, Testfahrten und eine zeitnahe Auslieferung assoziert, der täuscht sich gewaltig. Der Produktionsstart ist erst für den Juni 2011 angekündigt – also in mehr als acht Monaten. Und: Zunächst werden nur öffentliche und private Flottenbetreiber bedient. Privatkunden können Einzelfahrzeuge frühestens 2012 ordern.

Produziert wird die mia (siehe Hintergrund – E-world 2011) – aufgrund der Vorgeschichte verständlicherweise – im französischen Cerizay. Entwickelt wurde der 2,87 Meter lange Dreisitzer maßgeblich vom ehemaligen Volkswagen-Chefdesigner Murat Günak. Zum Konzept gehören ein zentraler Fahrersitz, Schiebetüren auf beiden Seiten und ein für diese Fahrzeuglänge besonders großer Innenraum.

Angeboten wird die mia auch in zwei 3,19 Meter langen Varianten: als Viersitzer mia L (mit drei Rücksitzen) oder als mia Kastenwagen. Die Transporter-Version ist vor allem für Gewerbekunden interessant: Sie bietet einen 1.500 Liter fassenden Laderaum und kann bis zu 360 Kilogramm zuladen.

mia electric mit 8 kWh Akku

Das neue Elektromobil ist – nicht zuletzt dank des modernen Leichtbau-Konzepts – sparsam im Stromverbrauch. Mit der Standardbatterie mit einer Kapazität von 8 kWh kommt die mia den Angaben zufolge 100 Kilometer weit, die Aufladung der Akkus dauert 2,5 Stunden an der normalen Haushaltssteckdose. Schnellladungen sind möglich: Zehn Minuten Ladezeit reichen dann für rund acht Kilometer Fahrstrecke. Die Stromkosten liegen bei etwa 1,50 Euro pro 100 Kilometer, der Preis für die Basisversion des Dreisitzers beträgt 19.500 Euro. Welche Ausstattung in der Basisversion enthalten ist, teilte mia electric heute allerdings nicht mit.
mia electric S Elektroauto mia electric GmbH

„Wir haben mit einem weißen Blatt Papier angefangen und uns immer wieder die gleichen Fragen gestellt: Was braucht ein Kunde wirklich, um in der Stadt mobil zu sein? Und was macht ihm Freude?“, schildert Murat Günak, Ex-Chefdesigner von Peugeot und dem Volkswagen-Konzern, die Anfänge des 2007 gestarteten Elektroauto-Projekts mia. Die Antwort lautet: ein kompaktes und übersichtliches, zugleich aber geräumiges und praktisches Auto, dass sich emissionsfrei, leise und zügig bewegen lässt.

Die mia ist 2,87 Meter (Dreisitzer) oder 3,19 Meter (mia L, mia Kastenwagen) lang, 1,55 Meter hoch, 1,64 Meter breit und wiegt mit der Standardbatterie 825 Kilogramm (Kastenwagen 835 kg). Der 18 kW starke Motor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometer. Die mia ist mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie ausgerüstet, ein Akku-System, das technisch ausgereift und besonders sicher ist. Neben der Standardbatterie (8 kWh, Reichweite bis zu 100 km, Ladezeit ca, 2,5 Stunden) ist auch eine größere Batterievariante (12 kWh) verfügbar. Fahrerairbag und ABS-Bremssystem gehören zur Standardausstattung.

Der Autohersteller mia electric produziert die mia in Cerizay, wo das Unternehmen die Elektroautosparte des renommierten französischen Fahrzeugherstellers Heuliez übernommen hat. Heuliez begann schon 1984 mit der Konzeption und Fertigung von Elektrofahrzeugen und entwickelte sich in der Folge zum weltweit führenden Hersteller von Autos mit reinem Elektroantrieb.

Fast 6.500 Elektroautos wurden in Cerizay bis heute gebaut, darunter Citroën AX Electric, Peugeot 106 Electric und Citroën Saxo Electric. Im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise geriet das traditions­reiche Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage und musste Insolvenz anmelden.

