Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Werbung

Update: Humble One: Elektro-SUV mit Solardach soll fast 100 Kilometer Reichweite täglich ermöglichen

11

Kalifornisches Cleantech-Startup Humble Motors will saubere Mobilität für jeden ermöglichen – und setzt auf Elektroautos mit Photovoltaikzellen.

Saubere Mobilität für jeden – das ist die Mission eines neu in der Öffentlichkeit auftretenden Cleantech-Unternehmens aus Kalifornien: Humble Motors. Das erste Elektroauto, der Humble One, ist ein SUV, bedeckt mit Solarzellen, ähnlich wie der Sion von Sono Motors aus Deutschland. Mehr als 7,5 Quadratmeter Photovoltaikzellen sollen – so die Aussage des Cleantech-Startups – genügend elektrische Energie liefern, um 96 Kilometer Reichweite pro Tag zu schaffen. Schon heute ist Humble One für 300 Dollar reservierbar.

Der Humble One ist ein Konzeptauto von Humble Motors – wer dahinter steckt, welche Personen und Investoren, ist bislang aber ein Mysterium. Das Linkedin-Profil geht bislang über eine Mission nicht hinaus, getwittert hat das Cleantech-Startup auch noch nicht, das Crunchbase-Profil gibt kaum Informationen her. Immerhin eine Pressemitteilung und eine rudimentäre Webseite lassen sich finden.

Humble One Auto Elektroantrieb Rückseite

Klar ist, dass es ein kalifornischer Elektroauto-Pionier ist, der sich als Innovator positioniert, dadurch, dass er klassische Glasdächer durch Photovoltaikzellen ersetzt. Gründer von Humble Motors ist Harvard-Absolvent Dima Steesy, der frühere Ford-Mitarbeiter Dr. Alex Bogicevic leitet die Technik-Abteilung des Cleantech-Startups. Kreativdirektor ist der Italiener Antonio Paglia, der neben Formel 1-Fahrzeugen als Auftrag oder aus Spaß ein Tesla Model H – einen Helikopter – designte. Als Lead Designer wird Lee Rosario benannt.

„Wir glauben, dass Solar die Zukunft der Mobilität ist und dass solarbetriebene Elektrofahrzeuge der klare nächste Schritt sind, um die Kohlenstoffneutralität im Transport-Ökosystem anzugehen.“

Humble Motors-CEO Dima Steesy.

So ungewöhnlich sind Fahrzeuge mit Solardächern heute gar nicht mehr – neben dem Sion gibt es auch das sündhaft teure Fahrzeug Lightyear One oder – ganz aktuell – den gerade vorgestellten IONIQ 5 von Hyundai, der optional mit Solardach erhältlich ist. Das zeigt, dass entsprechend dünne Solarfolien mittlerweile verfügbar und gut in Fahrzeuge integrierbar sind. Auch das Berliner Cleantech-Startup Horizer will Fahrzeuge aller Art mit Solarfolien nach- oder ausrüsten.

Humble One Elektroauto auf der Straße

Der Humble One ist ein wenig länger als ein Toyota Corolla. Er ist kürzer als der Tesla Cybertuck, und das Gewicht ist mit zwei Tonnen deutlich leichter. Das Auto wurde so konstruiert, dass es so leicht wie möglich ist und gleichzeitig vier Personen bequem Platz finden. Das Team von Humble setzt sich nach Unternehmensangaben aus einer breiten Mischung von Physikern, Ingenieuren und Designern von Automobilherstellern wie Ferrari, Piaggio, Formula One und Ford zusammen.

Nach Angaben von Alex Bogicevic liegen für den Humble One schon Vorbestellungen im Wert von 20 Millionen Dollar vor. Die US-Reservierungen seien zuletzt um 426 Prozent gestiegen, eine Prozentzahl, die natürlich kaum Aussagekraft hat. Auf der Webseite suchen die Gründer nach Investoren für ihr Vorhaben – womöglich deshalb jetzt der etwas unstrukturiert wirkende Start in die Öffentlichkeit. Mal sehen, ob der Humble One mit der versprochenen Sonnenreichweite von fast 100 Kilometern pro Tag demnächst auf die Straßen kommen wird.

Update vom 9. April 2021

Aufgrund vieler Nachfragen zum Thema Solarertrag beim Humble One, hatte ich Kontakt zum Unternehmen aufgenommen. Humble-Gründer Dima Steesy antwortete sehr ausführlich und ordnete die zuvor in der Presse kursierenden Aussagen seriös ein.

