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Energiepark Wilhelmshaven: Erneuerbares Methan statt amerikanisches Fracking-Gas

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Investorengruppe AtlasInvest aus Belgien will als Tree Energy Solutions TES und mit politischer Unterstützung Import von grünem Wasserstoff und Export von CO2 ermöglichen. Bau des Green Energy Hub soll mit Bundesgesetz beschleunigt werden.

Norddeutschland soll zu einem zentralen Hub für den Wasserstoff-Import und den Export von Kohlendioxid werden. Dabei spielt Deutschlands einziger Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven eine zentrale Rolle. Bislang wurde in der Öffentlichkeit vor allem über LNG-Terminals diskutiert – doch das US-Fracking-Gas trägt nicht zum Klimaschutz bei. Im Hintergrund hat die niedersächsische Landesregierung mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Verkehrs- und Hafenminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) an einer anderen Lösung gefeilt: Die belgische Investorengruppe AtlasInvest will für (im ersten Schritt) 2,5 Milliarden Euro ein Terminal für synthetisches Methan und den Energiepark Wilhelmshaven errichten – und Kohlendioxid künftig im Kreislauf nutzen. Dazu wurde Tree Energy Solutions TES gegründet.

Erneuerbares Methan statt amerikanisches Fracking-Gas: In Wilhelmshaven, Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen, bahnt sich eine spektakuläre Investition an. Gab es bis vergangenen Oktober noch Bestrebungen des Energiekonzerns Uniper, ein LNG-Terminal zu errichten, so sind diese Pläne mittlerweile vom Tisch. Auch, weil aus der Industrie nicht ausreichend Nachfrage nach LNG erkennbar war. Sogar öffentliches Desinteresse wurde Ende 2020 bekundet. Auch die Deutsche Umwelthilfe hatte Bedenken geäußert: Sowohl in Bezug auf ein Biotop wie auch generell im Hinblick auf die Verbraucher-Kosten für LNG-Terminals.

Vielmehr denkt Uniper mittlerweile darüber nach, erneuerbares Ammoniak zu importieren, und nebst eine großen Elektrolyse einen Ammoniak-Cracker zu stellen, um grünen Wasserstoff verkaufen zu können.

Mini-Renaissance für amerikanisches Fracking-Gas

Grundsätzlich erlebt Fracking-Gas aus den USA gerade eine Mini-Renaissance, weil Russland nicht mehr Gas liefert als vereinbart – die Nachfrage aber deutlich gestiegen ist, und sich die Preise verfünffacht haben. Im vergangenen Jahr verließen 1.043 LNG-Frachter die USA – davon gingen laut WirtschaftsWoche die Hälfte nach Asien und ein Drittel nach Europa. Doch derzeit ist die Lage genau umgekehrt – mehr als 35 Tanker sind auf dem Weg nach Europa. Ein Zustand, der so nicht bleiben darf, weil das Fracking-Gas ausgesprochen klimaschädlich ist.

Deutschland braucht Wasserstoff-Import

Künftig benötigt Deutschlands Energiewende den Import von grünem Wasserstoff. Die Ampel-Koalition möchte bis 2030 eigene Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt aufbauen, daraus entstehen zirka 28 Terawattstunden Wasserstoff. Doch bis 2030 wird dieser Bedarf auf mindestens 90 bis 110 Terawattstunden steigen – die Lücke muss durch Importe geschlossen werden, soll der bisher aus Erdgas erzeugte graue Wasserstoff (ca. 55 Terawattstunden) ersetzt werden. In Kürze wird die neue Regierung eine überarbeitete Nationale Wasserstoffstrategie vorlegen, kündigte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zuletzt an.

Nun ist die Frage, aus welchen Regionen dieser Wasserstoff kommen kann – mit Marokko gibt es eine gerade beginnende Energiepartnerschaft, Staaten wie Ägypten, Saudi-Arabien oder Kuwait haben ihre Bereitschaft signalisiert. Aber gäbe es nicht naheliegendere Möglichkeiten, die Lieferketten ganz im Sinne des Klimaschutzes verkürzen würden?

