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Mirko Hannemann: „Alle Unterstellungen sind unberechtigt!“

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HannemannDie gestrige Meldung bei CleanThinking.de, die Tests des Kolibri-Akkus von DBM Energy durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie die DEKRA in Klettwitz seien allesamt positiv ausgefallen, schlug ein, wie ein Blitz – es ist die Geschichte vom unbekannten Startup, das in der Lage scheint, eine wirklich revolutionierende Technologie auf den Markt zu bringen und dabei große Konzerne zu düpieren. Und es ist die Geschichte von Mirko Hannemann, einem Erfinder und Wissenschaftler, der mit seinem Team von DBM Energy kurz davor war, aufgrund der harschen Kritik in der Öffentlichkeit, aufzugeben.

Die CleanThinking.de-Redakteure Martin Jendrischik und Jürgen Hüpohl hatte gestern die Gelegenheit, mit Mirko Hannemann ein Interview zu führen. Weiterhin gibt es Informationen zur DBM-Technologie auf unserer Hintergrundseite, die im Laufe des Tages ergänzt wird. Erfahren Sie mehr über die Genugtuung des Firmengründers, die neu gegründete Aktiengesellschaft und die Zukunftspläne von DBM Energy.

CleanThinking.de: Herr Hannemann, Sie haben allen Grund zur Freude, die Testergebnisse der BAM sowie der Dekra sind äußerst positiv. Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Resultate der Überprüfung?

Kolibri-Erfinder Mirko HannemannMirko Hannemann: Zunächst darf ich sagen, dass wir im Team natürlich durch diese Bestätigung alle sehr erleichtert sind und uns auf die Dinge freuen, die jetzt vor uns liegen. Die beiden Organisationen haben die Sicherheit, die Leistungsfähigkeit und die Effizienz unserer Kolibri-Technologie sehr intensiv geprüft. Das Ergebnis: Die Sicherheit zu Luft, zu Land und zu Wasser ist gegeben. Geprüft wurde nach UN-Prüfhandbuch, Fassung 5 von 2009, Abschnitt 38.3.

Die Dekra hat unsere Reichweite sowie den Wirkungsgrad von 97 Prozent in einwöchigen Tests nachgewiesen. Damit haben wir die Kriterien an die Fördermittel im Rahmen des Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität erfüllt: Mit einer maximalen elektrischen Arbeit der Kolibri Batterie von 62,928 kWh und einer Leermasse ohne Fahrer von weniger als 1.500 kg schafften wir eine Reichweite von 454,82 Kilometern. Es wäre sogar noch Platz für die Insassen gewesen.

CleanThinking.de: Die Reichweite ist ja weniger als die 600 Kilometer bei der Rekordfahrt…

Mirko Hannemann: Ja, richtig. Die damalige Batteriekapazität lag bei 98,8 kWh – wenn wir die jetzigen Ergebnisse umrechnen, kommen wir auf eine Reichweite von 714 Kilometern. Das entspricht ungefähr dem Ergebnis der Rekordfahrt. Ziel der Dekra-Prüfung war ja, die Reichweite von 300 Kilometern nachzuweisen – ein Ziel, das der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität erst für 2015 als erreichbar ansieht – und das haben wir mit der bewusst kleiner dimensionierten Batterie bereits heute geschafft. Wir reden davon, dass wir ein komplett einsatzfähiges Fahrzeug haben mit einer Energiedichte von 250 Wattstunden je Kilogramm.

CleanThinking.de: Und was bedeuten die Ergebnisse?

Mirko Hannemann: Ich denke, wir bereiten unseren Kritikern, die immer unabhängige Testergebnisse gefordert haben, ein paar Bauchschmerzen. Die Bundesanstalt hat neben den genannten Ergebnissen auch bestätigt, dass 5.000 Ladezyklen mit unserer Kolibri-Technologie möglich sind. Damit sind wir europaweit Innovationsführer in der Batterie-Technologie – und das als kleines Berliner Unternehmen ohne Milliardenlobby. Unser Ziel ist es, den technologischen Vorsprung jetzt anzubieten, wo er da ist, und nicht, wenn es vielleicht öffentlich gerade günstig erscheint.

CleanThinking.de: Wie gehen Sie ganz persönlich mit den Ergebnissen um?

