Meati Foods eröffnet große Produktion für Fleisch aus der Pilzwurzel

Cleantech-Unternehmen nutzt dünne Pilzmyzel für die Fleischproduktion. Die erste Ranch ist bereits eröffnet.

Sie nennen ihre Produktionsstätte „Mega-Ranch“ und haben eine Technologie entwickelt, um Pilzmyzel (kleine Wurzeln der Pilze) zu Hähnchen und Steaks zu verarbeiten: Meati Foods. Diese voll integrierte und ressourceneffiziente Produktionsstätte im US-Bundesstaat Colorado soll bis Ende diesen Jahres mehrere zehn Millionen Kilogramm Meati herstellen. Zur Finanzierung trugen die Investoren Revolution Growth und Rockefeller Capital bei. Ziel des Unternehmens? Eine Milliarde Dollar Umsatz bis 2025.

Um das Ziel zu erreichen, hat das Cleantech-Unternehmen mittlerweile 250 Millionen US-Dollar eingeworben. In der „Mega-Ranch“ in einem Vorort von Denver laufen die Vorbereitungen auf die Massenproduktion auf Hochtouren. Gelingt die Skalierung auf mehrere zehn Millionen Kilogramm ist der Output der Produktionsstätte mit der großer, amerikanischer Rinderfarmen zu vergleichen. Meati Foods will bis Jahresende auf 7.000 Verkaufsstellen expandieren.

Interessant sind die Grundlagen der Technologie: Sie nutzen für die Fleischproduktion – insbesondere Rindersteaks und Hähnchen momentan – die dünnen, fadenartigen Fasern, die von Pilzwurzeln stammen. Diese lassen sich durch das Verfahren in schmackhafte Versionen „tierlosen Fleisches“ verwandeln. Einen ähnlichen Ansatz hat auch das Berliner Cleantech-Unternehmen Project Eaden kürzlich vorgestellt, wobei hier nicht klar ist, ob ebenfalls Pilzwurzeln verwendet werden.

Meati Foods Fleisch-Produktion in Edelstahltanks.

Pilzmyzel ermöglicht ist es, die Textur des Fleisches detailgetreu zu imitieren. Benötigt werden für das Verfahren Edelstahlbehälter, sogenannte Fermentationstanks, in denen sich sprudelndes Zuckerwasser befindet, das die Pilzwurzeln wachsen lässt. Als wichtige Parameter während der Produktion dient die Temperatur einerseits und die zugegebenen Nährstoffe andererseits. Diese sind entscheiden für den idealen Ertrag, den gewünschten Nährwert und die perfekte Konsistenz.

Im Anschluss an diesen Prozess erfolgt die „Ernte“ der immer noch mikroskopisch kleinen Fasern. Jetzt entstehen Muster, um die Muskelstruktur von Fleisch nachzubilden. Dabei ist die gesamte Zutatenliste für das überraschende Meati durchaus kurz: Das Steak besteht aus den Pilzwurzeln, Salz, natürlichen Aromen, Haferfasern sowie Obst und Gemüsesaft, um die Farbe zu imitieren und schließlich Lycopin. Das ist die Verbindung, die Tomaten und andere Lebensmittel rot färbt.

Nahrhafte Produkte ohne Antibiotika

Dank der Pilzwurzel sind die Produkte nahrhaft – ein Hähnchen-Schnitzel beispielsweise enthält 17 Gramm vollständiges Eiweiß, was dem tierischen Vorbild entspricht. Daneben sind auch essentielle Vitamine, die in Fleisch vorkommen, wie Eisen und Vitamin B enthalten. Im Unterschied zu konventionellem Fleisch enthält es aber keine gesättigten Fettsäuren, Cholesterin, Wachstumshormone oder gar Antibiotika. Außerdem bringt das Lebensmittel acht Gramm Ballaststoffe mit.

Sieht schmackhaft aus, ist klimafreundlich und gesund: Meati.

Investoren und Verbraucher erkennen, dass Meati ein neues, differenziertes Lebensmittel ist. Sie brauchen nur unsere einfache Zutatenliste zu lesen und das neue Fleisch zu probieren, um zu erkennen, dass dies die Alternative ist, auf die die Menschen gewartet haben – etwas, das sie unbedingt wöchentlich, wenn nicht sogar täglich auf ihren Tellern sehen.

Tyler Huggins, CEO und Mitbegründer von Meati Foods

Die Eat Meati-Produktlinie umfasst derzeit das Classic Cutlet, das Crispy Cutlet, das Classic Steak und das Carne Asada Steak. Bis heute waren die Produkte wiederholt innerhalb von Minuten nach ihrer Online-Veröffentlichung ausverkauft, und die Verbraucher haben die Produkte über die Einzelhandels- und Foodservice-Partner des Unternehmens, darunter Sprouts Farmers Market, Sweetgreen und Birdcall, weiter angenommen.

„In den nächsten Jahren wird sich die Art und Weise, wie wir uns ernähren, seismisch verändern, und Meatis hochmoderne, skalierbare Produktionskapazitäten in Verbindung mit dem Fokus auf die Erfüllung der Verbraucherbedürfnisse nach sauberen, vollwertigen Proteinen machen deutlich, dass das Unternehmen in der Lage ist, eine Führungsrolle zu übernehmen“, sagte Fazeela Abdul Rashid, Partner bei Revolution Growth und Mitglied des Vorstands. „Tyler und sein Team haben eine Vision für eine neue Lebensmittelkategorie mit reinen Zutaten und einem Geschmack, der keine Kompromisse eingeht. Wir freuen uns darauf, weiterhin mit ihnen zusammenzuarbeiten, um die nächste Stufe zu erreichen und Meati zu mehr Verbrauchern in den USA zu bringen.“

Hintergrund: Meati Foods

Meati Foods wurde 2017 gegründet und arbeitet daran, ein köstlicheres, nahrhafteres, gerechteres und nachhaltigeres Lebensmittelsystem für alle zu schaffen. Eat Meati ist die erste Produktlinie. Sie bietet Schnitzel und Steaks aus Pilzwurzeln, einem Vollwertprotein. Diese Produktionslinie ist seit Juli 2022 in den USA im Einzelhandel sowie seit 2017 bereits im Online-Shop erhältlich.

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Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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