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil kommt beispielsweise auch die Wasserstoff-Produktion in Portugal in Frage. Zentral dafür ist aber der Aufbau eines entsprechenden Terminals. 2018 besuchte dann beispielsweise auch der Botschafter von Katar Interesse an Aktivitäten in Wilhelmshaven. Der Grund: Katar ist einer der Hauptexporteure von LNG.

So erklärt Tree Energy Solutions sein Vorhaben in Wilhelmshaven.

Investoren wollen synthetisches Methan herstellen

Jetzt wollen die belgischen Investoren von AtlasInvest mit ihrer Projektgesellschaft Tree Energy Solutions (TES H2) einen anderen Weg einschlagen: Nach Informationen der Welt am Sonntag und eigenen Cleanthinking-Recherchen sind die Pläne der Unternehmen für die Errichtung eines Methan-Terminals in Wilhelmshaven weit fortgeschritten. Der Plan lautet: Auf Basis von erneuerbaren Energien sollen im „Mittleren Osten“ per Elektrolyse große Mengen grüner Wasserstoff hergestellt werden.

Da der Transport von Wasserstoff per Schiff heute bislang kaum möglich ist, planen AtlasInvest und Tree Energy Solutions, die Elektrolyse direkt mit einer Anlage zur Methanisierung zu koppeln. Bedeutet: Durch die Reaktion mit Kohlendioxid entsteht synthetisches, erneuerbares Methan. Dieses hat die identische chemische Zusammensetzung wie Flüssiggas LNG.

Solarstrom für 1 Cent pro Kilowattstunde

Die Hoffnung der Investoren: Auf der arabischen Halbinsel ist Solarstrom für weniger als einen Cent pro Kilowattstunde (!) zu haben – das rechnet sich, selbst, wenn zuerst bei der Elektrolyse und der Methanisierung Effizienzverluste anstehen, und anschließend auch bei der Verflüssigung des Methans unter Druck für den Transport weitere Energieverluste erzielt werden. TES-Vertriebschef Otto Waterlander will in etwa drei Monaten benennen, welcher Partner die entsprechenden Elektrolyseure liefern wird.

Die Temperatur muss dazu minus 160 Grad Celsius unterschreiten – durch den reichhaltigen LNG-Transport auf identische Weise, sind entsprechende Technologien aber mittlerweile Standard. Eingesetzt werden beispielsweise sogenannte Tieftemperaturgeneratoren nach dem Stirling-Prinzip.

Voslapper Groden, Wilhelmshaven
Von Karte-Stadtteile-Wilhelmshaven.png: Munsderivative work: muns (talk) – Eigene Arbeit, basierend auf, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18519598

Der Transport nach Wilhelmshaven soll mit vier bis sechs Riesentankern passieren, die auch das LNG aus den USA rüberschippern. Durch den Suez-Kanal hindurch und dann westlich an Portugal und Spanien vorbei, ist das keine gerade kurze Strecke. Das Kalkül der Investoren ist, dass Transporte verhältnismäßig günstig bleiben – wenngleich es im Zuge der Klimakrise auch unbedingt erforderlich ist,

In Deutschland soll ein Teil des erneuerbaren Methans direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden. Kunden aus der Industrie sollen anteilig das grüne Gas kaufen können, und sich anrechnen lassen – also entsprechend weniger CO2-Zertifikate kaufen zu müssen. Sollten die Kunden das Methan aber verbrennen, verpflichten sie sich, laut WELT-Artikel, dazu, das Kohlendioxid aus den Abgasströmen abzuscheiden, und es verflüssigt zurück nach Wilhelmshaven zu pumpen.

Carbon Capture als Knackpunkt

Hier liegt ein entscheidender Knackpunkt des Projektes: Denn gerade hat eine Organisation gezeigt, dass beispielsweise Shell bei CCS-Projekten große Probleme hat. Bei sogenanntem blauen Wasserstoff bestehen ebenfalls Zweifel an der Klimaverträglichkeit. Wie dem auch sei: Kunden von Tree Energy Solutions werden entsprechende Investitionen tätigen müssen, die womöglich doch wieder überflüssig sind, sollte eines Tages nur noch grüner Wasserstoff geliefert werden können.

