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Elektroautos für die Stadt: Die Smart City Cars kommen

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Von wegen: Schneller, breiter, luxuriöser! In den kommenden zwei Jahren wird eine neue Generation von kleinen, feinen und sparsamen Elektroautos oder sparsamen Diesel-Fahrzeugen das Bild der Innenstädte sukzessive verändern: Mit dem Elektroauto Colibri des jungen Cleantech-Startups Innovative Mobility steht eine „Knubbelkiste“ längst in den Startlöchern.

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Aber auch die großen Automobilhersteller wie Renault und Toyota geben ihre Zurückhaltung, was die kleinen, billigen, effizienten Ein- oder Zweisitzer angeht, inzwischen auf. Immer wieder kommen neue Design-Studien und Ankündigungen für weitere „Small City Cars“ in das Redaktions-Postfach. Besonders pikant: Manche dieser Elektroautos sind so wendig und klein, dass man mit ihnen theoretisch im Aufzug bis zum eigenen Schreibtisch fahren könnte – für Hochhäuser in städtischer Umgebung eine interessante Alternative zum knappen Parkplatzangebot…

Elektroauto News / 9. Mai 2012. Vieles, was mit den Smart City Cars zu tun hat, ist noch Zukunftsmusik. Die Vision mit dem Parkplatz direkt am Schreibtisch etwa. Aber: Cleantech-Startups wie Innovative Mobility arbeiten ernst- und gewissenhaft an ganz neuen Fahrzeugkonzepten, die insbesondere Sicherheitsaspekte und praktische Nutzungsaspekte kombinieren – und sich damit ganz gezielt an die Bedürfnisse einer Nischen-Zielgruppe anpassen, für die ein Colibri, ein Renault Twizy, ein Zagato Volpe oder ein Toyota Coms zur echten Alternative werden könnte. Zumindest als Zweitwagen dienen die Elektroautos – für das tägliche Pendeln zur Arbeit etwa oder für die kleinen Fahrten ohne viel Gepäck.

Und vor allem: Für die Fahrt ohne personelle Begleitung, denn zumeist sind die neuen Smart City Cars reine Fahrer-Fahrzeuge. Liegen die Sitze hintereinander, stehen Sicherheitsaspekte wieder in Frage – und der Komfort, in eine solche Knubbelkiste hinten einzusteigen, lässt doch deutlich zu wünschen übrig. Daher verfügt der von Innovative Mobility entwickelte Colibri gezielt nur über einen Sitz, dafür aber über einen Stauraum, der es immerhin zulässt, zwei Getränkekisten zu transportieren. Plätze für Akten- und Laptop-Taschen oder die Handtasche sind selbstverständlich eingeplant.

Elektrisches Stadtauto: Zagato Volpe

Elektroauto für den Stadtverkehr aus Italien: Zagato VolpeDas Mailänder Unternehmen Zagato hat in dieser Woche das Elektroauto Zagato Volpe vorgestellt, das immerhin 105 km/h fahren soll. Die Sportwagen-Schmiede will ab Anfang 2013 den Zagato Volpe in Italien verkaufen – das Gefährt ist lediglich 2,20 Meter lang, einen Meter breit und wiegt in der leichtesten Variante 350 Kilogramm. Angetrieben wird der Zagato Volpe von einem Elektromotor, je nach Version mit 4kW, 8 kW oder 12 kW. Interessant: Die normale Reichweite soll bei 70 Kilometern liegen, aber auch mit einem Range Extender für weitere 300 Kilometer Fahrspaß ausgerüstet werden können. Der Range Extender braucht dann kein Benzin, sondern Erd- oder Flüssiggas. In der kleinsten Version wird der Zagato Volpe rund 7.000 Euro kosten.