Die Elektro-Sparte des Fahrzeugherstellers wurde daraufhin im Juli 2010 von dem neu gegründeten Unternehmen mia electric übernommen. Zurzeit sind in Cerizay 150 Mitarbeiter beschäftigt. Bis zum Produktionsstart der mia im Juni 2011 wird die Belegschaft auf rund 240 Mitarbeiter wachsen.

Verkaufsstart ist Marketing-Gag

Grundsätzlich ist die mia eine interessante Alternative für den urbanen Stadtverkehr – 8 Monate vor dem Produktionsstart aber großspurig einen Verkaufsstart anzukündigen, ist doch eher als Marketing-Gag zu verstehen. Ziel ist es lediglich, in die Köpfe der Entscheider zu kommen. Denn wer wird jetzt ein Elektroauto bestellen bzw. „kaufen“, dessen Produktionsstart 8 Monate in der Zukunft liegt? Ob der Produktionsstart dann tatsächlich so präzise im Juni 2011 (nicht 2010 -> korrigiert, Anm. der Redaktion) erfolgen wird, daran haben wir von der Cleanthinking.de-Redaktion doch ein paar Zweifel. Lassen wir uns also überraschen…

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  2. Elektroauto Mia wird ab sofort verkauft | Nachhaltig Mobil

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  3. Don Pedro sagt

    Also ich finde das Konzept gelungen, gerade die 3 Sitze sind sinnvoll, denn so hat man neben dem Fahrersitz zusätzlichen Stauraum und kann trotzdem leicht einsteigen etc.. Auch der Preis klingt in Ordnung, sollte aber in der Massenproduktion noch gesenkt werden, denn letztlich werden Autos der Mobilität wegen gekauft und 100km sind keine 20.000€ wert-eher 10.000€ als Obergrenze.

    Grundsätzlich ist aber der MIA ernstzunehmen. So ein Konzept dürften die meisten Kunden akzeptieren, zumal es als Fahrer recht angenehm ist, keinen Beifahrer zu haben.

    Die herkömmlichen „Ideen“ ala Zigarre in Bodennähe (Sarg auf Rädern) sind einfach Unsinn, im Alltag zu nichts zu gebrauchen und schon damit überfordert, einen Familieneinkauf an Lebensmitteln zu transportieren.

    Es muss aber eben doch noch ordentlich an der Ladetechnik gearbeitet werden. Wenn sich schon bei den Reichweiten nicht mehr viel tun wird, dann muss es doch möglich sein, die Akkus irgendwie in 10 Minuten voll zu laden, ohne den Batterien zu schaden. Denke schon, dass 10 Minuten die Obergrenze im Alltag sind, alles darüber ist Unsinn, denn bei so geringer Reichweite muss eben oft geladen werden.

  4. Martin Jendrischik sagt

    Hi Thomas,

    ich möchte die Mia nicht gleich kleinreden, aber ich kann Deine Kritikpunkte nachvollziehen.

    Zum eigenen Projekt: Hast Du eventuell Lust, den Projektfortschritt immer mal auf Cleanthinking.de zu berichten? Denke, unsere Leser sind sehr gespannt darauf 🙂

    VG Martin

  5. Thomas sagt

    Bin zwar ein grosser Fan von Elektroautos, aber irgendwie finde ich das Gefährt gar nicht überzeugend. Es ist aus meiner Sicht hässlich, viel zu gross für die nur 3 Sitze. Vorne hätten locker 2 Sitze Platz gehabt. Und trotz der Grösse kaum Laderaum. 100km Reichweite scheinen mir vom verfügbaren Paltz her nicht gerade gut, für die Stadt aber ausrecihend. Natürlich kommt das Teil dann erste 2011 oder 2012, wie immer nicht für Private, usw. Glaube kaum, dass das wirklich ernst gemeint ist. Bin grade dran mir selbst eins zu bauen. Wens interessiert:
    mein-elektroauto.blogspot.com
    mfg Thomas

  6. Detlef Moese sagt

    Interessantes Auto! – Frage mich allerdings, ob der VW-Kleinlieferwagen Typ 147 (im Volksmund auch „Fridolin“ genannt – besitze selbst noch solch ein Unikat) nicht dafür Pate gestanden hat, da viele Daten , z.B. Ladevolumen, Zuladung, Leergewicht, Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit sowie in etwa auch das Aussehen mit dem Fridolin exact übereinstimmen !

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