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Gabriele Riedmann de Trinidad: „Smart Metering ist so sicher wie Online-Banking“

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Cleantech und Smart Metering News / Bonn. Wie sicher ist Smart Metering? Diese Frage beschäftigt Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen. Gabriele Riedmann de Trinidad leitet das Konzerngeschäftsfeld Energie bei der Deutschen Telekom und ist sicher, dass Smart Metering so sicher wie Online-Banking ist. Wenngleich dieser Vergleich nicht jeden überzeugen dürfte, begründet die Telekom-Managern Ihre Ansicht im Interview durchaus überzeugend.

Frau Riedmann de Trinidad, viele Verbraucher befürchten, dass sie mit Smart Metering zum gläsernen Energiekunden werden – sind die Sorgen berechtigt?

Gabriele Riedmann de Trinidad
Gabriele Riedmann de Trinidad

Gabriele Riedmann de Trinidad: Datenschutz ist in Deutschland ein hohes Gut, das in einem eigenen Gesetz des Bundes seinen Niederschlag gefunden hat. Darüber hinaus ist Datenschutz explizit im Energiewirtschaftsgesetz berücksichtigt. Dieses regelt den Umgang mit personenbezogenen Daten durch Energieunternehmen. Und auch das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik hat gerade strenge Anforderungen an die Messsysteme für elektronische Zähler finalisiert. Die Vorgaben und Richtlinien zum Datenschutz und auch zur Datensicherheit beim Smart Metering sind mittlerweile so gereift, dass ich die Sorgen für unbegründet halte.

Warum hört man dann immer wieder von Fällen, bei denen Dritte Smart-Meter-Daten auslesen konnten?

Gabriele Riedmann de Trinidad: Weil in der Vergangenheit unseriöse Anbieter geltende Vorschriften und Gesetze nicht beachtet haben. Dabei drohen empfindliche Strafen: Missbraucht ein Energieunternehmen Daten, kann es mit einer Pönale von bis zu 300.000 Euro belegt werden. Grundsätzlich gilt: Smart-Meter-Daten sind personenbezogene Verbrauchsdaten, die unter das Bundesdatenschutzgesetz fallen und damit hochsensibel sind. Sie sind vor unberechtigtem Zugriff zu schützen und es gilt, bestimmte Regeln und Vorschriften zu beachten, wie zum Beispiel das Prinzip der Datensparsamkeit: Um eine monatliche Rechnung zu erstellen, reicht es aus, einen Verbrauchswert pro Monat zu erheben.

Bei der Telekom haben wir zusätzlich ein Datenschutzkonzept entwickelt. das detailliert beschreibt, wie wir mit den Daten der Kunden verfahren. So ist dort festgelegt, wie lange Daten abgespeichert und wie diese durch elektronische, organisatorische und bauliche Maßnahmen geschützt werden. Außerdem übermitteln wir die Werte nicht mit Personendaten, sondern mit der Zählerkennung. Unabhängige Datenschutzexperten stellen dieses Konzept jährlich erneut auf den Prüfstand.

Können bei der Datenverarbeitung nicht auch Fehler passieren?

Gabriele Riedmann de Trinidad: Natürlich ist Sicherheit ein komplexes Thema, bei dem man nicht nur die einzelne Lösung betrachten muss, sondern den gesamten Prozess von der Installation der notwendigen Geräte, der Datenerhebung im Smart Meter bis hin zur Datenverarbeitung im Rechenzentrum. Und da gibt es noch Lücken. Ein Beispiel: Zurzeit gibt es immer noch Versorger, die Kundendaten per Mail oder Fax versenden, obwohl solche Prozesse nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur seit dem 1. Oktober 2011 komplett IT-gestützt laufen müssten. Erste Versorger mussten Strafzahlungen in Millionenhöhe leisten – diese Lücke wird hoffentlich bald geschlossen sein.

Wie groß ist die Gefahr, Daten auf dem Weg vom Smart Meter zum Messstellenbetreiber zu manipulieren?

Gabriele Riedmann de Trinidad: Ich halte das für nahezu ausgeschlossen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat mit dem Schutzprofil für Smart Meter Mindestvorgaben für die Datensicherheit definiert, an die sich jeder Hersteller zu halten hat. Danach müssen die Geräte etwa so geschützt sein, dass Angreifer von außen nicht auf relevante Bauteile oder Speicherinhalte zugreifen können. Außerdem müssen die Daten verschlüsselt und signiert übertragen werden.

Sicheres Smart Metering ist also möglich?

Gabriele Riedmann de Trinidad: Aber natürlich. Die Deutsche Telekom kann Smart-Metering-Lösungen etwa mit ihrem eigenen Smart-Card-Betriebssystem vor unberechtigten Zugriffen schützen – bei uns heißt das TCOS und steht für TeleSec Chipcard Operating System. Es ist ein absolut bewährtes und hochsicheres System, das bereits erfolgreich bei über 100 Millionen amtlichen Ausweisen wie dem elektronischen Reisepass oder dem neuen elektronischen Personalausweis zum Einsatz kommt. Das System wird aber auch bei anderen sicherheitsrelevanten Lösungen verwendet, wie bei Terminals des öffentlichen Nahverkehrs oder bei der Lkw-Maut. Die Software schützt und verwaltet die Daten so, dass sie nur von berechtigten Stellen ausgelesen werden können. Auf einen Punkt gebracht: Smart Metering ist so sicher wie Onlinebanking.

Können auch andere Anbieter von Ihrem Know-how im Bereich Sicherheit profitieren?

Gabriele Riedmann de Trinidad: Ja, wir wollen unsere Sicherheits-Produktportfolios dem Energiemarkt zugänglich machen. Da das TCOS-Smart-Card-Betriebssystem eine etablierte Lösung darstellt, können wir hier Hersteller von Smart-Meter-Gateways entsprechend unterstützen. Darüber hinaus besitzt die Telekom eines der führenden Trustcenter Europas, über das wir sämtliche Dienstleistungen abbilden können, die mit dem Erstellen von digitalen Zertifikaten zusammenhängen. Zusätzlich bieten wir viele weitere Sicherheitsleistungen an: von Beratungs-, Zertifizierungs- und Evaluierungsleistungen bis hin zu Zugangsschutzsystemen. Aber natürlich verkaufen wir auch die Komplett-Lösung.

Wir danken Ihnen sehr für das Gespräch.

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