Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

H2-Industries und PortLiner bauen Binnenschiffe mit LOHC-Speicher

LOHC steht für Liquid Organic Hydrogen Carrier und ist eine ölhaltige Flüssigkeit zur flüssigen Speicherung von Wasserstoff / Vollelektrische Binnenschiffe von PortLiner aus den Niederlanden

0 631

Liquid Organic Hydrogen Carrier oder kurz: LOHC ist eine Abkürzung, die man sich in Zukunft merken muss. Denn diese steht dafür, Energie in großen Mengen flüssig speicherbar zu machen. Während ein Team von LOHC-Wissenschaftlern um den Erlanger Prof. Arlt gerade für den Deutschen Zukunftspreis 2018 nominiert wurde, geht das Münchner Unternehmen H2-Industries gemeinsam mit PortLiner bereits einen Schritt weiter: Die Partner wollen Dieselmotoren in der Binnenschifffahrt überflüssig machen.

Für die „emissionsfreie Binnenschifffahrt“ der Zukunft setzen PortLiner und H2-Industries auf vollelektrische Binnenschiffe auf Basis der als LOHC-Stromspeichertechnik bezeichneten Lösung. Damit soll der Fachtverkehr auf Flüssen und Kanälen künftig nachhaltiger erfolgen. Das niederländische Cleantech-Unternehmen PortLiner, als Binnenschifffahrtsunternehmen 2017 gegründet, ist exklusiver Partner von H2-Industries für Binnenschiffe in Europa.

„Die Zusammenarbeit unserer Unternehmen wird zu einer völlig neuen, vollelektrischen Antriebstechnik für alle Arten von Schiffen führen und nicht nur die Binnenschifffahrt revolutionieren“, sagt Ton van Meegen, CEO von PortLiner.

Bei LOHC unterscheidet man zwischen LOHC+ und LOHC- – ersteres meint die Flüssigkeit, die einem Öl ähnelt, und mit Wasserstoff beladen wurde. LOHC- ist demzufolge die Flüssigkeit, die kein Wasserstoff mehr enthält. Setzt sich die Technologie durch, entsteht eine Art Kreislaufsystem – die entladene Flüssigkeit kann mehrmals wieder neu beladen werden. In der Binnenschifffahrt bedeutet dies, dass elektrische Schiffe möglich werden, weil in LOHC viel mehr Energie gespeichert werden kann als in herkömmlichen Batterien, deren Gewicht ein Problem darstellt. Ein LOHC-Speicher in Container-Größe von 4 x 20 Fuß kann rund zwanzigmal mehr Strom speichern als eine Batterie gleichen Volumens.

Im ölartigen LOHC wird Wasserstoff chemisch gespeichert und kann anschließend genau wie Diesel gelagert und transportiert werden. LOHC ist effizient, schwer entflammbar und nicht explosiv, auch wenn es mit Wasserstoff beladen ist. Die LOHC-Technologie von H2-Industries ermöglicht an Bord den sicheren und effizienten Betrieb der integrierten Brennstoffzellen. Sie wandeln den Wasserstoff, der aus dem LOHC gelöst wird, in Strom um. Es werden keine CO2- und NOX-Emissionen und kein Feinstaub abgegeben.

H2-Industries von Michael Stusch 2010 gegründet

Für den Betrieb der ersten E-Lastschiffe auf LOHC-Basis ist der Bau einer LOHC-Tankinfrastruktur geplant. Dafür kann herkömmliche Tankstellentechnik verwendet werden, da die LOHC-Technologie damit kompatibel ist. Um den Betrieb des E-Lastschiffes wirklich nachhaltig zu gestalten, wird der Wasserstoff für die Beladung des LOHC ausschließlich mit Hilfe von erneuerbaren Energien produziert.

Der Markt für die Elektrifizierung der europäischen Binnenschifffahrt ist 15.000 Schiffe groß, davon 7.300 Frachtschiffe. In Russland sind es 29.000 Schiffe, davon 15.000 Frachtschiffe. China schließlich, der größte Markt, umfasst 195.000 umrüstfähige Schiffe. Sie alle können nur mit der LOHC-Technologie von H2-Industries, dem 2010 von Ingenieur Michael Stusch gegründeten Unternehmen nach eigenen Angaben „schnell und effektiv umgerüstet werden“.Entwicklung und Produktion von H2-Industries sind in Teterow bei Rostock in Mecklenburg-Vorpommern.

Das könnte dir auch gefallen

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.