Mirko Hannemann: Für mich persönlich, und ich sehe mich eher als Wissenschaftler denn als Unternehmer, ist es eine große Erleichterung und ein bisschen Genugtuung. Wir im Team empfinden es als sehr ungerecht, wie mit jungen Technologieunternehmen in Deutschland umgegangen wird. Mit dem heutigen Tag belegen wir, dass alle Unterstellungen in Bezug auf unsere Technologie unberechtigt waren und sind.
Aufgrund des aus unserer Sicht ungerechtfertigt hohen Drucks der Öffentlichkeit sowie einiger Medien, standen wir Ende 2010 kurz davor, aufzugeben. Und dann ist es ja auch so, dass wir auch Kosten zu tragen haben. Allein der Brand unseres Fahrzeugs hat uns etwa 750.000 Euro gekostet. Die Botschaft heute ist: Wir haben uns nicht unterkriegen lassen und wir geben weiterhin Vollgas, um unsere Energiespeicher-Technologie praktisch in die Tat umzusetzen.

CleanThinking.de: Wie geht es nun weiter mit der Technologie in Sachen Elektroauto?

Elektroauto DBM Energy DekraMirko Hannemann: Kurzfristig sind für Juni drei Elektrofahrzeuge ausgestattet mit der Kolibri-Technologie für die Modellregionen geplant, um die Fahrzeuge im Straßenverkehr zu testen. Wir arbeiten in 2011 stark daran, die Technologie in den Anwendungsgebieten Flurförderfahrzeuge der Logistik und als stationärer Energiespeicher stärker in den Markt zu bringen. Hierzu stehen wir in Gesprächen mit Kunden und Partnern.

Das mittelfristige Ziel ist „Grid Protection“ und damit die wirkungsvolle Etablierung von effektiven und effizienten Energiespeichern als Basis für eine leistungsstarke Energieinfrastruktur.

CleanThinking.de: Sie sprechen negative Erlebnisse der vergangenen Monate an – was hat Sie gestört?

Mirko Hannemann: Nun ja, wir haben vielfach vermisst, dass mit uns nicht auf Augenhöhe gesprochen wurde. Wir sind immer offen für Gespräche, aber diese müssen eben beiderseits auf Augenhöhe geführt werden. Unfassbar ist es für uns, wenn Milliardenkonzerne von uns verlangen, über viele Millionen in Vorleistung zu gehen – und denen damit den Weg für ihre eigenen Geschäftsmodelle zu bahnen.

CleanThinking.de: Erwarten Sie jetzt Reaktionen der Automobilwirtschaft?

Mirko Hannemann: Wir denken weiterhin, dass die Tür zur Automobilindustrie in Deutschland für uns weder eine Türklinke noch Zylinderschloss hat. Wenn sich das ändern sollte, sind wir für Gespräche offen. Priorität hat das momentan aber nicht…

CleanThinking.de: …sondern?

Hier weiterlesen: CleanThinking.de-Interview mit Mirko Hannemann

Mirko Hannemann: Wir sehen uns in den nächsten Monaten ganz stark im schon angesprochenen Bereich der Grid Protection. Dabei geht es darum, derzeitig konventionelle Energiespeicher durch große Akku-Kraftwerke mit unseren Kolibri-Akkus sicherer und stabiler zu machen. In diesem Kontext sehen wir uns als Brückentechnologie, um den Umstieg auf modernere Energieformen tatsächlich zu schaffen und zu erwartende Stromausfälle in Europa in den nächsten Monaten abzufedern. Dazu können wir beitragen.

CleanThinking.de: Laufen im Bereich Kraftwerke schon Projekte?

Mirko Hannemann: Ja, wir haben Investoren gefunden…

CleanThinking.de: … können Sie Namen nennen?

Mirko Hannemann: Wir werden die Investoren in Kürze gesondert vorstellen. Die Investoren unterstützen uns insbesondere im Bereich Kraftwerksspeicher. Im Zuge dessen haben wir auch die Kolibri Power Systems AG gegründet, Mitarbeiter eingestellt und Strukturen erheblich verändert.

CleanThinking.de: Wieso eignet sich Ihre Technologie so sehr als Pufferspeicher und Kraftwerksspeicher?

Mirko Hannemann: Weil wir eine sehr hohe Kapazität haben und mit 5.000 Ladezyklen eine vergleichsweise hohe Lebensdauer. Überdies haben wir eine Schnelllade-Technologie entwickelt, die es uns ermöglicht, 95 Prozent einer Kolibri Batterie in 10 Minuten aufzuladen.

