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Xu Jiayin strebt globale Marktführerschaft bei Elektroautos an

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Evergrande-Gründer, einer der reichsten Chinesen, baut vertikal integrierte Elektrofahrzeug-Gruppe zusammen.

Die Ziele von Xu Jiayin könnten größer kaum sein: In drei bis fünf Jahren möchte der Milliardär mit seiner Evergrande Gruppe die größte und stärkste Elektrofahrzeug-Gruppe der Welt anführen. Dazu investiert der Immobilienkonzern kräftig: Alleine 23 Milliarden Dollar fließen in drei Werke für Fahrzeug- und Batteriezellen-Produktion. Dazu beteiligt sich Evergrande an Spezialunternehmen für Radnabenmotoren oder Antriebsstränge. Was steckt hinter dem Giganten?

Xu Jiayin gilt als einer der reichsten Chinesen mit exzellenten Kontakten zu den politischen Entscheidungsträgern seines Landes. Sein Vermögen wird auf 23 Milliarden US-Dollar geschätzt. Reich geworden ist der Unternehmer mit Immobilien für mittlere und gehobene Ansprüche. Ein paar der höchsten Wolkenkratzer der Welt gehen auf das Konto der Evergrande Gruppe, die allein in 22 chinesischen Städten aktiv ist.

Mit einem Börsenwert von 42 Milliarden Dollar, 125.000 Mitarbeitern und zuletzt einem Gewinn von mehr als 5,8 Milliarden gehört die Evergrande Gruppe sowohl zu den wertvollsten 100 Unternehmen der Welt als auch zu den Wachstums-Champions. Denn trotz eines stagnierenden Immobilien-Marktes in China gelingt es dem Unternehmen, das erst 2006 gegründet wurde, kontinuierlich neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Dazu zählen etwa Hotels, der Gesundheitssektor und Freizeitparks, die Evergrande in China betreibt. Und: Mit einem eigenen Fußballclub ist Evergrande nicht nur acht Mal in Serie chinesischer Meister geworden, sondern gewann unter italienischen Startrainern wie Marcello Lippi die kontinentale Champions-League.

Derzeit (Stand Ende September 2019) ist Guangzhou Evergrande Taobao wieder mal Tabellenführer und hat in der zurückliegenden Transferperiode unter anderem den brasilianischen Nationalspieler Paulinho für mehr als 30 Millionen Euro verpflichtet. Trainer ist übrigens wieder ein Italiener: Fabio Cannavaro.

Evergrande: Großinvestor von Faraday Future

Aber zurück zur Evergrande Gruppe als möglicherweise künftiger Weltmarktführer für Elektroautos. So richtig Bekanntheit hat das Unternehmen vor 2019 dadurch erlangt, dass es in das Elektroauto-Startup eines anderen chinesischen Milliardärs investiert hat: Faraday Future soll bis heute zwei Milliarden Dollar von einer Evergrande-Tochter erhalten haben.

Aber: Das Ganze ging nicht ohne Rechtsstreit um Patente und Geld. Immer wieder stand Faraday Future in den vergangenen 36 Monaten vor der Pleite, galt ohne das Geld von Evergrande als nicht überlebensfähig. Erst Anfang 2019 konnten die Streitigkeiten beigelegt werden – Evergrande hält nun 32 Prozent der Anteile an Faraday Future und soll die Rechte erhalten haben, Elektroautos unter der Marke Faraday Future in China auf den Markt zu bringen.

Das inzwischen von Carsten Breitfeld geführte Faraday Future will 2020 sein lange erwartetes Modell FF91 auf den Markt bringen, wie die Automobilwoche berichtet.

Neben dem Engagement beim Elektroauto-Startup aus Kalifornien verfolgt Evergande aber eine ganz andere Strategie: Das Unternehmen will durch Übernahmen und Joint Ventures zu einem vertikal integrierten Elektrofahrzeug-Bauer avancieren, der Millionen Elektroautos pro Jahr auf den insbesondere chinesischen Markt bringen wird.

So hat das Unternehmen 23 Milliarden Dollar in eine gigantische Autofabrik investiert, die ein Produktionsvolumen von einer Million Fahrzeugen pro Jahr garantieren soll. Daneben entstehen zwei Batteriewerke mit insgesamt 50 Gigawattstunden pro Jahr, um die eigenen Elektroautos mit eigenen Akkus versorgen zu können. Hierzu entstand auch die Shanghai Cenat New Energy Co. als Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus.

In China verfügt Evergrande bereits über Produktionsstätten in Guangzhou, Shanghai, Tianjin und Shenyang. Dort stellt das Unternehmen alle Modelle seiner Marke Hengchi her, die bereits heute alternativ angetriebene Fahrzeuge anbietet. Mit der Elektroauto-Marke hat Evergrande offenbar auch italienische Pläne: Hengda Hengchi ist gerade zum neuen Autopartner von Inter Mailand geworden – und das lässt sich der Konzern 100 Millionen Euro kosten.

Evergrande investiert in Cleantech-Startup Protean

NEVS Elektroauto Evergrande
NEVS-Elektroauto – Teil der Evergrande Gruppe

Die einstige Automarke Saab, die heute als NEVS ausschließlich Elektrofahrzeuge produziert, gehört ebenso zum Umfeld der Evergrande Gruppe wie – anteilig – die schwedische Sportwagenschmiede Koenigsegg und das niederländische Unternehmen e-Traction. In den letzten Monaten hat sich Evergrande außerdem an Protean Electric beteiligt, einem Cleantech-Startup, das sich auf 360 Grad-Module für sogenannte Urban Mobility Pods spezialisiert hat. Zusammen mit Protean soll unter anderem eine Flotte autonomer Taxis entstehen.

Evergrande Protean Cleantech-Startup
360-Grad-Räder: Evergrande investiert auch in Protean

Eine weitere interessante Konstellation ergibt sich im Joint Venture mit der deutschen Hofer Powertrain GmbH – das Unternehmen ist weltweit führend bei integrierten Kerntechnologien für den (elektrifizierten) Antriebsstrang. Im Joint Venture Evergrande Hofer Powertrain GmbH soll die Technologie, die bereits Mercedes, BMW oder VW bei Hofer einkaufen, weiterentwickelt und für den Einsatz in Evergrande-Elektrofahrzeugen optimiert werden.

Evergrande Partnerschaften
Unterzeichnung mehrerer Partnerschaften in Shenzhen

Ende September 2019 schließlich wurden weitere Partnerschaften bekannt, für die die Partner eigens an den Firmensitz der Evergrande New Energy Automobile Group nach Shenzhen reisten. Dabei wurden Partnerschaften mit der FEV Group, der EDAG, der IVA Group, AVL und Magna bekannt. Das zeigt, in welcher Liga das chinesische Unternehmen längst mitspielt und wie konsequent es Know-How beschafft, um zum integrierten Elektroauto-Konzern zu werden.

Fünf Millionen Elektrofahrzeuge in wenigen Jahren

Nicht weniger als fünf Millionen Elektrofahrzeuge will Evergrande in den kommenden Jahren auf die (chinesischen) Straßen bringen. Es sind höchst ambitionierte Pläne eines Giganten, der in anderen Industrie- und Geschäftsbereichen seine konsequente Ausrichtung auf Wachstum unter Beweis gestellt hat. Ob und wie schnell die chinesischen Fahrzeuge auch in den USA und Europa auf den Markt kommen werden, ist indes nicht klar. Mit dem Heimatmarkt hat der künftige Weltmarktführer sicherlich erst einmal genug zu tun.

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