Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Cleantech-Innovation: Mit Zeolith zum Zenit

Die Temperatur muss stimmen in der SorTech-Produktion.
0 104

Im Flugzeug, in der Geschirrspülmaschine und im Elektroauto – wenn es nach den Plänen der SorTech AG geht, könnte „SorTech Inside“ bald eine Art Qualitätssiegel werden, wie es „intel-inside“ längst geworden ist. Doch in Halle tüfteln 20 Forscher und Entwickler nicht an den schnellsten Prozessoren der Welt. Vielmehr will das Unternehmen, an dem auch die Leipziger Sparkassen-Tochter S-Beteiligungen Anteile hält, mit seiner Technologie in Zukunft ganz entscheidend zur Energiewende beitragen: Überall dort, wo Abwärme vorhanden ist, kann die Adsorptionstechnik von SorTech zur Wärme- und Kälteerzeugung genutzt werden – fast ohne Strom und Kältemittel, die CO2 freisetzen.

Die Beschichtung (hier mit Silikagel) ist das Geheimnis der SorTech-Technologie. (Fotos: jost)

Die SorTech AG ist 2002 als Spinoff-Unternehmen aus dem Fraunhofer ISE hervorgegangen und forscht seitdem an der Perfektionierung der Adsorptionstechnik. „Adsorption ist ein physikalisches Verfahren, das wir uns bei der ‚Produktion‘ von Kälte aus Wärme zunutze machen“, beschreibt Vorstand Walter Mittelbach. Als Kältemittel in den Adsorptionsaggregaten, die aus einem Verdampfer, einem Kondensator und zwei Adsorbern bestehen, kommt – ganz umweltfreundlich – Wasser zum Einsatz.

Die herausragende Innovation von SorTech ist aber das Innenleben des Adsorbers: Darin befindet sich aktuell ein Lamellen-Wärmetauscher, der mit einem Adsorbens – kleinen „Kügelchen“ aus Silikagel oder Zeolith, die sich gewissermaßen mit Wasserdampf vollsaugen können – beschichtet ist. „Vorteil unserer Technologie ist, dass wir die gesamte Fläche des Wärmetauschers beschichten können, obwohl der Lamellenabstand massiv reduziert worden ist“, berichtet André Weiß, der die Geschicke des Geschäftsfeldes Adsorptionsaggregate leitet. Das mache die Lösung weniger wuchtig, vielseitiger einsetzbar und effizienter.

Walter Mittelbach, CEO der SorTech AG

Noch haben die Aggregate recht große Abmessungen, eignen sich aber mit riesigen Stromeinsparpotenzialen von 80 und mehr Prozent für Großgeräte wie Wärmepumpen oder stationäre Kältemaschinen. „In Zukunft werden wir ein Material haben, das es uns ermöglicht, ähnlich leistungsstarke Adsorptionsaggregate mit der Größe einer Zigarettenschachtel herzustellen“, sagt Walter Mittelbach, der vor seinem Umstieg in die Wirtschaft am Fraunhofer ISE arbeitete.

Zunächst in Freiburg beheimatet, gewinnt das Unternehmen schon 2003 den Landestitel eines renommierten Startup-Wettbewerbs, hinter dem u.a. die Sparkassen, McKinsey, ZDF und der Stern stecken. Die damit verbundene Aufmerksamkeit nutzt SorTech, um weitere Investoren ins Boot zu holen, von denen einer die Ansiedlung der Produktion des Unternehmens in Ostdeutschland wünscht. Als Standort entscheidet sich Mittelbach im Jahr 2004 für Halle an der Saale. Erst kürzlich gewinnt die SorTech AG den Querdenker-Award in der Kategorie „Marktführer“ – der Querdenker-Club vereint mehr als 300.000 Entscheider und kreative Menschen weltweit und gilt als größtes Ideen- und Kreativitätsnetzwerk.

