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Energiewende im Bestand: MFH in Berlin wird zum Eigen-Energie-Haus

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Es ist eines jener Projekte, die mit dem Inkrafttreten des EEG 2014 künftig noch schwerer zu realisieren sein dürften. Dabei ist es im Grunde ein Vorzeigeprojekt für die deutsche Energiewende, wie es viel häufiger realisiert werden müsste. In Berlin soll ein bestehendes Mehrfamilienhaus mit 64 Wohneinheiten mithilfe einer Kombination aus Photovoltaik, Solarthermie, Strom- und Wärmespeicherung, Wärmepumpen sowie Lüftung mit Wärmerückgewinnung zum „Eigen-Energie-Haus“ werden. Ziel: Senkung der Nebenkosten für Heizung und Warmwasser von 1,05 Euro auf 0,29 Euro.

degewo heuteBerlin / 26. Juni 2014. Am morgigen Freitag soll das EEG 2014 im Deutschen Bundestag final in zweiter und dritter Lesung debattiert und anschließend verabschiedet werden. Für die Debatte ist gerade einmal eine Stunde angesetzt: Gegen 10 Uhr wird die Abstimmung erfolgen und Deutschland einen kräftigen Rückschlag im Kampf um eine sinnvolle Energiewende erleiden. Doch Ober-Bremser Sigmar Gabriel wird es nicht schaffen, zugunsten von RWE, EON und EnBW die Energiewende der Bürger und Vernünftigen zu stoppen. Dafür sind Erneuerbare Energien zu preiswert geworden. Und die intelligente Verzahnung der vorhandenen Technologien führt in immer mehr Anwendungsfällen zu wirklich sinnvollen Lösungen.

Eigen-Energie-Haus entsteht in Berlin Lankwitz

Lösungen wie die, die die degewo aus Berlin im  Stadtteil Lankwitz in der Havensteinstraße 20/22 plant. Dort sollen ab 2016 64 Wohneinheiten erneuert werden, so dass die Nebenkosten für Heizung und Warmwasser von 1,05 Euro auf 0,29 Euro sinken und ein „Eigen-Energie-Haus“ entsteht. Nachteil für die Mieter ist, dass sie in der Umbauphase nicht in der Havensteinstraße leben können – allerdings haben sie ein Recht, in ihre alten Wohnungen, die dann entsprechend energetisch aufgewertet sind, zurückzukehren.

„Wir können die Energiewende nur schaffen, wenn wir den vorhandenen Wohnungsbestand zukunftsfit machen“, begründet degewo-Vorstand Frank Bielka das Vorhaben. Das Vorhaben sei ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, in dem ein bestehendes Mehrfamilienhaus entsprechend umgebaut werde. „Wir setzen innovative Technologien ein, die in Zukunft breite Anwendung im Wohnungsbestand finden könnten“, so Bielka. Das Wohnungsunternehmen investiert rund 4,8 Millionen Euro in den Umbau des Hauses in der Havensteinstraße.

In Kombination kommen dabei neben einer Gebäudedämmung auch Photovoltaik, Solarthermie, Strom- und Wärmespeicherung, Wärmepumpen sowie eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Sie alle sorgen dafür, dass fast alle Energie, die für Wärme und Strom notwendig ist, durch das Haus selbst erzeugt wird. Um sämtlichen Strombedarf selbst zu produzieren, würde sich obendrein die Einbindung von Balkonsolarmodulen anbieten. Bei der Projektentwicklung wird degewo außerdem unterstützt von der erfahrenen Projektmanagementgesellschaft Drees & Sommer.

Wie das degewo Zukunftshaus in Zukunft aussehen könnte, zeigen die drei Bilder:

degewo Vision 1

degewo Vision 2

 

degewo Vision 3

Wissenschaftlich begleitet wird das degewo Zukunftshaus von Prof. Dr.-Ing. Friedrich Sick von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW): „degewo stellt sich der für eine erfolgreiche Energiewende zentralen Aufgabe. Das erarbeitete Konzept erfüllt die Aufgabe vollständig im Hinblick auf die Wärmeversorgung und die Stromversorgung für Haustechnik und Allgemeinstrom und einen Teil des Stromverbrauchs der Mieter. Erzielt wird dies durch maximale Stromerzeugung auf der Gebäudehülle, Stromspeicherung und ein konsequentes Niedertemperaturkonzept, das hohe Nutzungsgrade bei der Solartechnik, ein saisonales Speicherkonzept und beste Arbeitszahlen bei den Wärmepumpen ermöglicht.“

Die Havensteinstraße 20/22 gehört zum degewo-Quartier Lankwitz. Hier bewirtschaftet Berlins führendes Wohnungsunternehmen mehr als 1.500 Wohnungen. Nach dem Brunnenviertel (Mitte/Wedding), der südlichen Gropiusstadt (Neukölln) und Mariengrün (Tempelhof-Schöneberg) wird degewo nun auch in Lankwitz einen Ansatz für eine ganzheitliche Quartiersentwicklung entwerfen. Das Zukunftshaus ist bereits ein erster Schritt.

Ob das EEG 2014 und die Belastung des Eigenverbrauchs mit der anteiligen EEG-Umlage Auswirkungen auf das Projekt der degewo haben wird, ist derzeit unklar. Klar ist: Hier zeigt die degewo ein gutes Stück Zukunft. Erneuerbare Energien werden vorteilhaft eingesetzt – das rechnet sich für Mieter und Vermieter. 

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