Elektro-Flitzer von Toyota: Toyota Coms

Kleinstwagen von Toyota: Das Elektroauto Toyota Coms in der 2012er VersionWer gedacht hat, nur die eher unbekannten Autobauer würden sich mit Small City Cars schmücken, der liegt völlig falsch: Toyota präsentierte kürzlich die 2012-Version seines Kleinstautos, den Toyota Coms. Im Gegensatz zum Zagato Volpe schafft das Auto von Toyota allerdings nur 60 km/h, was selbst für die Stadtautobahn in Berlin zu wenig ist. Dagegen soll der Toyota Coms sich einen Weg durch Fußgängerzonen bahnen oder auch in Gebäude hineinfahren können. Die elektrische Reichweite liegt bei 50 Kilometern. Interessant: Toyota denkt bei der Zielgruppe nicht nur an Berufs-Pendler, sondern auch an ältere oder leicht behinderte Menschen.

Highlight des Toyota Coms soll der neuartige Akku sein: Der Coms soll so schnell laden wie ein iPad, nach zwei Stunden an der Steckdose kann der nächste 50-km-Trip beginnen. Damit ergibt sich ein weiteres Einsatzgebiet für das kleine Auto: Auf weitläufigen Fabrikgeländen könnten die Arbeiter lange Wegstrecken so einfacher überbrücken.

Elektroauto Colibri von Innovative Mobility

Während das Elektrofahrzeug von Toyota eher ein Roller mit Dach oder ein Fahrzeug für den Golfplatz als ein Auto ist – hierfür gibt es passende Einsatzszenarien – soll der Colibri von Innovative Mobility ein richtiges Elektroauto werden. Entwickelt wird der innovative Elektro-Einsitzer zusammen mit sechs mittelständischen Industrie- und Forschungspartnern. Das Fahrzeugdesign ist das Ergebnis umfangreicher technischer Studien, Materialforschungen und Sicherheitstest. Unterstützt wird die Entwicklung vom BMBF. Ziel des zweijährigen Forschungsvorhabens, das vom BMBF gefördert wird, war der Bau eines zulassungsfähigen Demonstrators bis Anfang 2013, was inzwischen abgeschlossen ist.

Im Rahmen der Hannover Messe 2013 feierte das Smart City Car Colibri offiziell seine Premiere – nach heutiger Kenntnis soll die Serienreife im Jahr 2015 starten. Bereits im November 2013 verkündete das junge Technologieunternehmen aus Jena, das die Produktion des ersten Jahres, also im Jahr 2015, bereits durch Vorbestellungen verkauft sei. Stand heute liegen dem Elektroauto-Hersteller mehr als 900 Bestellungen vor. Nach eigenen Angaben insbesondere von Privatpersonen, aber auch von Flottenbetreibern und Pflegediensten. Die Marktresonanz auf den Colibri zeigt: Die Idee eines kleinen, wendigen Elektroautos für die Innenstadt kommt an und kann eine Nische werden, in der sich nicht nur Startups wie Innovative Mobility tummeln werden.

Herzstück des Colibri ist der Leichtbaurahmen, der ein niedriges Fahrzeuggewicht und damit geringe Verbrauchskosten zur Folge hat. Schweiß- und Fügeversuche des Konsortialpartners Solfig GmbH haben die Idee einer Rahmenkonstruktion inklusive Gussknoten aus Magnesium bestätigt. Kombiniert wird dieses Leichtbaukonzept mit einem leistungsstarken Akku auf Lithium-Eisen-Phosphat-Basis von der Firma Axxellon, der eine Reichweite von 120 Kilometern, eine lange Lebensdauer und kurze Ladezeiten gewährleistet. Ein neues, benutzerfreundliches Ladekonzept reduziert zudem den Aufwand beim Ladevorgang um 70 Prozent. Damit ist der Elektro-Einsitzer nicht nur für Pendler, sondern auch für Flottenbetreiber oder Lieferservices attraktiv.

Das Motorkonzept mit zwei TwinDrive-Motoren und Zweiganggetriebe der CPM Compact Power Motors GmbH optimiert die Fahrleistung des Colibri: Der Elektro-Einsitzer erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern und beschleunigt von 0 auf 100 Stundenkilometer in 9 Sekunden.

