Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Werbung

Elektroauto News: Vergleicht der ADAC Äpfel mit Birnen?

5 48
Elektroauto Peugeot iOn 1
Sind Elektroautos wie der Peugeot iOn schon wirtschaftlich?

Rechnet sich das Fahren eines Elektroautos bereits heutzutage? Der ADAC ist der Meinung, dass dies nicht der Fall sei und hat jetzt eine Vergleichsrechnung präsentiert, die Zweifel zulässt, ob das Ergebnis nicht „gewollt“ war. Der ADAC schließt an das Ergebnis der eigenen Rechnungen die Forderung an, dass Elektroautos günstiger werden müssten – dieser Forderung schließt sich die CleanThinking.de-Redaktion natürlich an. Aber: Aus unserer Sicht kann sich ein Elektroauto schon heute für viele Einsatzzwecke rechnen. Konkret hat der ADAC den lediglich als Leasing-Fahrzeug verfügbaren Peugeot iOn mit dem Filou 107 70 von Peugeot verglichen. Dabei stellt der ADAC die monatliche Leasingrate des iOn von 584 Euro pro Monat den Anschaffungskosten des Filou in Höhe von 11.000 Euro gegenüber. Vergleicht der ADAC Äpfel mit Birnen?

Der ADAC kommt zum Ergebnis, der Peugeot iOn würde pro Monat 700 Euro kosten, während das Verbrennermodell mit 335 Euro zu Buche schlagen würde. Dabei rechnet der ADAC durchaus mit den günstigeren Betriebskosten – bei 22 Cent pro Kilowattstunde und einem Preis von 1,46 Euro pro Liter Benzin sind diese leicht ersichtlich. Allerdings rechnet der ADAC nur mit einer Laufleistung von 10.000 Kilometern pro Jahr. Die hohen Anschaffungskosten, so der ADAC, hätten einen höheren Wertverlust zur Folge – dadurch werde der Vorteil der niedrigen Betriebskosten vollständig aufgebraucht, so die Meinung des ADAC.

Folgende Fragen stellen sich jedoch:

  • Die Leasingrate des Peugeot iOn ist nur für gewerbliche Kunden vorgesehen (siehe hier). Der Filou hingegen ist eher ein typisches Endkundenfahrzeug. Würde sich ein gewerblicher Kunde wirklich zwischen solchen Modellen entscheiden? Natürlich müsste darüber hinaus mit Nettopreisen gerechnet werden.
  • Unklar ist, warum die ADAC-Experten einen höheren Wertverlust bei einem Elektroauto einkalkulieren: Das Elektroauto hat weniger Verschleißteile (Auspuff, Zündkerzen, Luftfilter, Motor- und Getriebeöl, Kupplung, Einspritzer etc.), so dass ein schnellerer Wertverlust kaum realistisch klingt. Auch wenn die Anschaffungskosten zunächst höher sind.
  • Die Laufleistung von 10.000 Kilometer ist relativ niedrig angesetzt, entspricht aber dem, was in der Leasingrate des Peugeot iOn enthalten ist. Für die gewerbliche Nutzung wäre ein höherer Wert realistischer. Hier wird dem gewerbliche Leasing-Angebot eine für einen Privatnutzer realistische Jahres-Kilometerleistung gegenübergestellt.

In der Tendenz hat der ADAC natürlich recht: Bei geringer Laufleistung von 10.000 Kilometern rechnen sich Elektrofahrzeuge  – zumal, wenn sie mit einem 100.000-fach produzierten Endkundenfahrzeug verglichen werden – erst nach sieben bis 10 Jahren. Die ausgerechneten Kosten für das Elektroauto, die doppelt so hoch sein sollen wie für ein Verbrennungsfahrzeug, sind allerdings nur bedingt nachvollziehbar.

Prinzipiell ist zu sagen: Wir befinden uns gerade an der Schwelle zum Durchbruch der Elektromobilität. Der erste Laptop oder der erste DVD-Player waren auch nicht sofort mit einem Kassettenrekorder oder einem stationären PC vergleichbar, rein wirtschaftlich gesehen. Es muss nun darum gehen, die Vorteile der Elektromobilität für den Einzelnen herauszuarbeiten und zu kommunizieren. Problematisch ist das deshalb, weil viele Vorteile kaum als Vorteile für den Einzelnen quantifiziert werden können: Umweltauswirkungen oder geringerer Lärm in den Innenstädten. Das sind Vorteile der Elektroautos, die in der Rechnung des Einzelnen nicht vorkommen – aber gesamtgesellschaftlich sehr entscheidend sind. Insofern sollte der mikroökonomische Blick durchaus immer mal mit der makroökonomischen, gesamtgesellschaftlichen Situation verglichen werden.