Derzeit müsste das CO2 in Ermangelung von CO2-Leitungen also per Tankwaggon auf der Schiene in den Wilhelmshavener Hafen gebracht werden. Womöglich steht hierfür mit dem Konzern Rhenus schon ein Partner bereit. Auch Open Grid Europe könnte mit ins Boot geholt werden.

Damit der CO2-Kreislauf geschlossen wird, sollen die Tanker das Klimagas dann wieder zurück in den Mittleren Osten bringen, um dort zur Methanisierung beizutragen. Denkbar wäre aber auch, dass die Kunden das Methan mit der sogenannten Methanpyrolyse aufspalten – denn dabei entsteht fester Kohlenstoff, der breit in der Industrie verwendet werden kann. Allerdings ist die Methanpyrolyse im großen Maßstab noch keine etablierte Technologie.

Für den nach Wilhelmshaven transportierten Wasserstoff gibt es unzählige Anwendungsmöglichkeiten. Einerseits soll in Deutschland ein Wasserstoff-Netzwerk entstehen, das diesen zu Industriekunden oder Stadtwerken o.ä, transportieren kann. TES liegen eigenen Angaben zufolge bereits 15 Vorabvereinbarungen mit Industriekunden vor – ganz anders als Uniper mit dem LNG-Angebot scheint hier das Interesse der Industrie gegeben zu sein.

Die steigenden Preise im Emissionshandel – für Industriekunden entstehen mittlerweile Kosten von zehn Milliarden Euro – könnten durch Nutzung von grünem Wasserstoff ausgeglichen werden. Ab 2027 will TES bereits 25 Terawattstunden Wasserstoff in den Energiepark Wilhelmshaven bringen – bis zur Endausbaustufe des Projektes könnten es 217 Terawattstunden (5,5 Mio. Tonnen Wasserstoff) werden. Kommt es dazu, wäre das ein signifikanter Beitrag zur Energiewende und zur Dekarbonisierung der Industrie.

Rückhalt: Stadtrat spricht sich für Energiepark Wilhelmshaven aus

Bereits Mitte September 2021 spricht sich der Stadtrat von Wilhelmshaven für das milliardenschwere Wasserstoff-Projekt auf dem sogenannten Voslapper Gorden-Nord aus. Angeschoben wurde dabei die notwendige Änderung des Flächennutzungs- und des Bebauungsplans des Gebietes, das einst als Industriegelände angelegt wurde, sich aber über die Jahre zum schützenswerten Biotop entwickelte.

Die Mehrheit im Rat der Stadt Wilhelmshaven hat die Bauleitplanung für das milliardenschwere Wasserstoff-Projekt auf dem Voslapper Groden-Nord befürwortet. Nun muss untersucht werden, ob das unter europäischem Naturschutz stehende Areal nördlich eines Tanklagers der Firma HES International für das Methan-Terminal in Frage kommt.

Wichtiger Aspekt für die Stadträte: Direkt in der Anlage sollen 700 Arbeitsplätze entstehen. Daher warb auch der parteilose Oberbürgermeister Carsten Feist für den Startschuss des Verfahrens, an dessen Ende man sehen werde, ob der Energiepark Wilhelmshaven verwirklicht werden könne.

Aber: Unklar ist bislang, ob die Europäische Union bereit ist, den Schutzstatus für das Gebiet aufzuheben – das werde sich erst im Verfahren zeigen, hieß es. Unterstützt wird das Vorhaben von Tree Energy Solutions auch von John H. Niemann, dem Präsident der Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereingigung. Er hofft, es könne zu einem der bedeutendsten Bausteine der Energiewende in Deutschland werden und die „Energiedrehscheibe“ Wilhelmshaven in eine ganz neue Zukunft führen.

Rückhalt der Landesregierung Niedersachsen

Für Wirtschaftsminister Olaf Lies ist das Projekt Energiepark Wilhelmshaven von AtlasInvest eine „gigantische Chance, nicht nur für die Region, sondern für die Energiewende insgesamt.“ Norddeutschland könne das Tor für erneuerbare Energien für ganz Deutschland werden.

