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Ostdeutsche Energie-Experten fordern Antworten zur Energiewende

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Ostdeutsches Energieforum im Mai in LeipzigCleantech & Energiewende News / Leipzig. Die ostdeutschen Unternehmerverbände und Energieversorger fordern von der Politik, insbesondere von Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler und Bundesumweltminister Norbert Röttgen, Antworten auf zahlreiche, ungeklärte Fragen zur Umsetzung der Energiewende. „Wir fragen uns, ob erst fünf vor zwölf oder bereits fünf nach zwölf in Sachen Energiewende ist“, sagte Thomas Prauße, Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig GmbH heute in Leipzig. Prauße wird einer der Referenten sein, die beim 1. Ostdeutschen Energieforum in Leipzig am 10./11. Mai 2012 sprechen werden. Schirmherr der zweitätigen Tagung ist Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Hartmut Bunsen, Sprecher der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlins, machte im Rahmen einer Pressekonferenz zum Ostdeutschen Energieforum klar: „Unerlässlich sind Konzepte und konkrete Maßnahmen, wie wir die gesteckten Ziele bei der Energiewende erreichen können.“ Gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern der neuen Länder ist der Verband der Initiator des Energieforums. Neben EU-Kommissar Günther Oettinger und Wirtschaftsminister Rösler, werden auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle und der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer erwartet.

Veranstalter Ostdeutsches EnergieforumManager von Unternehmen wie E.ON, Vattenfall, Verbundnetz Gas AG, 50 Hertz Transmission, Enercon, Total Deutschland oder Viessmann Werke werden nicht nur ihre Bedürfnisse und ihre Sicht der Dinge in Bezug auf die Energiewende darlegen, sondern insbesondere vom Bundeswirtschaftsminister Antworten zu der Entwicklung der Strompreise als ganz wichtigem, auch besonders wichtigem ostdeutschen, Thema verlangen. „Die Unternehmen wollen klare Antworten auf die Fragen der Energiepreise“, so Hartmut Bunsen während der Pressekonferenz. Denn durch den Netzausbau nach der innerdeutschen Wende Anfang der neunziger Jahre, der alleine von den ostdeutschen Verbrauchern bezahlt worden sei, seien die Strompreise noch heute deutlich höher als in Westdeutschland.

Mit dem durch die Energiewende notwendigen Netzausbau würden die neuen Bundesländer noch stärker belastet, so Bunsen. „Wenn wir in Ostdeutschland die drei- bis vierfache Energiemenge produzieren, die dann über neue Leitungen nach Baden-Württemberg und Bayern transportiert werden muss“, so Bunsen, „darf es nicht so kommen, dass alleine die ostdeutschen Länder diese Kosten bezahlen müssen.“ Daher wolle man beim 1. Ostdeutschen Energieforum ganz gezielt eine Diskussion zwischen Politik und Energiewirtschaft in Gang setzen.

Kann die Energiewende überhaupt gelingen?

„Heute werden 40 Kilometer neue Stromnetze gebaut pro Jahr – wenn man davon ausgeht, dass wir 4000 Kilometer neue Leitungen bis 2022 brauchen – dann stellt sich schon die Frage: Kann diese Energiewende überhaupt gelingen?“, so Bunsen weiter. Ganz ähnlich äußerte sich auch Prauße, der sowohl ein Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz als auch ein Gesetz zum Ausbau der Kraftwerke verlangte. „Parallel müssen wir uns mit der Speicher-Problematik befassen – und dies wird all unseren Forschergeist herausfordern.“

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Wolfgang Topf, Präsident der IHK zu Leipzig, sieht besonders bei den hohen und steigenden Energiekosten einen echten Wettbewerbsnachteil für Sachsen und sächsische Unternehmen. „Wir alle haben das Ziel der Energiewende angenommen, aber wir müssen auch aufpassen, dass wir in vier, fünf Jahren mit der Energiewende nicht in eine Sackgasse geraten und unsere Unternehmen, die im globalen Wettbewerb mit anderen Ländern stehen, die eine andere Energiepolitik betreiben, dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßen“. Daher müsse vom 1. Ostdeutschen Energieforum im Mai die Botschaft ausgehen, dass „sich etwas bewegt“.

