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Green Industrial Revolution: Boris Johnson will Offshore-Wind und Kernenergie

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Premierminister hat Teile eines 10-Punkte-Plans für die Green Industrial Revolution vorgestellt – FT berichtet über Bau kleiner Kernreaktoren

Die britische Regierung von Premierminister Boris Johnson will bis Ende des Jahres 2020 eine Green Industrial Revolution anstoßen, um die Wirtschaft nach der Corona-Pandemie zu stärken. Ein Ziel des Zehn-Punkte-Planes: Alle Haushalte sollen innerhalb von zehn Jahren allein mit Windstrom vom Meer versorgt werden. Doch neben der Vorreiterrolle bei der Offshore-Windenergie setzt Johnson für seine grüne, industrielle Revolution offenbar auch auf kleine Kernreaktoren, um Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen.

Unter dem Motto „Build Back Greener“ will Boris Johnson mit der Green Industrial Revolution Großbritanniens Rolle als Marktführer bei Offshore-Windenergie ausbauen, damit nicht nur die Treibhausgas-Emissionen reduzieren, sondern auch Arbeitsplätze schaffen und insbesondere die Exporte der britischen Wirtschaft ankurbeln.

Da auch die Europäische Union mit dem European Green Deal und dem EU-Klimagesetz ihre Klimaziele ausweitet, bahnt sich in den kommenden Monaten bis zum Klimagipfel in Glasgow Ende 2021 ein Wettrennen um die Marktposition bei sauberen Technologien (Cleantech) an.

Sollte Joe Biden die US-Präsidentschaftswahl im November gewinnen, werden auch die USA mit einem Zwei-Billionen-Plan für Clean Energy in dieses Rennen einsteigen. Selbst China hat zuletzt angekündigt, bis 2060 klimaneutral werden zu wollen – u.a. auch mit Elektroautos, die zunehmend auch nach Europa und die USA exportiert werden.

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Um Großbritannien zum „Saudi-Arabien der Windkraft“ zu machen, will Johnson ca. 175 Millionen Euro investieren, um Häfen und Fabriken so zu stärken, dass sie ausreichend Windturbinen bauen können. Das Ziel für den Ausbau der Offshore-Windenergie will die britische Regierung von 30 auf 40 Gigawatt anheben – bis 2030, also innerhalb von zehn Jahren. So sollen mehrere Tausend Jobs geschaffen werden, insbesondere in Schottland und Wales (Teesside and Humber).

Sie haben richtig gehört. ihr Wasserkocher, ihre Waschmaschine, ihr Herd, ihre Heizung, ihr Plug-in-Elektrofahrzeug – sie alle werden ihren Saft sauber und ohne Schuldgefühle von der Brise bekommen, die auf diesen Inseln weht.

Premierminister Boris Johnson zu seinem zentralen Versprechen (Quelle)

Zum Vergleich: Deutschland möchte von heute sieben Gigawatt auf 20 Gigawatt in 2030 ausbauen und dafür die Künstenregionen an Nord- und Ostsee nutzen.

Neben dem Ziel für klassische Offshore-Windenergie setzt Großbritannien insbesondere für den Export auf die Weltmärkte auch auf schwimmende Offshore-Windkraftanlagen. In diesem Segment soll immerhin eine Leistung von einem Gigawatt bis 2030 erreicht werden – das ist das fünfzehnfache der heute installierten Leistung im Bereich „Floating Offshore Wind“.

Vorteil der Windkraftanlagen ohne im Boden verankerte Fundamente: Sie können weiter draußen auf See installiert werden. Für viele Staaten ergibt sich so ein deutlich größeres Potenzial der Offshore-Windenergie. Außerdem sind die Windverhältnisse dort vorteilhaft – wenngleich natürlich längere Kabel mehr Aufwand beim Anschluss an die Stromnetze bedeutet.

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Während Boris Johnson seinen Zehn-Punkte-Plan für die Green Industrial Revolution erst in einigen Wochen vorstellen will, erntet er für die Unterstützung der Erneuerbaren Energien viel Lob aus der Energiewirtschaft. So beispielsweise auch von RWE UK:

Dieser wichtige Schritt zementiert Großbritannien weiter als einen der attraktivsten Märkte für Investitionen in die Offshore-Windenergie. Wir werden mit der Regierung und der Energieindustrie im weiteren Sinne zusammenarbeiten, um diese Ambitionen zu verwirklichen und Tausende von Arbeitsplätzen und Milliarden von Pfund an Investitionen zu schaffen.
Wir freuen uns auf den Zehn-Punkte-Plan des Premierministers für eine grüne industrielle Revolution, von dem wir hoffen, dass er Maßnahmen zur Überwindung einiger der Beschränkungen für eine noch schnellere Einführung erneuerbarer Energien enthält, wie z.B. die bedeutenden und koordinierten Investitionen in unsere Netzinfrastruktur.

