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North Sea Grid soll Energie aus Windkraft, Wasserkraft und Gezeitenkraftwerken zum Verbraucher bringen

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Bekommt das Wüstenstromprojekt Desertec demnächst einen europäischen Bruder in der Nordsee namens North Sea Grid? Die Staaten Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland und Schweden planen, ein gigantisches Hochspannungsnetz in der Nordsee zu installieren, um Energie und Strom aus Offshore-Windparks, Wasser- und Gezeitenkraftwerken ab dem Jahr 2020 auch zu den Verbrauchern bringen zu können.

Für das Nordseenetz ist ein kilometerlanges Untersee-Netz auf dem Meeresgrund geplant, das die Infrastruktur für Europas Energiezukunft werden soll. Europa macht beim Ausbau Erneuerbarer Energie scheinbar endlich Ernst. Über dieses Vorhaben, dessen Planung schon in den kommenden Wochen beginnen soll, berichteten heute diverse Medien wie Spiegel Online oder die FTD oder das Handelsblatt.

Energie aus der Nordsee – ein weiteres Megaprojekt für die Energiewende 2020?

Das gewaltige Energienetz in der Nordsee wird von der Energiebranche mit Vorfreude zur Kenntnis genommen. Der Europäische Windenergie-Verband (EWEA) beziffert die Kosten für das Netz auf rund 30 Milliarden Euro. Klar ist: Das Mammutprojekt für die Energieversorgung der Zukunft wird massiv von der EU-Kommission gefördert. Diese hatte nach Angaben des Handelsblattes bereits im Dezember 565 Millionen Euro für die erste Projektphase bewilligt. Davon sollen alleine 165 Millionen Euro auf das so genannte „North Sea Grid“ entfallen. Das Geld stammt u.a. auf Konjunkturprogrammen und soll die Wettbewerbsfähigkeit der Offshore-Windenergie-Industrie verbessern.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle äußerte sich in einer Pressemitteilung wie folgt zur Nordsee-Offshore-Initiative:

Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Rainer Brüderle FDP„Für Deutschland als Land mit ambitionierten Offshore-Ausbauplänen hat die Initiative große Bedeutung. Sie richtet ihr Augenmerk auf Fragen der Netzanbindung und Netzintegration, auf die es entscheidend ankommt, damit die Windenergie zu den Verbrauchern gelangt und die Offshore-Stromerzeugung zu einem Erfolg wird. Mit der Initiative werden die Ressourcen der verschiedenen Teilnehmerstaaten gebündelt.

Das ist unerlässlich, um ein so komplexes Thema zum Erfolg zu führen. Wir stehen vor wichtigen Aufgaben: Es geht um eine grundlegende Umgestaltung und Modernisierung der Stromnetze, ja der Energiesysteme insgesamt.

Ziel ist ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Integration in ein leistungsfähiges Stromnetz. Wir wollen dazu beitragen, dass uns möglichst schnell der Sprung in das regenerative Zeitalter gelingt. Dies muss mit neuesten Technologien und auf wirtschaftliche Weise erfolgen.“

Die enorme strategische Bedeutung eines solchen Hochspannungsnetzes, zeigt die Zahl, die die Europäische Umweltagentur kürzlich veröffentlicht hat: Demnach könnten Windkraftwerke bis 2030 mehr als 3000 Terrawattstunden Strom liefern und damit mehr als 75 Prozent des Stromverbrauchs abdecken.

Spannend wird auch die Frage werden, welche Unternehmen an dem Megaprojekt beteiligt werden könnten: Das Handelsblatt nennt Vattenfall Europe, Scottish Electric Transmission und C-Power aus Belgien als mögliche Partner. Außerdem gelten Siemens und ABB beispielsweise als weltweite Marktführer auf dem Gebiet der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) – auch diese beiden Konzerne dürften durch den Verkauf ihrer Kabel massiv profitieren.

Unternehmen wie Prokon Nord können profitieren

Indirekt würden aber mit Sicherheit auch alle Unternehmen profitieren, die etwa Offshore-Windparks betreuen oder projektieren. So etwa die Firma Prokon Nord, die als Pionier auf dem Gebiet der Offshore-Windkraft gilt. Vor allem könnte das Projekt dadurch bestechen, dass Wind- und Wasserkraft miteinander gekoppelt werden könnten – und die Erneuerbaren Energien so besser zur Grundlastproblematik beitragen könnten.

Branchenkenner schätzen das Projekt „Nordseenetz“ als wesentlich leichter umsetzbar ein als das Wüstenstromprojekt Desertec. Klar: Neben den Firmen aus ganz Europa würden ausschließlich EU-Staaten beteiligt werden – was die Gefahr von Sabotage und Terror gegenüber dem Netz sowie voon langwierigen Verhandlungen in politisch unsicheren Regionen reduzieren dürfte. Ähnlich äußerte sich in der FTD Matthias Cord, Energie-Experte der Beratungsfirma AT Kearney, der davon sprach, das Nordseenetz könne wirklich einen Quantensprung für die Erneuerbaren Energien darstellen.

Thomas Lenke, Energieexperte von Accenture sagte:

„Ich wäre positiv überrascht, wenn vor 2012 Kabel verlegt werden. Bis 2020 sollte das Projekt aber abgeschlossen sein, um die ehrgeizigen Pläne zum Ausbau der erneuerbaren Energien zu unterstützen. Die entscheidende Frage sei, wem das Netz gehören werde und wer die INvestitionen bezahlen solle, so Lenke in der FTD.

Interessant: Greenpeace transportierte schon 2008 die Idee eines North Sea Grid via Medien. Jetzt scheint auch die Politik auf den Geschmack gekommen zu sein.

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  1. Miriam sagt

    Sehr gut, dieses Projekt hört sich sinnvoll an. Man hat ja erst am Wochenende im Wendland gesehen, dass die Atompolitik ein Ende finden muss.

  2. Matthias sagt

    Wird ja auch mal Zeit das sich da was tut. Den Klimagipfel in Kopenhagen haben die Politiker ja schon versaut. Ich hoffe mal das es dort auch wirklich voran geht und das es nicht dank Wirtschaftskrise wieder heißt: ups, die Kassen sind ja leer, vertragt auf später. Der Klimawandel muss warten.

  3. Jennifer Lancey sagt

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