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Wasserstoff und Batterien statt Kohle: Zukunftsperspektive für die Lausitz

Wasserstoff, Batterieproduktion und Power-to-X könnten den Strukturwandel in der Lausitz mit dem Kohleausstieg zur Zukunftsperspektive machen

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Für die Lausitz-Region wird der Strukturwandel weg von der Kohleförderung dramatische Konsequenzen haben. Der Bedarf, neue großindustrielle Produktionsanlagen dort anzusiedeln, um einen Teil der Ingenieure aus der Kohle in Beschäftigung zu halten, ist ein von der Politik erkanntes, notwendiges Muss. Dabei dürften die kommenden Wochen ganz entscheidend werden: Wirtschaftsminister Peter Altmaier arbeitet an Plänen für eine Batteriezellen-Fertigung. Außerdem empfiehlt die Kohlekommission, sich mit Power-to-X-Technologien zu beschäftigen.

Wie energate berichtet, sollen neben einer Batteriezellen-Fertigung auch Power-to-X-Technologien (etwa Power Fuels) und grüner Wasserstoff eine wichtige Rolle beim Strukturwandel in der Lausitz spielen. So verkündete Oliver Wittke, der für den Strukturwandel zuständige Staatssekretär von Wirtschaftsminister Altmaier bei einem Branchentreffen:

Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet an einer Gesamtstrategie für Wasserstoff und synthetische Brennstoffe.

Denn Wasserstoff sei „eine Riesenchance, um Leute in Arbeit zu bringen.“ Die Kohlereviere durch eine Wasserstoffindustrie als Energiestandort zu erhalten, bezeichnete Wittke als „Strukturwandel, wie er im Buche steht.“ Eine Roadmap für Power-to-X-Technologie oder eine nationale Wasserstoffstrategie fordern viele gesellschaftliche Gruppierungen schon eine ganze Weile – beispielsweise der deutsche Mineralölverband, die IWO oder aber auch die Verkehrsministerkonferenz der Bundesländer.

Dabei wird häufig kritisiert, die Bundesregierung fokussiere sich einseitig auf Elektromobilität. Ein Vorwurf, der durchaus angemessen erscheint. Bundeswirtschaftsminister Altmaier treibt unter Hochdruck den Aufbau einer Batteriezellen-Fertigung mit Partnern wie Varta und Ford voran. Am kommenden Dienstag könnte Altmaier hierzu bei einer Konferenz zu Elektromobilität in Berlin seine Pläne bekannt machen, berichtet Reuters am Wochenende. Sowohl die deutsche Regierung als auch die EU haben erkannt, dass es wichtig ist, Europa in Sachen Batteriezellen besser zu positionieren.

Bislang tut sich aus der Wirtschaft noch wenig, um aus eigener Kraft eine entsprechende Fertigung aufzubauen. Gerüchte besagen, Volkswagen strebe dies nun an – in Gemeinschaft mit dem Zellhersteller SK Innovation. Altmaier’s Pläne hingegen könnten zu einer Ansiedlung in der Lausitz führen – dem Vernehmen nach soll mehr als eine Milliarde Euro bereitgestellt werden.

Bislang wird die batterieelektrische Mobilität durch zahlreiche Regelungen gegenüber beispielsweise der Anrechnung von Wasserstoff auf die Flottenemissionen der Hersteller, deutlich bevorteilt. Interessanterweise fordern Branchenvertreter vor allem die Reduktion dieser Nachteile und nicht alleine neue Subventionen.

Wasserstoff-Auto Toyota Mirai

Unterdessen hält Staatssekretär Wittke vom Vorwurf der technologischen Einseitigkeit nichts wissen: Auch die Autombilhersteller seinen auf batterieelektrische Antriebe fokussiert, so Wittke gegenüber energate und weniger auf wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen mit Ausnahme des Toyota Mirai. Der Impuls müsse aus der Wirtschaft kommen, sie müsse in Vorleistung treten.

Dabei geht es im Grunde nicht um die Frage Batterie oder Wasserstoff / e-Fuels, sondern um die Frage, wie beide Technologien fair in den Markt eingeführt werden können. Beschäftigt man sich damit, kommt man zur Erkenntnis, dass die Überschneidungen doch eher gering sind – es braucht wie bei Wind und Solar vielmehr ein intelligentes Zusammenspiel beider Lösungen.

Batterien UND Wasserstoff für die Lausitz und den Markt

Batterien haben im PKW ihre Stärken, wenn dieser direkt mit Erneuerbaren Energien betankt werden kann.Die Zahl der elektrischen Neufahrzeuge steigt langsam – und selbst dafür hält der Ausbau erneuerbarer Energien kaum Schritt. Umso bedeutsamer ist es, wenn Kommunen oder Unternehmen ihre Flotten umstellen und gleichzeitig in Photovoltaik, Speicher oder Windkraft investieren. Ist diese Kombination vorhanden, ist die batterieelektrische Mobilität überlegen – der Anteil wird sukzessive steigen.

E-Fuels hingegen habe ihre Stärke bei dem raschen Einbringen von Erneuerbaren Energien in die Welt der heutigen Bestandsfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, die erst in 20 bis 30 Jahren weitgehend  verschwunden sein dürften. Hier werden die synthetischen Kraftstoffe mit dem Aufbau von Kapazitäten zunächst Marktanteile gewinnen – mit dem Vorteil im Rücken, die bestehende Infrastruktur weiter benutzen zu können. Und verbunden mit der Möglichkeit, des einfachen Imports ohne große Kosten und Leitungsverluste.

Mindestens die Bereiche Schiffsverkehr oder Flugverkehr zeigen dann aber, dass Elektromobilität alleine nicht reichen wird. Dementsprechend muss der Pfad der e-Fuels eingeschlagen werden, damit auch diese Bereiche beim Erreichen der Dekarbonisierungsziele eine Rolle spielen können. Erste Mengen, die zunächst im PKW-Bereich genutzt werden, können bei sukzessivem Durchsetzen der Elektroautos auf andere Bereiche übertragen werden – sieht man die Menge, haben e-Fuels ein viel größeres Potenzial als Batterien.

Strukturwandel in der Lausitz als Zukunftschance

Studien zeigen, dass der Bedarf für Elektrolyse-Technologie weltweit rasant zunehmen wird. Deutschland hat hier mit Herstellern wie ThyssenKrupp, Siemens oder Sunfire starke Player im Boot und gute Marktanteile. Mit Nel aus Norwegen ist auch der Weltmarktführer ein europäisches Unternehmen. Deutschland und Europa haben hier eine Chance, eine Industrie anzuführen und zu einem wichtigen Exportschlager zu machen. Diese Chance dabei gleichzeitig noch den Strukturwandel in der Lausitz zu gestalten, sollten Politik und Wirtschaft nicht verstreichen lassen.

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