Unsere Meinung: Der ADAC vergleicht zwar nicht Äpfel mit Birnen – aber doch ein ultra-günstiges Endkundenfahrzeug mit Anschaffungspreis mit einem rein für Gewerbekunden vorgesehenen Leasing-Angebot für ein Elektroauto. Generell rechnet sich Elektromobilität momentan vor allem für diejenigen, die eine hohe Jahres-Kilometerleistung im urbanen Verkehr haben – etwa Handwerker, Hausmeisterdienste, Pflegeservices oder Post-Dienstleister.

Bei diesen potentiellen Kunden, kommen weitere (schwer quantifizierbare) Faktoren hinzu: Ein Image-Effekt („grün“), womöglich günstigere Stromkosten durch eine eigene PV-Anlage, langfristige Lieferverträge oder kostenlose Nachlademöglichkeiten oder schlicht und ergreifend die gesparten Kosten für eine Umwelt-Plakette in vielen deutschen Großstädten.

Und: Wir sollten nicht vergessen, dass wir in Deutschland der Sondersituation unterliegen, dass es bislang keine Kaufprämie für Elektroautos gibt. Aber das ist ein anderes Thema…

Das könnte dir auch gefallen
% S Kommentare
  1. Theo sagt

    Hallo Martin,
    ich beziehe mich beim Leasingangebot auf die offizielle Website von Peugeot, in dem jeder „normaler“ Kunde seine Modelle anklicken und sich (im Falle des iOn) ein Leasingangebot zusenden lassen kann – siehe hier:
    http://www2.peugeot.de/ion-angebot/

    Und meines Wissens nach ist dieses Angebot nicht nur auf gewerbliche Kunden beschränkt – hier widersprechen sich schon einmal die angebotenen Laufleistungen (10.000 km bzw. 15.000 km)…

  2. Martin Jendrischik sagt

    Hallo Theo, vielen Dank für die konstruktiven Hinweise. Im Endergebnis sind wir uns ja weitgehend einig. Den Weg dahin werden wir nochmals checken.

    Wir beziehen uns bei der Aussage, dass sich Peugeot mit der Leasingrate
    an Gewerbekunden richtet sowohl auf Pressemitteilungen von Peugeot als auch auf diese Seite: http://www2.peugeot.de/ion-auswahl/ Hier steht im Kleingedruckten, dass das Angebot nur für Gewerbekunden zulässig ist. Die von Ihnen geschilderten Angebote für Privatkunden sind uns unbekannt.

    Mit dem Thema Wertverlust werden wir uns noch einmal beschäftigen. Vielen Dank für Ihre Hinweise.

  3. Theo sagt

    Natürlich ist es schwierig, die derzeit noch (kaum) verfügbaren E-Fahrzeuge mit konventionellen Modellen zu vergleichen – doch müssen hier m.E. zwei Dinge im Gegensatz zu Ihrem Artikel richtig gestellt werden – nämlich:

    1. Sich das Leasingangebot von Peugeot eben nicht nur „ausschließlich“ für gewerbl. Kunden bezieht. Es gibt – zumindest lt. Website von Peugeot – zwei offizielle Angebote – jeweils über 24 oder 48 Monate mit 10.000 oder 15.000 km p.anno. Dieses Angebot ist für „Jedermann“, also auch (oder vielleicht sogar gerade) für die Privatnutzung zugänglich.

    2. Der ADAC einen „höheren“ Werverlust des iOn unterstellt. Wenn man sich einmal die Infografik hierzu ansieht wird man feststellen, dass der ADAC exakt die Leasingrate als Wertverlust des iOn sieht. Und prinzipiell ist eine Leasingrate schließlich als Wertverlust anzusehen (inkl. evtl. Gewinne für den Leasinggeber), auch wenn in diesem Beispüiel darin auch noch die Ausgaben für Werkstatt und Reifen enthalten sind, was der ADAC aber ebenso exakt in das Vergleichsfahrzeug mit eingerechnet hat.

    Mein Fazit: Sicher stimmt es, dass sich für gewerbliche Einsätze ein E-Fahrzeug schon heute lohnen „kann“ – für den Privatmann hingegen (und hier vermute ich den – rein in Bezug auf die Kosten – aufklärenden Artikel des ADAC) auf jeden Fall (noch) nicht…

  4. […] Natürlich ist die Antwort auf die Ausgangsfrage: Nein ein Elektroauto ist noch nicht rentabel. Wie cleanthinking jedoch treffend berichtet ist der Vergleich zwischen Benziner und Elektroauto auf dem aktuellen […]

  5. Kai sagt

    Das sehe ich auch so, in Deutschland ist halt das Problem, das es keine Subvention für Elektroauto gibt. Somit sind diese immer teurer als Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor.
    Wenn in ein paar Jahren ein Elektroauto günstiger ist, der Benzinpreis bei 2,50Euro liegt und es eine staatliche Subvention gibt, sieht die Lage ganz anders aus.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More