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Sauber in die Zukunft

Nikola Tre: Nikola Motors kündigt Wasserstoff-Truck für Europa an

Der Wasserstoff-Truck mit 120-Kilowatt-Brennstoffzelle soll im April 2020 in Phoenix als Prototyp gezeigt und ab 2022 oder 2023 produziert werden / Konkurrent für Tesla und Daimler

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Der Kampf um den LKW der Zukunft ist in vollem Gange. Neben Tesla buhlt u.a. auch Daimler in den USA bereits um Kunden für den sauberen Warentransport von A nach B. Doch der Hype um den Tesla-Semi und andere Angebote, hat auch in Europa Begehrlichkeiten geweckt. Nikola Motors reagiert jetzt genau darauf und zeigt mit dem Nikola Tre den auf europäische Bedürfnisse zugeschnittenen Truck – angetrieben mit Wasserstoff.

Nikola Motors ist ein Phänomen. Das junge Cleantech-Unternehmen will zusammen mit Nel Hydrogen aus Norwegen nicht nur 700 Wasserstoff-Tankstellen in den USA und Kanada bis 2028 errichten, sondern greift nun auch bereits den europäischen Markt an. „Als Reaktion auf das breite Interesse europäischer Kunden“ schreibt Nikola Motor Company in einer Pressemitteilung, stelle das Unternehmen nun den Nikola Tre vor, der bereits auf Level-5-Autonomie vorbereitet sein soll.

Nikola Tre mit stattlicher Reichweite
Wasserstoff-Truck Nikola Tre wird 2020 in Phoenix als Prototyp vorgestellt.

Ab 2022 sollen dann auch ausreichend Wasserstoff-Stationen in Europa verfügbar sein, um den Nikola Tre in größeren Stückzahlen befüllen zu können. Der Truck selbst soll im Rahmen der Nikola World in Phoenix, Arizona, im April 2019 (16. und 17.) als Prototyp vorgestellt werden. Der Nikola Tre soll 500 bis 1.000 PS haben und eine Reichweite von 500 bis 1200 Kilometer schaffen – abhängig von der gewählten Option. Insbesondere im Hinblick auf Größen und Länge wurde das wasserstoffelektrische Fahrzeug an die europäischen Bedürfnisse angepasst.

Nikola Tre könnte 2022 auf die Straße kommen

Die verbaute Brennstoffzelle soll mit Wasserstoff betrieben werden und eine Leistung von 120 Kilowatt haben. Die Batterien sollen 800-Volt-Gleichstrom-Batterien sein. Die Produktion des Nikola Tre soll parallel zur US-Version in den Jahren 2022-2023 beginnen. Testfahrten könnten 2020 in Norwegen starten. Derzeit sucht das Unternehmen nach einem geeigneten Standort für die europäische Produktionsstätte – womöglich auch in der Nähe der Standorte von Nel Hydrogen in Oslo?

Trotz reichlich Arbeit ist Kim Brady, CFO von Nikola Motors, optimistisch:

Wir haben viel Arbeit vor uns, aber mit den richtigen Partnern können wir das schaffen.

In der eigenen Series-C-Finanzierungsrunde war Nikola Motors bereits vor Monaten mit mehr als einer Milliarde bewertet worden (Cleanthinking berichtete). Das Unicorn wird aber deutlich mehr Kapital benötigen, um all die bekannten Ziele realisieren zu können. Nach eigenen Angaben hat Nikola Motors Vorbestellungen im Wert von zirka elf Milliarden US-Dollar vorliegen. Es bleibt spannend, wie der Nikola Tre in Europa angenommen wird. Reservierungen sind schon möglich www.nikolamotor.com/tre.

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% S Kommentare
  1. Lars Thomsen sagt

    Besonders im Trucking wird der Tipping Point „Diesel versus Elektrisch“ recht drastisch ausfallen – denn am Ende des Tages geht es hier um die Kosten (TCO und Kosten pro km). Sobald ein neues Angebot hier unter die Kosten der anderen Antriebstechnologie fällt, wird dies recht schnell kippen.
    Ein grosses Fragezeichen bleibt aber, wie Wasserstoff in diesem Szenario gegen batterie-elektrische Antriebe konkurrenzfähig werden soll. In der Energiekette „Well-to-Wheel“ ist die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lösung mit einer ca. 35%igen Energieeffizienz gegenüber mehr als 80% beim BEV systembedingt deutlich teurer. De Facto wird ein Wasserstoff-Truck rund 2-3 mal mehr Energie brauchen als sein Batterie-Wettbewerber.
    Und Infrastruktur sowie Systemkosten im Fahrzeug sind beim H2-Truck deutlich höher.
    Bei weiterhin stark fallenden Batteriepreisen (bei gleichzeitiger Erhöhung der Energiedichte und Zyklenstabilität) erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass Wasserstoff dieses Rennen gewinnen sollte.

    1. Hallo Herr Thomsen,

      ich teile Ihre Einschätzung. Allerdings sagen ja viele Energieexperten auch voraus, dass „wir im Strom ersaufen“ und es bessere Speicher- und Transportmöglichkeiten als Batteriespeicher braucht (Langzeit, Großskalig). Andererseits sagen die aktuellen PtX-Szenarien, dass e-Fuels (ganz gleich, ob flüssig oder gasförmig) eher im Ausland produziert werden und dort ins Netz eingespeist werden.

      Ein Punkt ist besonders wichtig: Viel Debatte bezieht sich nur auf den Mobilitätssektor, wo Batterie vs. Wasserstoff oder e-Fuels recht gut funktioniert. Aber wir brauchen die e-Fuels für die Bestandsfahrzeuge, die nicht sofort durch eAutos ersetzt werden. D.h. der Aufbau von Elektrolyse-Kapazitäten muss im Grunde jetzt beginnen – am Anfang werden die Kapazitäten für den klassischen Mobilitätsbereich als Ergänzung zur Batterie verwendet. Aber mit der zunehmenden Durchdringung der Elektromobilität werden die e-Fuels verdrängt, werden dann aber verstärkt in den Bereichen eingesetzt, in denen die Batterie keine Alternative ist, wo aber größere Mengen gefragt sind (Schiffsverkehr, Chemiebranche, etc.).

      So wird es eigentlich nie die Konkurrenz geben zwischen Batterie und Wasserstoff / e-Fuels. Außer beim Ökostrom. Aber der Ökostrom, der aus norwegischer Wasserkraft stammt und zur Erzeugung von e-Fuels dort genutzt wird, der taugt nicht, um deutsche Elektroautos in Buxtehude zu betanken. Aber er taugt, um andere Kraft- und Brennstoffe zu erzeugen. Insofern müsste man dann vielleicht zwischen dem „lokal verfügbaren Ökostrom“ und dem „zusätzlich verfügbaren Ökostrom“ unterscheiden.

      Macht der Gedanke Sinn?

      BG Martin Jendrischik

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