CleanThinking.de: Unsere Leser interessiert ganz besonders, wie viel Forschungs- und Entwicklungsgeld in der DBM-Technologie steckt – und wie Sie dies alles gestemmt bekommen haben?

Mirko Hannemann: Die Investitionen liegen bei 15 Millionen Euro. Dieses Forschungs- und Entwicklungsvolumen ist seit 2005 in die Technologie geflossen. Die Finanzierung wurde aus privater Hand aufgebracht bzw. gedeckt.

CleanThinking.de: Manchmal wird bezweifelt, dass Ihre Akkus bereits gefertigt und verkauft werden – was sagen Sie dazu?

DBM Energy wird getestetMirko Hannemann: Zu dem Wie die Akkus produziert werden, können wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen leider keine Angaben machen. Die Endfertigung erfolgt in Berlin. Eine Serienfertigung wird aufgebaut, doch zu den Kapazitäten können wir uns aus wettbewerblichen Gründen nicht äußern.

CleanThinking.de: D.h. jeder Unternehmer kann die Akkus bei Ihnen bestellen?

Mirko Hannemann: Ja, die Akkus sind käuflich für die drei Anwendungsfelder Elektromobilität, Flurförderfahrzeuge in der Logistik und als stationäre Speicher kaufbar. Unsere Kunden sind Industriekunden. Die Preise sind abhängig von der nachgefragten Batteriekapazität und einigen weiteren wichtigen Komponenten wie Anzahl etc. Weitere Auskünfte zu Preisen können wir gerne bei konkreten Anfragen tätigen.

CleanThinking.de: Zum Schluss ein Blick zurück – würden Sie, wenn Sie noch einmal vor ähnlichen Situationen stünden, einiges anders machen?

Mirko Hannemann: Ich möchte nicht sagen, dass wir fehlerfrei sind. Natürlich haben wir Fehler gemacht, weil wir Dinge als selbstverständlich angenommen haben, die in der Öffentlichkeit aber nicht selbstverständlich waren. Wir wollen ab heute neue Wege gehen in der Öffentlichkeit – beispielsweise mit unserer neuen Homepage, die etwa transparent die Testergebnisse darlegen wird und jeden Verdacht der Intransparenz beseitigen wird. Die Homepage wird in den kommenden Wochen mehrsprachig erweitert und viele neue Inhalte bekommen.

CleanThinking.de: Wann gehen Sie mit Ihren Produkten sichtbar an den Markt?

Mirko Hannemann: Nun, wir sind seit mehr als einem Jahr am Markt, da insbesondere Logistik-Konzerne wie Papstar und andere unsere Kolibri-Batterien einsetzen. Fehlerfrei übrigens. Auch große Industrieunternehmen sind darunter. Für klassische Endverbraucher wird die Technologie zunächst unsichtbar bleiben – der Endverbraucher profitiert aber davon, dass die Netzsicherheit steigt. Und genau dazu wollen wir einen Beitrag leisten.

CleanThinking.de: Herr Hannemann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und freuen uns, Sie auch in Zukunft zu begleiten.

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  3. […] bereits in Artikeln von cleanthinking und der Morgenpost (als PDF) angedeutet, wurde eine Aktiengesellschaft unter dem Namen […]

  4. […] ist: In älteren Artikel ist zunächst von 20 min die Rede (z.B. FAQ Lekker). In einem aktuelleren Interview gibt Mirko Hannemann die Ladezeit mit 10 min an (Schnellladefunktion von 95% in 10min). Die Angabe […]

  5. […] den Originalbeitrag weiterlesen: CleanThinking.de— Mirko Hannemann: “Alle Unterstellungen sind … Teile und hab Spaß Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen Social […]

  6. sera sagt

    April april ? O_o

    Sorry aber das ist zu schön um wahr zu sein

    3 Jahre früher bekommen die Öl/Sprit und Automobilkonzerne sowie Atomlobbys aufs M****…….

    ich glaub das is ein Aprilscherz

  7. doctorfrisch sagt

    Im eBundesanzeiger gibt es keinen Eintrag.

  8. HP 1965 sagt

    Hat schon jemand etwas zu dieser AG gefunden? Kolibri Power Systems AG ???

    Die gibts bisher nirgends, wie seltsam…

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