Heute ist die Grundlagenforschung an den beschichteten Materialien, die die Adsorptionstechnik kleiner und für mobile Anwendungen einsetzbar machen sollen, abgeschlossen. „Es geht derzeit darum, die Technologie zusammen mit Industriepartnern reif für den Massenmarkt zu machen“, sagt André Weiß. Auf welche Produktbereiche sich das Unternehmen dann konzentrieren wird, hängt dabei insbesondere von den Gesprächen mit potenziellen Entwicklungs- und Vertriebspartnern aus der Industrie ab. Die Anwendungsbereiche sind derart vielfältig, dass sich das forschungsgetriebene Unternehmen nicht in zu vielen Projekten und auf zu vielen Gebieten verzetteln darf, wie auch Mittelbach und Weiß einräumen.

Neue Investoren für den Massenmarkt

Pro Jahr fertigt SorTech derzeit 150 Adsorptionskältemaschinen.

Im Sommer 2012 stiegen mit UnternehmerTUM und Munich Venture Partners zwei große VC-Gesellschaften bei SorTech ein, die es dem kleinen Team ermöglichen, neue Produktbereiche konsequent aufzubauen und auch für die Industriepartner geeignete Lösungen zuzuschneiden. Einer dieser Industriepartner ist Stiebel Eltron.

Der führende Hersteller im Bereich der Haus- und Systemtechnik stieg 2011 als Aktionär bei SorTech mit dem Ziel ein, die Zeolith-Plattformtechnologie gemeinsam zur Anwendungsreife im Bereich der Wärmepumpen zu entwickeln. „Wir sind gerade dabei, dieses Geschäftsfeld aufzubauen und im kommenden Jahr eine Wärmepumpen-Baugruppe in den Markt einzuführen“, so André Weiß. Um dies zu realisieren, plant das Unternehmen die Produktionserweiterung innerhalb der Region.

Neben diesen Produkten, die von Partnern wie beispielsweise Stiebel Eltron in hocheffiziente Systeme verbaut werden, setzt SorTech auch auf den Ausbau seiner Fertigung von Adsorptionskältemaschinen. Derzeit produziert und vertreibt das Unternehmen rund 150 Aggregate pro Jahr an Betreiber aus aller Welt. Betreiber, die etwa ein Blockheizkraftwerk haben und mit der bei der Stromerzeugung entstehenden Abwärme im Winter heizen und im Sommer kühlen wollen. „Durch das Kühlen mit überschüssiger Wärme wird es für eine Vielzahl von Anwendern erst wirtschaftlich, ein eigenes Blockheizkraftwerk einzusetzen“, sagt André Weiß.

Patent- und Markenamt kühlt mit SorTech-Technologie

Fertig zum Transport: Adsorptionskältemaschine von SorTech

Auch andere Einsatzfälle sind spannend: Das Deutsche Patent- und Markenamt etwa erzeugt über eine Solarthermie-Anlage genügend Wärme, um das eigene Gebäude in München im Sommer zu kühlen. Doch SorTech will einen Schritt weiter gehen und sich auf dem Massenmarkt platzieren. Denn neben stationären Lösungen können die Vorteile der SorTech-Lösung auch für mobile Anwendungen relevant sein. „Mit den neuen Investoren ist der Weg in den Massenmarkt ganz klar vorgezeichnet“, ist sich Walter Mittelbach sicher.

Die Kernkompetenz des Unternehmens liegt darin, Adsorptionsaggregate auf ganz unterschiedliche Anwendungen hin zu optimieren. Darin sind die insgesamt 31 Mitarbeiter in Halle Weltspitze.

S-Beteiligungen sieht herausragende Potenziale

„Das Anwendungs- und Marktpotenzial der Zeolith-Plattformtechnologie ist immens“, sagt Harriet Krzyzowski, die als Vertreterin des Leipziger Gesellschafters S-Beteiligungen den Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft leitet: „Allein in Europa kann daraus bis 2020 ein Markt mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro entstehen.“  Eine Perspektive, die viel Raum für dynamisches Wachstum bietet – aus Mitteldeutschland und für eine clevere Technologie der Energiewende in die ganze Welt.

(Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst im REGJO – Das Magazin für Wirtschaft und Kultur aus Mitteldeutschland. Alle Fotos sind von  jost.)

Das könnte dir auch gefallen

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More