Smart City Cars: Leichtbauweise mit Komfort-Anspruch

Trotz Leichtbauweise sollen Verbraucher keine Abstriche bei der Sicherheit hinnehmen müssen. In der Konzeptphase wurden deshalb Rahmenstruktur und Fahrwerk überarbeitet. Konsortialpartner Altair Engineering GmbH nahm Strukturverbesserungen am Rahmen vor, um das Bestehen des Crashtests sicherzustellen. Angepasst wurde auch das Fahrwerk: Die IAMT Ingenieurgesellschaft mbH lieferte ein Konzept mit Doppelquerlenkerachse vorne und Trapezlenkerachse hinten, verbreiterter Spur und verbesserter Kinematik.

Für größtmöglichen Komfort im Innenraum sorgt die Technische Universität Chemnitz. Sie entwickelte einen stufenlosen Hubmechanismus, der das Ein- und Aussteigen vereinfacht, sowie einen Leichtbausitz mit effektiver Hinterlüftung. Darüber hinaus konzipierte sie eine verschiebbare Pedalerie, wodurch Personen mit einer Körpergröße von 1,55 Metern bis 1,95 Metern bequem Platz finden. Für den Kofferraum entwarf die TU Chemnitz eine leichte Sandwichbodenstruktur, die zum Beispiel den Transport von zwei Getränkekisten erlaubt.

Um den Colibri mit einer langlebigen und optisch ansprechenden Oberfläche auszustatten, untersuchte die Lätzsch GmbH die Festigkeitswerte der umweltfreundlichen und innovativen Polyurethangesprühten Bauteile. Abgerundet wird der Premiumanspruch durch ein innovatives Bedienkonzept der ACX GmbH mit flexiblen Schnittstellen für alle On-Board Geräte, aber auch für die externe Kommunikation mit zum Beispiel Mobilitätsdienstleistern. Die Bedienung erfolgt über eine intuitive und übersichtliche Oberfläche via Touchpad und kann individuell angepasst werden.

Small City Cars mit sparsamem Diesel-Motor

Stadtauto M8 Premium von MicrocarNeben den Elektroautos als Smart City Cars gibt es auch kleinen Autos für die Stadt mit effizientem Diesel-Motor – diese kommen dann etwa von AIXAM aus Frankreich oder von Microcar. Der neue M8 Premium von Microcar feierte im März 2012 seine Deutschlandpremiere und verbraucht dank seines Zweizylinders (4 Takt) nur 2,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Der Motor ist schräg eingebaut und wiegt lediglich 48,5 Kilogramm.

Mit seinen Alufelgen und den LED-Heckleuchten sowie dem gesamten Design, erinnert der Microcar M8 Premium ein wenig an den Smart von Daimler, der im Grunde vor einigen Jahren den Markt für kleine Fahrzeuge unterhalb des VW Polo geöffnet hat. Dabei bewies der Smart, das ist die große Leistung, dass Kompaktheit und Lifestyle durchaus zusammen passen können.

Die Generation der Small City Cars muss diesen Nachweis in den kommenden Jahren erst noch erbringen – doch dann wird sich für diese kleinen, wendigen Stadtautos auch ein Käufermarkt finden: Vom Berufs-Pendler, über den Kurierfahrer bis hin zum Fuhrparkmanager, der für seine Mitarbeiter Fahrzeuge sucht, mit denen diese über das Firmengelände fahren und längere Distanzen überbrücken können. Die Anwendungsszenarien für eine gar nicht so kleine Nische sind vorhanden. Weitere Modelle, sicher auch von deutschen Herstellern, werden in den kommenden Monaten folgen.

(Dieser Beitrag über die neuen Elektroautos für die City, die Smart City Cars, erschien am 9.Mai 2012 auf CleanThinking.de und wird fortlaufend aktualisiert)

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1 Kommentar
  1. Moll sagt

    Die deutsche Post bringt das Elektro-Lieferfahrzeuug in den Verkehr , es nennt sich „streetscooter“.
    Das wäre auch als PKW ein tolle Sache: Vor allem für den Nahvekehr in Stadt und Land!
    Lieder weiß ich nicht, ob das fahrzeug auch als PKW geplant ist.

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