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Bekämpfung der Klimakrise: Chinas Abkehr von Kohlekraftwerken im Ausland macht Hoffnung

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Ein neues Regierungsprogramm für Solardächer löst neuen Solarboom in China aus.

Seit April ist es gefühlt ruhig geworden rund um die Anstrengungen der Welt, den Klimagipfel COP26 in Glasgow im November zum Erfolg werden zu lassen. Ein Grund ist die schwächelnde Rolle von US-Präsident Joe Biden. Trotzdem arbeiten Politiker wie der deutsche Staatssekretär Jochen Flasbarth unermüdlich daran, Glasgow zu einem Erfolg werden zu lassen. Jetzt gibt es einen Fingerzeig des größten CO2-Verursachers der Welt: Chinas Abkehr vom Bau von Kohlekraftwerken im Ausland macht Hoffnung.

Es ist eine der zentralen Fragen zur Bekämpfung der Klimakrise: Wie kann der Bau zusätzlicher Kohlekraftwerke global eingedämmt, und mit dem Abbau entsprechender Kapazitäten begonnen werden. Laut einer Analyse von Carbon Tracker konzentriert sich viel auf fünf asiatische Staaten. Diese stehen für 80 Prozent neuer Kohlekraftwerke.

Eine entscheidende Rolle nimmt dabei die Volksrepublik China ein. Denn sie plant nicht nur im eigenen Land mit vielen zusätzlichen Kohlekraftwerken, sondern baut auch im Ausland an entsprechenden Anlagen mit – und liefert die Finanzierung. Die Aussagen von Staatschef Xi Jinping zuletzt, lassen eine Abkehr von dieser Strategie erwarten. Es wäre das entscheidende Signal, der entscheidende Dominostein, der dazu führen könnte, dass die Anstrengungen zum Kampf gegen die Erderwärmung endlich mit dem Turbo vorangetrieben werden.

Konkret versprach Xi Jinping, keine neuen Kohlekraftwerke mehr im Ausland bauen zu wollen. Ab wann diese Ankündigung gilt, und ob auch bereits begonnene Projekte davon betroffen sind, steht noch nicht fest. Außerdem ist unklar, ob nur von staatlichen oder auch von privaten Unternehmen aus China die Rede ist. Der amerikanische Think Tank Global Energy Monitor geht davon aus, dass die Ankündigung zunächst 44 Kohlekraftwerke betreffen könnte, die von staatlicher Finanzierung durch China abhängen.

UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Aussagen, sagte aber auch, die Welt habe noch „einen weiten Weg vor sich“, um den Klimagipfel COP 26 zu einem Erfolg zu machen.

Trotzdem ist es eine historische Aussage, die zeigt, dass Xi Jinping verstanden hat, wie groß das Risiko ist, mit weiteren Investitionen in fossile Kraftwerke Milliardenverluste zu generieren. Und: Daneben steht in China ein neuer Solarboom bevor, der auch im Land selbst zu einer schnelleren Abkehr von der Kohlekraft führen könnte.

Laut SPIEGEL Online gibt es ein Regierungsprogramm, das bis Ende 2023 zu zusätzlichen PV-Dachanlagen mit einer Spitzenleistung von 170 Gigawatt führen soll. Allein im kommenden Jahr könnten Dachanlagen, Freiflächenanlagen und Anlagen auf dem Wasser mit mehr als 100 Gigawatt Kapazität ans Netz gehen. Das ist beinahe doppelt so viel an Zubau innerhalb eines Jahres wie derzeit in Deutschland installiert ist (57 Gigawatt).

Konkret sieht das Programm eine partielle Photovoltaik-Pflicht vor. Dächer von Regierungsgebäuden (50 Prozent), öffentlichen Gebäuden (40 Prozent), Fabriken und Unternehmen (30 Prozent) sowie Eigenheime (20 Prozent) sollen entsprechende Anlagen zur Stromerzeugung erhalten. Dabei können die Provinzregierungen selbst entscheiden, ob sie mitmachen oder nicht – der erwartete Zubau in den kommenden Jahren basiert darauf, dass bislang ein Viertel der Provinzen mitmachen. Eine weitere Beschleunigung ist also wahrscheinlich.