Das Ziel der Investoren ist, grünen Wasserstoff für drei Euro pro Kilogramm zu liefern – das wäre günstiger als Elektrolyse-Wasserstoff, der hierzulande erzeugt wird.

Kritik von Umweltverbänden

Die Deutsche Umwelthilfe sieht in der Abkehr vom LNG-Terminal in Wilhelmshaven einen wichtigen Schritt. Allerdings könnte das Methan-Terminal von TES theoretisch auch von entsprechenden LNG-Tankern angefahren werden, da die Prozesse zur Abnahme identisch sind. Nur: das würde dem Geist des gesamten Projektes widersprechen, daher erscheint das Szenario nicht sehr wahrscheinlich.

Kritisiert wird trotzdem der aufwändige Prozess, um Wasserstoff in Form von Ammoniak oder Methan nach Deutschland zu transportieren. In der Tat bleibt die Frage, ob beispielsweise LOHC auch eine geeignete Trägerflüssigkeit wäre. Andererseits wäre es auch denkbar, nur den Strom über HGÜ-Leitungen ans europäische Stromnetz zu liefern. Doch das wäre mit langwierigen Verhandlungen verbunden, weil Leitungen durch viele Länder verlegt werden müssten.

Schließlich bleibt die Frage, wie viel Energie in den Umwandlungsschritten und beim Transport verloren geht, wo das Kohlendioxid als Ausgangsstoff für die Methanisierung herkommt und mit welchem Treibstoff die Schiffe angetrieben werden, die Methan und CO2 transportieren sollen. Würden die Schiffe mit erneuerbarem Methan betankt, wären zumindest ein paar Klimavorteile sicher. Die gesamte Klimabilanz und Wirtschaftlichkeitsrechnung wird der Öffentlichkeit sicherlich noch vorgestellt werden.

Was ist AtlasInvest?

AtlasInvest ist eine belgische, private Investorengruppe, die im Jahr 2007 von Marcel van Poecke (Jahrgang 1960) gegründet wurde. Der sechsfache Familienvater, Unternehmer und Manager, der einen Abschluss in landwirtschaftlicher Betriebswirtschaft und einen MBA hat, arbeitete vor dem Wechsel in den Finanzsektor 25 Jahre im Energiesektor. Er gründete u.a. das Unternehmen Petroplus.

Die Gesellschaft konzentriert sich auf Investitionen in Energieanlagen, hat aber auch erfolgreich Energieunternehmen erworben und verkauft. Neben einem starken Fokus auf die Sektoren Öl und Gas der alten Energiewirtschaft, gibt es auch Beteiligungen im Bereich erneuerbare Energien. Beteiligungen in den Bereichen Energiewende und Digitalisierung des Energiesektors nehmen zu, wie auch das Vorhaben Aureka Energy zeigt.

Eng verbandelt ist AtlasInvest mit der Carlyle Group, die ebenfalls von Marcel von Poecke geführt wird. AtlasInvest managt die Carlyle International Energy Partners Fonds mit einem Volumen von sieben Milliarden Dollar (konventionelle Energien).

Eine der Beteiligungen von AtlasInvest ist Tree Energy Solutions (TES H2), gegründet von Paul van Poecke, der 30 Jahre Erfahrung im Energiesektor, insbesondere in den Bereichen Lagerung, LNG und Raffinerie mitbringt. Er studierte Forst- und Landwirtschaft.

Den Familienverbund im Management von AtlasInvest komplettiert die Harvard-Absolventin Heleen van Poecke, die dort als Investment-Managerin agiert. Daneben ist sie u.a. Mitgründerin und CEO eines Software-Unternehmens, das sich mit Software für das ESG-Management beschäftigt.

Was ist die Projektgesellschaft Tree Energy Solutions (TES H2)?

Unter dem Motto „Hydrogen for Life“ plant Tree Energy Solutions Projekte, die die Energiewende beschleunigen und somit die Klimakrise bekämpfen sollen. Auf seiner Webseite verspricht die Gesellschaft, die neben dem Hauptstandort im belgischen Zaventem auch zwei GmbH-Standorte in Wilhelmshaven und Düsseldorf hat, eine „einzigartige, skalierbare Lösung für Europa“, die dazu beitragen soll, die Netto-Null-Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen.