KWK Anlage der Stadtwerke Leipzig VKU
KWK-Anlage der Stadtwerke Leipzig

Thomas Prauße brachte das internationale Dilemma auf den Punkt: „In anderen Ländern macht man mit der Energiepolitik vor allem Wirtschaftspolitik. In Deutschland machen wir mit der Energiepolitik vor allem Umweltpolitik“, so der Stadtwerke-Geschäftsführer. Prauße stellte eindrücklich klar, an wie vielen Fronten der schönen neuen „smarten Welt“ keine Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Energiewende gegeben seien. „Der Bereich des Smart Metering ist derzeit etwa tot, weil es keine Regelung zu den notwendigen Datenschnittstellen gibt“, so Prauße.

Gleichzeitig gebe es reichlich Probleme bei den Energieerzeugungskapazitäten. „In Lippendorf liegt der 1. Block des Kohlekraftwerkes vollkommen brach – zwar werden alle Dinge vorgehalten, die für den Betrieb notwendig sind, allerdings laufen die Generatoren derzeit viel zu oft nicht“, so Prauße. Aufgrund der hohen Einspeisung des Windstroms – sowie dessen Vorrang – werde ein Braunkohlekraftwerk so zu einem Reservekraftwerk degradiert, das allerdings viel zu teuer sei. „Die MIBRAG leidet darunter, dass ein solches Kraftwerk auf 7.500 Betriebsstunden pro Jahr ausgelegt ist, es derzeit aber nur 1.700 Betriebsstunden laufen könne.“ Da müssen man sich nicht wundern, wenn solche Unternehmen in Zukunft eher nach Polen oder Tschechien gingen. „Dort werden noch neue Kraftwerke gebaut!“

Generell forderten die Energieexperten auch eine Antwort auf die Frage, wer die Energiewende bezahlen müssen. Diese werde von den Verbrauchern und den kleinen Unternehmen bezahlt werden müssen – aber dies müsse auch fair gesagt werden. Gleichzeitig mahnten sie insbesondere Regelungen in Bezug auf den Kraftwerksausbau an. Bis 2022 seien 17 neue Großkraftwerke, insbesondere Gaskraftwerke und KWK-Erzeugungsanlagen nötig. So lange Genehmigungen aber sechs bis acht Jahre dauerten und Planungssicherheit nur für drei Jahre – anstelle der notwendigen 15 Jahre – gegeben sei, gehe viel Zeit für die Energiewende verloren.

Eigenständiges Energieministerium gefordert

„Eine Lösung“, so Thomas Prauße abschließend, „könnte ein eigenständiges Energieministerium sein. Das Kompetenzgerangel zwischen Umwelt- und Wirtschaftsminister muss endlich aufhören!“

Weitere Lösungen schließlich sollen im Mai beim 1. Ostdeutschen Energieforum im Congress Center Leipzig diskutiert werden. Weitere Informationen und Eintrittskarten gibt es unter www.ostdeutsches-energieforum.de.

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% S Kommentare
  1. […] und gleichzeitig via Twitter unter dem Hashtag #OE12 live berichten. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag Ostdeutsche Energieexperten fordern Antworten zur Energiewende. /* […]

  2. Willi Stock sagt

    Wo bleibt denn der Masterplan?

    Wann begreift die Republik, dass subventionierte Energie immer teurer ist als marktgehandelte Energie?

    http://www.slideshare.net/willlistock/kosten-energiequivalenzgesetz

    Und nicht vergessen: jede Subvention aus den Vorjahren ist für 20 Jahre garantiert und belastet den Stromkunden dauerhaft, es kann auch bei sinkender Förderung können die Erneuerbaren nur noch teurer werden, was wir gerade erleben.

    Übrigends: in 2012 kostet die kWh Solarstrom 30,7 ct, hierbei sind vermiedene Netzentgelte und der positive Effekt am Spotmarkt schon eingerechnet (Quelle: BDEW Energie-Info).

    Netzausbau, Speicher? Nichts zu sehen, geschweige denn in der benötigten Quantität.
    Für die Schulen gibt‘ s kein Geld zur Toilettenrenovierung oder Dachsanierung, aber Millionen für Solarmodule.

    Denk ich an Deutschland in der Nacht….

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