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Penzberg-Posse, Lucid-Fraud & Tesla verlängert mit Forscher-Team

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Die wichtigsten Cleantech News vom 26. Februar 2021 – präsentiert von Cleanthinking.de.

Table Of Contents

Windenergie: Flaute in Bayern und NRW – Vorbild Großbritannien?

In Deutschland herrscht Onshore-Windflaute. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte 2019 im Wahlkampf 100 Windräder im Bayerforst versprochen – innerhalb kurzer Zeit. Doch dank bayerischer Sonderwegs-Regelung 10H und einem Gutachten, das kein Potenzial sieht, ist bislang nichts passiert. Die Augsburger Allgemeine erzählt die ganze Geschichte rund um Söders Luftnummer (ggf. Bezahlschranke).

Auch in Nordrhein-Westfalen geht es um eine Windkraft-Studie: Diese soll zeigen, wie groß das Windkraft-Potenzial in NRW ist. Demnach sei es möglich, die Windkraft bis 2030 auf 14,6 Gigawatt auszubauen. Problem: Restriktive Abstandsregeln werden das Repowering bestehender Standorte unmöglich machen. Der Landesverband des Verbands Erneuerbarer Energien hat daher erhebliche Zweifel an den Zahlen und der Erreichbarkeit der Klimaschutzziele angemeldet.

Apropos NRW: Dort residiert der zweitgrößte Ökostromproduzent der Welt, RWE Renewables. Deren Chefin Anja-Isabel Dostenrath hat sich jetzt lobend über die Offshore-Windstrategie von Boris Johnson geäußert. Gerade hat RWE zwei Offshore-Windpark-Ausschreibung gewonnen. Offensiver gehe kein anderes Land weltweit an das Thema heran, so Dostenrath sinngemäß. Kurzum: Eine weitere Baustelle, bei der Deutschland in Sachen Vorreiterrolle Energiewende abgehängt zu werden droht.

Börse: Hat Lucid vor dem Zusammenschluss mit CCIV wichtige Infos verschwiegen?

In dieser Woche kam es zum lange erwarteten Unternehmenszusammenschluss des Elektroauto-Bauers Lucid Motors mit der Unternehmenshülle Churchill Capital IV. Kurz nach der Bekanntgabe des Deals ging der Aktienkurs rasant nach unten. Einer der möglichen Gründe: Die Bewertung lag – entgegen der zuvor geäußerten Größenordnung – nicht bei 12 oder 15 Milliarden Dollar, sondern bei 24 Milliarden Dollar. Das macht den zu verteilenden Kuchen an Aktionäre kleiner – dementsprechend fiel der Aktienkurs nach Bekanntgabe deutlich.

Nun hat Warren Redlich eine andere Meinung zum Thema Lucid-Fraud geäußert:

Demnach hat Lucid Motors kurz nach dem Deal mit CCIV am Dienstag den Auslieferungsstart des Lucid Air deutlich verschoben. Noch Anfang Februar hatte CEO Peter Rawlinson bestätigt, dass ab Frühjahr und bis Jahresende mehr als 6.000 Fahrzeuge ausgeliefert werden sollen. Nun wurde sogar der Produktionsstart ins zweite Halbjahr 2021 verschoben.

Hegen CCIV-Aktionäre die Ansicht, dass Lucid hier zu spät informiert habe, könnten dem Unternehmen juristische Konsequenzen drohen. Sollte das passieren, hätte Lucid Motors einen echten Fehlstart hingelegt.

Batterien: Tesla verlängert Zusammenarbeit mit Jeff Dahn

Wie The Driven berichtet, hat Tesla die Zusammenarbeit mit dem renommierten Batterieforscher Jeff Dahn von der Dalhousie University in Kanada um weitere fünf Jahre verlängert. Unterstützt werden soll Dahn nun Chongyin Yang und Michael Metzger als Assistenz-Professoren.

Interessante Information zu Jeff Dahn: Das Cleantech-Unternehmen Novonix, das auf die Entwicklung von Batterie-Materialien spezialisiert ist, hat verkündet, dass Jeff Dahn ab 1. Juli als Chief Scientific Advisor bei ihnen fungieren wird.

Energie: Penzberg-Posse um Marvel Fusion

Am 29. Dezember 2020 berichtete Cleanthinking über Marvel Fusion und der Traum von der laser-induzierten Trägheitsfusion. Das Cleantech-Unternehmen will sich in Penzberg, etwa 50 Kilometer südlich von München ansiedeln. In der Tat: Im Januar beschloss der Stadtrat der Stadt Penzberg, dem Unternehmen ein Grundstück zu verkaufen. Doch, so der neueste Dreh der Penzberg-Posse, seitdem herrscht Funkstille.

Offenbar hat Marvel Fusion aufgrund der Medienberichte über die geplante Ansiedlung in Bayern auch andere Standorte angeboten bekommen – und kann sich derzeit nicht durchringen, sich für das Penzberger Grundstück zu entscheiden. Ergebnis: Bis 22. März muss sich Marvel Fusion nun für den verbindlichen Kauf des 28.700 Quadratmeter großen Areals entscheiden – ansonsten wird die Zustimmung zum Verkauf durch den Stadtrat zurückgezogen, berichtet die Süddeutsche. Fortsetzung folgt.

Thermische Energiespeicher auf dem Vormarsch

Während Cleanthinking heute über die Finanzierungsrunde von Malta Inc. berichtete, hat Recharge ein hoch interessantes Interview mit Siemens Gamesa veröffentlicht. Siemens Gamesa ist nicht nur im Windsektor aktiv, sondern hat auch einen Steinspeicher entwickelt, der von Seite der Industrie zunehmend auf größeres Interesse stößt. Interessant ist die Kosten für die Energiespeicherung: Demnach kostet die Wärme-Langzeitspeicherung bis 40 bis 50 Euro pro Megawattstunde.

Mit der Technologie von Siemens Gamesa wird Strom dazu verwendet, Heizer und Gebläse anzutreiben, um 1.000 Tonnen Basaltgestein auf 750 Grad Celsius zu erhitzen. Gibt es Strombedarf, wird kalte Luft durch das heiße Stein geblasen – die heiße Luft treibt dann eine stromerzeugende Dampfturbine an. Die Wärme kann aufgrund guter Isolierung mehr als eine Woche gespeichert werden.

Klimapolitik: Bangladesh ändert Energiestrategie

Zum Abschluss noch eine Meldung aus der Rubrik Klimapolitik aus Bangladesh, die positive Auswirkungen haben könnte. Das Land will neun Kohleprojekte mit einer Kapazität von 7.461 Megawatt canceln. Der Grund: Der Import von Kohle ist für Bangladesh unerschwinglich teuer geworden, weil China einen sehr großen Deal mit Indonesien abgeschlossen hat. Indonesien war der Hauptlieferant von Kohle für Bangladesh.

Außerdem weigern sich immer mehr Banken, fossile Energieprojekte zu finanzieren. So beispielsweise die Asian Development Bank und die Asian Infrastructure Investment Bank. Auch die Staaten Japan und Südkorea, bisher die größten Finanziers solcher Projekte, ziehen sich zunehmend zurück.

Was das konkret für Auswirkungen auf die Energie- und Klimapolitik in der Region haben wird, dürfte in einigen Wochen feststehen, wenn die Regierung ihre Energiestrategie vorlegen wird. Klar ist: Die Abkehr von der Kohle in Bangladesh, verbunden mit dem Rückzieher wichtiger Finanziers könnte Signalwirkung auch für andere Entwicklungsländer haben. Die ganze Geschichte erzählt Climate Home News.

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