Das klingt ja gut, aber von wem macht man sich da künftig abhängig: > Erstens, wer ist diese Investorengruppe? > Zweitens, welche Länder im Mittleren Osten liefern? Das ist ja nicht unbedingt eine stabile Region. Außerdem interessant: Wie wird das synthetische Methan erzeugt?

Update vom 25. Mai 2022

Das Importterminal von Tree Energy Solutions (TES) wurde in die Liste der priorisierten Projekte aufgenommen, die vom LNG-Beschleunigungsgesetz der Bundesregierung gefördert werden.  Das Gesetz, das am 19. Mai 2022 den Bundestag passiert hatte, wurde am 20. Mai 2022 auch vom Bundesrat bestätigt. Ziel dieses Gesetzes ist es, die Errichtung der dringend notwendigen Infrastruktur zu beschleunigen, um die Energieversorgung des Landes, insbesondere kurzfristige Gasimporte, sicherzustellen. Somit lassen sich die im Januar bekannt gewordenen Pläne von AtlasInvest und TES beschleunigen.

Das Wilhelmshavener Terminal Green Energy Hub wird laut aktueller Planung sechs Schiffsanlegestellen, 1.600.000 Kubikmeter Onshore-Speicherkapazität mit acht anlagenseitigen Tanks umfassen, von denen vier bereits in der ersten Ausbaustufe verfügbar sein werden. Hinzu kommen die Regasifizierungsanlagen und die Übergabestation an das OGE-Gasnetz. Diesem Terminal wird eine Schlüsselrolle dabei zukommen, sowohl die Abhängigkeit Deutschlands von russischer Energie zu reduzieren als auch den Umstieg zu nicht-fossilen Energieimporten basierend auf grünem Wasserstoff zu realisieren.

Update vom 2. Juni 2022

Mit dem Autor des Buches „The Hydrogen Revolution“ hat Tree Energy Solutions TES seit Juni 2022 einen neuen CEO. Marco Alverà steigt nicht nur in die operative Führung von Tree Energy Solutions ein, sondern beteiligt sich auch als Investor am Vorhaben der Gesellschaft. Alverà war zuvor sechs Jahre lang CEO der italienischen Gasinfrastrukturgesellschaft Snam. Der 1975 geborene Alverà arbeitete zuvor bei Goldman Sachs, Enel und Eni.

Fazit: Ist der Energiepark eine Chance für die Energiewende?

Ja, das Projekt Energiepark Wilhelmshaven kann trotz mancher offenen Fragen zu einer Chance für die Energiewende werden. Es erscheint als Möglichkeit, schneller größere Mengen grünen Wasserstoff zu bekommen, als bislang prognostiziert. TES verspricht allerdings auch innovative Lösungen, die bislang nicht bekannt sind.

Das Unterfangen hat noch zahlreiche Hürden zu nehmen. Es ist aber auch klar, dass es bei der großen Transformation auch Vorhaben geben wird, die eher an die alte Energiewirtschaft erinnern als an die neue dezentrale Welt. Daher kann der Energiepark nur ein Baustein sein, der die Anstrengungen zu dezentraler Wasserstoffproduktion keinesfalls bremsen darf.

Gelingt das, könnte Wilhelmshaven tatsächlich Deutschlands Wasserstoff- Hauptstadt werden.

(Dieser Artikel entstand ursprünglich am 23. Januar 2022, wurde zuletzt am 13. Juni 2022 erweitert)
% S Kommentare
  1. Ralf Boecker sagt

    Hat die Politik wirklich die richtigen Antworten auf die Energiekrise, wenn anstelle von Nordstream 2 nun ausgerechnet in neue Terminals & Infrastruktur investiert werden soll für Import von Flüssigerdgas?
    = LNG (Liquefied Natural Gas) ➭ https://www.energie-lexikon.info/fluessigerdgas.html

    ❑ welche Anteile von russischem Erdgas könnten LNG-Terminals ersetzen und *bis wann?*
    ❑ mit welchen Lieferkapazitäten an noch fehlenden LNG-Schiffen?
    ❑ zu welchen Preisen in Konkurrenz zu billigerem Pipeline-Erdgas, wenn das Putin-Regime bis dahin überwunden ist?

