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Google, Apple oder Deutsche Bank unterstützen EU bei Verschärfung der Klimaziele

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Ursula von der Leyen will morgen die Verschärfung des Klimaziels 2030 auf 55 Prozent bekanntgeben. Rückendeckung von Microsoft, Michelin und Co.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird morgen ambitioniertere Klimaschutzziele und die Beschleunigung des Ausbaus Erneuerbaren Energien bekanntgeben. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen nicht, wie bislang vorgesehen, um 55 Prozent (bisher 40 Prozent) reduziert werden. Das soll u.a. durch verschäfte Ziele im Verkehrssektor, aber auch durch Einbeziehung etwa des Gebäudesektors in den Emissionshandel gelingen. Hochkarätige Wirtschaftsführer unterstützen die Pläne in einem offenen Brief.

„Eine Emissionsreduktion von 55 Prozent bis 2030 im Vergleich zu den Werten von 1990 ist sowohl wirtschaftlich machbar als auch vorteilhaft für Europa, wenn die richtigen politischen Maßnahmen ergriffen werden“, argumentiert die EU-Kommission in einem geleakten Dokument, das im Laufe der Woche zusammen mit den Klimavorschlägen vorgestellt werden soll.

Die Anpassung der Klimaziele 2030 ist deshalb so bedeutsam, weil es nur damit realistisch möglich wird, das Ziel des European Green Deal, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen, erreichbar wird. Für die Erreichung wird es notwendig sein, den Anteil Erneuerbarer Energien auf bis zu 40 Prozent bis 2030 auszubauen. Das bisherige Ausbauziel liegt bei 32 Prozent. Umgekehrt soll die Kohleverstromung um 70 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015 verringert werden. Öl- und Gasverbrauch sollen um mehr als 30 bzw. 25 Prozent verringert werden.

Alleine für den Umbau des Energiesektors sollen 350 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben werden. „Die Beschleunigung dieses Wandels wird helfen, die gesamte Wirtschaft zu modernisieren“, so ein weiteres Zitat aus dem geleakten Dokument.

Mit ihrem verschärften Kurs macht die EU einen wertvollen Schritt in Richtung Klimaneutralität. Allerdings fordern viele Parlamentarier eine Verschärfung des Klimaziels auf 65 Prozent, denn nur dadurch dürfte das Pariser Klimaabkommen erfüllbar sein.

157 Konzerne unterstützen EU-Ambitionen

In der Zwischenzeit haben sich 157 multinationale Unternehmen, darunter Google, Apple, Deutsche Bank, Aldi Süd, RWE Group, Siemens Gamesa, Michelin, Neste, South Pole oder Orsted.

„Wir sind uns der Risiken bewusst, die der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt für unsere Unternehmen mit sich bringen, und sind die bereits daran arbeiten, Veränderungen in wichtigen Wirtschaftssektoren zu bewirken. Investoren, Banken und Versicherer sind daran arbeiten, Portfolios auf Netto-Null-Emissionen umzustellen. Mehr als 900 Unternehmen ergreifen wissenschaftsbasierte Klimaschutzmaßnahmen, und mehr als 400 haben wissenschaftsbasierte Ziele genehmigt. Wir investieren stark in den Bereichen saubere Energie, Energieeffizienz und Elektrifizierung, wobei die Emissionen über die Wertschöpfungsketten hinweg gesenkt werden und den Lebenszyklus unserer Produkte sowie die Entwicklung besserer Praktiken in der Bioökonomie.“

Auszug aus dem offenen Brief der Wirtschaftsunternehmen

Mit dem offenen Brief und dem Bekenntnis von Apple, Google, Microsoft und Co. für die Klimaziele zeigt sich: Es ist seit dem vergangenen Jahr etwas Gewaltiges in Bewegung geraten, das zum Ziel hat, die Erderwärmung doch noch auf ein erträgliches Maß zu begrenzen, möglichst unter zwei Grad Celsius. Auf der ganzen Welt arbeiten Cleantech-Unternehmen mittlerweile an Lösungen, die dafür notwendig sind, während Politiker zunehmend die Rahmenbedingungen verbessern – und die Finanzierung sicherstellen.

Mit den jetzigen Ambitionen und Maßnahmen können wiederum weitere Effekte ausgelöst werden, die die Emissionen schneller reduzieren. Beispielsweise werden die CO2-Preise im europäischen Emissionshandel steigen, wenn etwa der Gebäude- und der Verkehrssektor integriert werden. Genau das ist eine der Maßnahmen, die von der Leyen vorstellen wird.

Steigende CO2-Preise

„Wenn die CO2-Preise weiter steigen, sorgt der Markt von allein für den Kohleausstieg bis 2030 oder 2032, nicht erst 2038“, sagt Forscher Patrick Graichen von Agora Energiewende in einem aktuellen FAZ-Interview – so wie die Auswirkungen den Turnaround in Deutschland beschleunigen, wird es auch in anderen Ländern passieren – übernehmen also die Marktkräfte einen Teil des Wandels, werden Staaten entlastet. Das erleichtert und beschleunigt automatisch.

Auch Deutschland muss nachbessern – EEG-Entwurf reicht nicht

Deutschland muss infolge der europäischen Entscheidungen, insbesondere in der Rolle der Ratspräsidentschaft, die eigenen Ziele ebenfalls verschärfen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat mit seiner „Charta Klimaneutralität und Wirtschaftlichkeit“ mehr oder weniger eigenes Versagen eingeräumt, dass er immerhin bis zur Bundestagswahl 2021 zumindest durch Worte ein Stück weit ausräumen will.

Viel wichtiger sind aber Taten, und da hakt es, wie Graichen in der FAZ eindeutig kommuniziert. Der Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für 2021 genügt bei weitem nicht, um den wachsenden Strombedarf des Landes abzudecken. Weithin bekannt ist, dass Deutschland auf eine Stromlücke zuläuft, wenn der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht endlich wieder Fahrt aufnimmt.

Die Solarbranche erlebt zwar gerade eine Renaissance, was mit Post-EEG-Anlagen passiert, steht aber in den Sternen. Hierzu sind die Vorschläge im EEG vollkommen unzureichend. Onshore-Windenergie ist derzeit kaum möglich. Das Offshore-Windgesetz wird gerade zu einem bürokratischen Monstrum ausgebaut, das eher bremsen als beschleunigen wird. So wird nicht einmal der vom Wirtschaftsministerium klein gerechnete Strombedarf gedeckt werden können.

Doch Agora-Geschäftsführer Graichen warnt auf Basis einer aktuellen, noch unveröffentlichten Studie, dass der Strombedarf um 60 Prozent steigen wird, weil mehr elektrische Energie für Wasserstoff und Elektroautos gebraucht wird. Deutschland brauche einen viel schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien, als es Altmaier plane, sagte der Direktor und Geschäftsführer der Denkfabrik Agora Energiewende

„Um alle Sektoren bis spätestens 2050 wie gewünscht klimaneutral zu machen, wären gut 900 Terawattstunden nötig“, sagte Graichen. „Das bedeutet fast 60 Prozent mehr Stromverbrauch als heute.“ Altmaier hingegen, rechne den Bedarf klein. „Realistisch betrachtet, müssen jedes Jahr doppelt so viele Wind- und Solaranlagen gebaut werden, wie es die Bundesregierung plant“, so Graichen.

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