Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Greenpeace: Kein Engpass im Stromnetz durch Stillegen der ältesten deutschen AKW

1 27

Greenpeace LogoDie Nachricht des Wochenendes kommt aus einem Vorab-Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Demzufolge „drohen“ die vier großen Energiekonzerne Vattenfall, E.ON, EnBW und RWE mit dem sofortigen Abschalten von Atomkraftwerken. Wenn die Brennelementesteuer in Höhe von 2,3 Mrd. Euro pro Jahr komme, dann lohne sich der Betrieb bestimmter Anlagen nicht mehr, so das Argument der Betreiber von Atomkraftwerken.Gleichzeitig soll es ein Angebot der vier AKW-Betreiber gegeben haben, 20 bis 30 Milliarden Euro zu zahlen, wenn die Bundesregierung die AKW-Laufzeiten um zwölf Jahre verlängern und gleichzeitig auf die Brennelementesteuer verzichten würde. Während die Bundesregierung die Drohnung für „Säbelrasseln“ hält, ist der Jubelschrei der Umweltschutzorganisation Greenpeace bereits am heutigen Sonntag laut zu vernehmen…

„Das ist keine Drohung, sondern eine gute Nachricht“, erklärte Tobias Münchmeyer, Greenpeace-Atomexperte in einer Stellungnahme. „Mit ihrer Ankündigung haben die Stromversorger zugegeben, dass die maroden deutschen Atomkraftwerke zur Deckung der Stromversorgung nicht benötigt werden.“

Daher fordert Greenpeace die Stromkonzerne nun auf, die sieben ältesten AKW Biblis A und Biblis B, Brunsbüttel, Neckarwestheim 1, Isar 1, Philippsburg 1 und Unterweser sowie den aufgrund zahlreicher Störfälle in die Schlagzeilen geratenen Reaktor Krümmel sofort und alle weiteren Atomkraftwerke bis 2015 stillzulegen. Die acht genannten Reaktoren tragen nach Berechnungen von Greenpeace lediglich noch zu 5,4 Prozent zur deutschen Stromversorgung bei. Außerdem werde knapp die Hälfte des Strom sowieso exportiert, hieß es.

Münchmeyer: „Wer Deutschland zukunftsfähig machen will, muss konsequent auf Erneuerbare Energien setzen. Eine Laufzeitverlängerung für Atommeiler würde den notwendigen Ausbau der Erneuerbaren blockieren. Das wäre Gift für diesen boomenden Wirtschaftszweig. Wenn die Bundesregierung jedoch weiter auf Atomkraft setzt, schadet sie damit Deutschland.“

Bei den Berechnungen beruft sich Greenpeace auf das Energie-Szenario „Plan B 2050“ des Aachener EUtech-Instituts.

Es ist schon verwunderlich, dass eine Brennelementesteuer von lediglich 2,3 Milliarden Euro pro Jahr, solch heftige Debatten und Reaktionen in der Atomwirtschaft auslöst.Denn das ZDF-Magazin Frontal 21 hatte erst kürzlich im Film „Der große Bluff“ aufgezeigt, dass einerseits die Verlängerung der Laufzeiten nach Experteneinschätzungen in die falsche Richtung laufen. Und, dass andererseits die Betreiber der Atomkraftwerke mit horrenden Gewinnen planen können, sollten die Laufzeiten tatsächlich verlängert werden.

Gleichzeitig ist bekannt, dass allein der Bund direkt oder indirekt mehr als 40 Milliarden Euro in die Förderung der Atomenergie steckte. Solche Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung veröffentlichte das ZDF 2008.

Angesichts dieser Fakten ist es frustrierend, wenn die Stromkonzerne nun nach Medienangaben eine groß angelegte Medienkampagne planen, in der sich Wirtschaftsvertreter für den Erhalt der Kernenergie einsetzen. Die Opposition in Berlin spricht von „schmutzigen Geschäften“, wirft „Käuflichkeit“ vor und droht der Regierung ihrerseits mit einem „heißen Herbst“.

Àus der Sicht sauberer Energieerzeugung geht die Debatte um das künftige Energiekonzept der Bundesregierung in eine groteske und falsche Richtung. Das Energiekonzept will die Bundesregierung im September vorlegen. Bis dahin dürften die „Verhandlungen“ mit den großen Energieversorgern andauern. Es bleibt die Hoffnung, dass das Energiekonzept wirklich ein in die Zukunft gerichtetes Konzept sein wird. Angesichts der aktuellen Ereignisse fehlt allerdings der Glaube.

Das könnte dir auch gefallen
1 Kommentar
  1. Garret Bahl sagt

    Im Fernseher sah ich heute, dass es eine „kontrollierte Explosion“ gab. „11 Arbeiter wurden verletzt“ – hmm, da frage ich mich, wie das eine „kontrollierte Explosion“ gewesen sein konnte. Ich hoffe das wir aus dieser Katastrophe etwas lernen und das dies das Ende der Kernenergie ist. Der Glaube an die Beherrschbarkeit einer Kernschmelzung ist entsetzt. Wir sehen im Fernseher, wie ein Block nach dem anderen unkontrollierbar wird. Aber zum Glück sind ja unsere Kraftwerke sicher, wenn es kein Menschliches Versagen gibt – wenn es kein Tsunami oder Hochwasser gibt und wenn es kein größeres Erdbeben gibt.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More