    ➯ Wäre nicht viel klüger, **alle** verfügbaren Mittel in eine *wirklich erneuerbare* Energiewende mit **Wärmepumpen + Windenergie** zu investieren, sowie in *strategische Reserven* mit ausreichendem Vorrat in konventionellen Methan-Speicherkavernen, die einfach, schnell und billig zu realisieren sind?
    Zudem unterirdisch sicher vor Terroranschlägen, die schon mit einer simplen Panzerfaust jedes LNG-Terminal in ein katastrophales Inferno verwandeln würden!

  2. Rudolf Rippler sagt

    Im Grunde genommen ist das Ganze ein wiederaufgelegtes Desertec mit anderen Technologien. Desertec wurde vor langer Zeit mit großem Tamtam gestartet und verlief dann ziemlich kläglich im Wüstensande. Vor allem weil die politischen Randbedingungen zu unstabil waren, woran sich bis heute nichts geändert hat.

    Hochtemperatur-Elektrolyse, die hier zum Einsatz kommen müsste, ist bis dato über das Versuchs-Stadium nicht hinausgekommen. Ob man das innerhalb weniger Jahre in großtechnischem Maßstab beherrschen wird?
    Mir ist unklar, ob nun Methan hierher verschifft werden soll oder Wasserstoff, man hört beides.

    Der Grund für die CO2-Filterung aus dem Kraftwerksschlot und die Rückführung per Bahn und Schiff erschließt sich mir nicht. Fürs Klima ist es egal, ob es hier dann in die Luft gepustet und in der Wüste dann wieder aus der Luft extrahiert wird.

  3. Anonymous sagt

    Die zukunftssweisende Strategie kann nur in der weitest möglichen Direktnutzung von Strom liegen. Alle Umwandlungs- und Transportvisionen führen zu einer dramatischen Vergeudung von erneuerbaren Strom. Lokale Energiespeicher sind zusätzlich zu priorisieren

  4. Ralf Boecker sagt

    »Alter Wein in neuen Fässern?« – Green-Washing von LNG + CCU !

    2,5 Mrd.€ – wieviel davon aus staatlichen Subventionen?
    ➯ EU-Taxonomie macht’s möglich!

    1. Martin Jendrischik sagt

      Hallo Ralf,

      nein. Es handelt sich hierbei nicht um LNG und CCU. Mit der Taxonomie hat das Projekt auch rein gar nichts zu tun. Es wurde lange vor der Taxonomie vorangetrieben.

      Martin Jendrischik

      1. Ralf Boecker sagt

        Soweit ich die Sache verstehe, geht es zunächst primär um ein LNG-Terminal für Flüssigerdgas, das vllt. später mal auch regenerativ produziertes E-Methan pur oder in fossilem Mix verarbeiten kann.
        Da die Produktion von E-Methan eine Kohlenstoff-Quelle erfordert und DACCS sehr aufwändig ist, wird der Rücktransport von CO2 aus CCS-Zertifizierung in umgekehrter Richtung für CCU umso lukrativer.
        Um nichts anderes geht es hier und die EU-Taxonomie wurde für genau solche halbseiden neo-fossile Exploits extra frisiert…

        ➯ siehe auch:
        Kritik an grüner Erdgas Taxonomie in der Stellungnahme der Bundesregierung (Deutsche Umwelthilfe 22.01.22) ➭ https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/deutsche-umwelthilfe-kritisiert-stellungnahme-der-bundesregierung-zur-eu-taxonomie-als-halbherzig-un

  5. […] plant eine CO2-Kreislaufwirtschaft zwischen der arabischen Halbinsel und Europa (Wilhelmshaven). Per Elektrolyse entsteht grüner Wasserstoff in den Sonnenwüsten. Unter Zugabe von CO2 aus […]

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