Tom Glover, Chief Commercial Officer von RWE Renewables

Einen Haken hat Johnsons Offshore-Offensive allerdings: Bislang erhalten vorwiegend Unternehmen aus dem Ausland Zuschläge für den Bau entsprechender Windparks auf See an der britischen Küste. Allein im vergangenen Monat September, gewann ein Unternehmen aus den USA eine Ausschreibung füt 114 Windturbinen vor der schottischen Küste.

Das Unternehmen plant, wie The Guardian berichtet, die Turbinen in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu produzieren und dann nach Großbritannien zu bringen. Für die Schaffung nachhaltiger Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich bleibt da kaum Spielraum. Die Green Industrial Revolution braucht aber genau diese Arbeitsplätze.

Green Industrial Revolution mit Kernenergie?

Trotz des starken Ausbaus der Offshore-Windenergie soll aber auch die Kernenergie eine Rolle bei der künftigen Energieversorgung des Landes spielen. Und das, obwohl alleine das mehr als 22 Milliarden teure Kernkraftwerk Hinkley Point C Beihilfen über mehrere Jahrzehnte von mehr als 100 Milliarden Euro bekommen soll. Das hat Greenpeace Energy errechnetder Europäische Gerichtshof hat die Beihilfen für rechtmäßig erklärt.

Small Modular Reactor - SMR-Kernenergie-Reaktor futuristisch
So soll der Kernreaktor des Konsortiums aussehen, das von Rolls-Royce angeführt wird.

Boris Johnson will nach Recherchen der Financial Times auch kleine Kernreaktoren bauen lassen, die zur Energieversorgung beitragen sollen. Die Zeitung berichtet, dass Pläne für sogenannte Small Modular Reactors (SMR, modulare Mini-Reaktoren) mit zwei Milliarden Euro gefördert werden könnten. Ein entsprechendes Industriekonsortium, das solche Reaktoren realisieren will, wird von Rolls-Royce, Laining O-Rourke und Atkins angeführt.

Den Plänen des Kernenergie-Konsortiums zufolge sollen 16 solcher SMR bis 2050 entstehen. Dafür sind mindestens viele weitere Milliarden Pfund von Privatinvestoren nötig. Der erste SMR soll nach dem Willen des Industriekonsortiums bis 2029 ans Netz gehen und 2,4 Milliarden Euro kosten – weitere Reaktoren sollen dann für 1,95 Milliarden Euro zu haben sein.

Eine Beschreibung des technischen Konzepts des SMR gibt es hier. Bei der Entwicklung wird offenbar vor allem darauf geachtet, dass die Bauzeit vor Ort am Aufstellort möglich gering sein soll. Außerdem sollen Kostenvorteile über das modulare Konzept geltend gemacht werden.

Jeder SMR soll für eine Laufzeit von 60 Jahren gebaut werden – und 440 Megawatt Elektrizität pro Jahr liefern. Es wird erwartet, dass das Konsortium das SMR-Konzept bis April nächsten Jahres veröffentlichen wird. Danach soll ein ca. vierjähriger Genehmigungsprozess starten.

Johnsons Zehn-Punkte Plan

Neben der Offshore-Windenergie und der Kernenergie will Boris Johnson in seinem Zehn-Punkte-Plan für die Green Industrial Revolution auch Wasserstoff-Technologien für den Mobilitätssektor und Kohlendioxid-Speicherung als weitere Themen aufgreifen.

Die ersten Details zum Zehn-Punkte-Plan von Boris Johnson für die Green Industrial Revolution lassen erahnen, wie sich der Regierungschef die künftige Energieversorgung seines Landes vorstellt. Angesichts der offiziellen Einschätzung zu Kernenergie wäre es keine Überraschung, wenn das Konzept von Rolls-Royce in diesem Plan eine Rolle spielen würde: „Die Kernenergie wird beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft eine Schlüsselrolle im künftigen Energiemix Großbritanniens spielen, auch durch unsere Investitionen in kleine und fortschrittliche modulare Reaktoren.“

Andererseits wird noch viel passieren, bis überhaupt der erste dieser Reaktoren vielleicht Ende des Jahrzehnts am Netz ist. Geht die Entwicklung der erneuerbaren Energien so weiter wie momentan, und gelingt zB über den Umbau von Mobilität und Landwirtschaft auch eine Effizienz-Revolution, wird diese Art der Kernenergie möglicherweise in Großbritannien nicht mehr gebraucht.

Ob aus der Green Industrial Revolution von Boris Johnson tatsächlich eine nachhaltige Zukunftsstrategie wird, die sowohl die Wirtschaft stärkt als auch den Umbau des eigenen Landes hin zu sauberen Technologien vorantreibt, werden die kommenden Jahre zeigen.

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