275 Gigawatt Solar in China installiert

China hat mittlerweile Solaranlagen mit einer Kapazität von 275 Gigawatt installiert. Allein im vergangenen Jahr 2020 kam der Zubau von 52 Gigawatt Windenergie-Kapazität hinzu. Mit dem Regierungsprogramm beschleunigt China diesen Ausbau, und stärkt seine Dominanz auf den Weltmärkten. Die Europäische Union beispielsweise kann nicht Schritt halten, könnte Schwierigkeiten bekommen, wenn Produktionskapazitäten in China an Grenzen stoßen sollten.

Die Umkehr Chinas, die allgemein als historisch und etwa von Katrin Ganswindt von der NGO Urgewald als „Game-Changer“ bezeichnet wird, folgt klarem Kalkül. Bei seiner Rede von der UNO-Generalversammlung sagte der chinesische Machthaber: „China wird die Unterstützung anderer Entwicklungsländer bei der Entwicklung grüner und kohlenstoffarmer Energie verstärken und keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland bauen.“ Bedeutet: Der globale Marktführer im Hinblick auf die Solartechnologie, will sich auch bei Wind an Land und an See sowie Wasserkraft mehr engagieren.

Was wird aus Kohleprojekten in Bangladesch oder Pakistan?

Denn geht China den Weg, den Bau von Kohlekraftwerken im Ausland zu stoppen, und treibt stattdessen Solar, Wind, und Wasserkraft-Projekte voran, hat das Auswirkungen etwa auf Länder wie Bangladesch oder Pakistan. Die Chinesen sind bisher bei 85 Prozent der 2020 geplanten Kohlekraftwerke mit fast 90 Gigawatt Leistung involviert.

Aber selbst wenn hinter der Offensive zur ökologisch-sozialen Transformation überwiegend wirtschaftliche Chancen stecken: Für den Kampf gegen die Klimakrise kann die Entscheidung Pekings entscheidend und wertvoll sein. Und es zeigt auch, dass es mittlerweile anerkannt wird, dass sich geopolitische Gewichte durch Erneuerbare Energien verschieben: Wer den Ausbau verschläft, wird im Hinblick auf Versorgungssicherheit, Energiekosten und wirtschaftliche Chancen etwa durch die Ansiedlung von Unternehmen ins Hintertreffen geraten.

Die Rolle der Kohlekraftwerke

Bei allem Potenzial muss die Rolle der Kohlekraftwerke Stand heute realistisch betrachtet werden. Die Leistung liegt bei 1200 Gigawatt, 2020 kamen ca. 40 Gigawatt hinzu. 60 Prozent des erzeugten Stroms stammt aus der Verbrennung des fossilen Energieträgers. Bis Mitte oder Ende der Dekade muss die Spitze der Emissionen erreicht werden – mehrere Städte und Energieversorger haben das als Ziel ausgegeben.

Um sein Ziel zu erreichen, bis 2060 im eigenen Land keine Emissionen mehr zu verursachen, müsste China laut einem Bericht des Analyseunternehmens TransitionZero vom April dieses Jahres fast 600 seiner Kohlekraftwerke im nächsten Jahrzehnt abschalten und durch erneuerbare Energien ersetzen.

Die Rolle Chinas kann für die Erfolgschancen von COP26 kaum überschätzt werden. Denn die Ankündigung Pekings sind ein Fingerzeig für die USA und Europa, konsequent weitermachen zu müssen. Die nächste Bundesregierung wird gewaltige Anstrengungen unternehmen, Solar, Wind und Stromnetze mit vielfach höherem Tempo auszubauen.

Gleichzeitig mit die Europäische Union ihr Fit-for-55-Paket verhandeln, und dabei alle Staaten ins Boot holen. Der juristische Streit mit Polen um die Anerkennung eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs, den Tagebau Turów zu stoppen, kommt dabei zur Unzeit. Mehr Hintergründe dazu gibt es hier.

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