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Global Alliance Power Fuels: dena plant Bündnis für synthetische Kraftstoffe

Synthetische Kraft- und Brennstoffe bieten große Chance, vorhandene Infrastruktur weiter zu nutzen - aber klimaneutral / Global Alliance Power Fuels soll Mitte September starten

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Es gibt Technologien, die sind Cleantech pur und erschließen sich einem sofort, wenn man darüber nachdenkt. Sogenannte e-Fuels oder Power Fuels, wie sie die dena nennt, gehören dazu. Denn diese künstlichen Nachbauten fossiler Kraft- und Brennstoffe machen es möglich, große Teile der vorhandenen Infrastruktur weiter zu nutzen und beispielsweise Flugzeuge oder den Langstrecken-Transportverkehr entscheidend sauberer zu machen. Doch bislang fehlen entscheidende Rahmenbedingungen. Dafür will sich die dena nun mit ihrer Global Alliance Power Fuels stark machen.

Folgt man der dena-Leitstudie zum Thema Integrierte Energiewende ist schnell klar: Power Fuels sind ein zentrales Instrument, um die Klimaziele 2050 zu erreichen. Neben Energieeffizienz und Strom aus Erneuerbaren Energien könnten die strombasierten Kraft- und Brennstoffe zur dritten, extrem wichtigen Säule der Energiewende werden. Die neue Allianz namens Global Alliance Power Fuels soll Know-how bündeln und weiterentwickeln, um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen.

Herzstück des Aufbaus von Kapazitäten für Power Fuels ist der Einsatz von Elektrolyse-Technologien zur Spaltung von Wasser oder Wasserdampf in Wasserstoff und Sauerstoff. Kommt bei diesem energieintensiven Prozess regenerative, elektrische Energie zum Einsatz, spricht man auch von grünem Wasserstoff oder e-Hydrogen. Dieser Wasserstoff hat nahezu identische Eigenschaften wie der Wasserstoff, der beispielsweise als Abfallprodukt in chemischen Industrieprozessen entsteht.

Und: Grüner Wasserstoff kann bereits vielfältig genutzt werden, um Industrieprozesse etwa in der Stahlindustrie sauberer zu machen. Erneuerbare Energien also genau dorthin zu bringen, wo sie sinnvoll verwendbar sind. Diese Sektorenkopplung ist besonders nützlich, wenn es beispielsweise darum geht, das Abschalten von Windkraftanlagen wegen verstopfter Netze zu verhindern. Moderne Elektrolyseure können flexibel an- und ausgeschaltet werden und somit auch netzdienlich agieren, falls notwendig.

Neben der Nutzung von grünem Wasserstoff – beispielsweise auch denkbar in Kraftstoff-Raffinerien – kann der Wasserstoff zu anderen flüssigen oder gasförmigen Kraft- und Brennstoffen weiterverarbeitet werden. Power Fuels können zum Beispiel im Luft-, Fracht- und Schiffsverkehr oder in der chemischen Industrie zur Einsparung von Treibhausgasen beitragen, also in Anwendungsbereichen, die sich durch eine direkte Nutzung erneuerbaren Stroms nicht oder nur schwer von Emissionen befreien lassen.

Power Fuels und Elektromobilität

Power Fuels bieten große Potenziale für den Klimaschutz. Sie sind Teil der Lösung, um insbesondere den Mobilitätssektor, aber auch den Heizungsbereich sauberer und klimafreundlicher zu bekommen. Es geht um die Lösung von fossilen Energieträgern. Sie bieten reichlich Vorteile, auch deshalb, weil die Einführung Schritt für Schritt in Etappen erfolgen kann. Aber: Power Fuels sollen nicht die Bereiche ersetzen, die leicht elektrifiziert werden können. Der innerstädtische Transportverkehr etwa ist prädestiniert für Elektromobilität. Es geht also darum, das intelligente Zusammenspiel dieser Technologien zu organisieren.

Letztlich verbirgt sich dahinter auch vor allem eine wirtschaftliche Fragestellung, die die dena-Leitstudie erläutert. Demnach sind strombasierte Anwendungen etwa im Verkehrs- und Gebäudesektor nicht immer die beste Lösung. Die Studie kommt zum Resultat, dass ein breiter Mix aus Technologien und Energieträgern bis 2050 um bis zu 600 Milliarden Euro kostengünstiger wäre als eine Fixierung auf strombasierte Anwendungen. Bislang ist die deutsche Politik relativ einseitig in Richtung Elektromobilität einerseits und beispielsweise auf Wärmepumpen als strombasierte Heizungen ausgerichtet.

Um die Entwicklung des Marktes anzustoßen, sollte Deutschland bis 2030 Kapazitäten für die Herstellung von erneuerbarem Wasserstoff von 15 Gigawatt aufbauen, fordert die dena. Aus Sicht von dena-Chef Andreas Kuhlmann würden die Potenziale in Deutschland und der EU derzeit noch unterschätzt. Perspektivisch könnten die Kraftstoffe dann auch in Nordafrika beispielsweise produziert und nach Europa transportiert werden. Diese Idee erinnert an das weitgehend gescheiterte DESERTEC-Projekt, allerdings wäre der Transport flüssiger Energieträger wesentlich leichter zu organisieren als Stromleitungen, die zudem mit hohen Leitungsverlusten verbunden sind.

Global Alliance Power Fuels startet im September

Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft sollen und können sich an der Global Alliance Power Fuels beteiligen (per E-Mail an powerfuels@dena.de). Die Auftaktveranstaltung der Global Alliance Power Fuels soll Mitte September 2018 in Berlin stattfinden.

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