  • 7,5 Quadratmeter Solarzellen umfassen Dach, Seitenfenster (stromerzeugende Flüssigbeschichtung auf dem Fensterglas, die daraus Solarfenster macht) und Solarzellen auf den Türen. Das Unternehmen hat aber klipp und klar noch keinen Prototypen. „Wir glauben, dass durch die Erforschung, wie man Solarzellen effizienter machen kann (Ziel 40 %), die automobilintegrierte Photovoltaik-Technologie sehr viel Sinn machen wird.
  • Reichweite: Erhöhung um 16 bis 96 Kilometer pro Tag – dafür sind erhebliche Effizienz-Verbesserungen nötig.
  • Startpreis: 109.000 Dollar ohne Steuern und Optionen
  • Prototyp: „Wenn alles gut geht“, wird der Prototyp des Humble One 2024 fertiggestellt sein – und 2025 mit der Massenproduktion begonnen. Heutige Reservierungszahlungen sind voll erstattungsfähig.
% S Kommentare
  1. Andreas V. sagt

    Gibt ja auch keine Angaben, in wievielen Jahren der rauskommen soll.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Ja, wobei ich jetzt gelesen habe, dass 2024 erwartet wird. Das wäre schon ein Zeithorizont, der Sinn machen würde. Aber schauen wir mal, ob sie die Finanzierung hinbekommen.

  2. C-Zero sagt

    Eigentlich sollte ich mich aus der Diskussion über solch abstruse Ankündigungen raushalten. Aber ich kann’s mir halt dann doch nicht verkneifen, meinen Senf dazu zu geben:
    Sono Motors hat beim Sion auch 7,5 qm PV-Fläche geplant und hat veröffentlicht, dass damit unter optimalen Bedingungen „maximal 35 km“ zusätzlicher Reichweite zu machen sei. OK, wird man sehen …
    Jetzt kommt ein „Humble One“ daher, der behauptet, das 3-fache rauszuholen. Ich lach‘ mich scheckig! Wie will der denn 7,5 qm PV auf sein Dach bringen? Wenn ich mir die Computergrafik so anschaue, sind’s etwa 2 qm. Und von weiteren PV-Flächen ist nichts sichtbar.
    Meiner Meinung nach: Völlige Fake News!
    But that’s only my HUMBLE opinion …

    1. Martin Jendrischik sagt

      Lieber C-Zero,

      nochmal: Genau deshalb steht im Artikel das Wort „mysteriös“. Fake News wäre, das als garantierten Fakt darzustellen. Davon distanziere ich mich komplett.

      By the way: Es läuft eine Anfrage, weil ich diese Zahlen natürlich auch unwahrscheinlich finde. Daher eben, wie gesagt, der insgesamt skeptische Ton des Artikels.

      Martin

    2. Cavaron sagt

      Unmöglich ist es nicht – wenn wir von einem sonnigen Tag in Kalifornien ausgehen, das Auto entgegen dem Konzeptbild rundherum mit den besten Solarzellen des Jahres 2024 beflastert ist, es in einer Halbkugel aus Spiegelreflexfolie parkt und danach nur im optimalen Wirkungsgrad des E-Motors bewegt wird (40-60 km/h, je nach Übersetzung) und dazu komplett aus Leichtbaumaterialien besteht… ja, dann kann ich mir die 100 Kilometer schon vorstellen.
      Aber zugegeben – es ist seeeehr unwahrscheinlich.

      1. Martin Jendrischik sagt

        Der Beitrag wurde jetzt aktualisiert um ein Statement des Gründers!

  3. Karsten Zellmer sagt

    Wieso soll er fast 100 Kilometer Sonnen-Reichweite schaffen?
    Ioniq 5 auch mit Solardach gerade mal 5 Kilometer.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Lieber Karsten,

      das ist eines der Rätsel, weshalb ich die ganze Geschichte als leicht mysteriös eingestuft habe. Die Angabe bezieht sich mindestens auf Sonneneinstrahlung wie in Kalifornien, erscheint aber trotzdem sehr zweifelhaft.

      Eine Anfrage läuft, sobald sie beantwortet ist, wird der Artikel aktualisiert.

      Martin

      1. Franz Mair sagt

        Meine PV Anlage (nähe Wien) erzeugt pro m² und Tag im günstigsten Fall 0.72KW/h.
        Bei 7.5m² PV Oberfläche sind das 5,4KWh.
        Das wäre bei wirtschaftlicher Fahrweise eine Reichweite von etwa 38 km, also genau jene Angabe von Sono Motors.

        1. Martin Jendrischik sagt

          Lieber Franz,

          mit Verlaub: Wien ist nicht Kalifornien. Wir könnten denen zugute halten, dass sie vielleicht zu sehr von kalifornischer Sonneneinstrahlung ausgehen.

          Es läuft eine Anfrage ans Unternehmen. Mal sehen, wann sie reagieren.

          Beste Samstagsgrüße, Martin

          1. Martin Jendrischik sagt

            Bitte den aktualisierten Beitrag beachten 🙂

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.