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Phosphor-Recycling: In Hamburg entsteht erste Großanlage

HAMBURG WASSER und REMONDIS Aqua gründen Phosphorrecyclinggesellschaft / Phosphor-Rückgewinnungsanlage entsteht bis 2020 und verbessert Ressourceneffizienz

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Innovationen und Forschung gibt es reichlich im Bereich der Phosphor-Rückgewinnung. Aber bislang hat sich keine Technologie wirtschaftlich kommerzialisieren lassen. Das wollen HAMBURG WASSER und REMONDIS Aqua nun ändern. Gemeinsam haben sie die Hamburg Phosphorrecyclinggesellschaft gegründet. Diese soll bis 2020 die nach deren Angaben weltweit erste, großtechnische Anlage zur Rückgewinnung von Phosphor errichten.

Aus 20.000 Tonnen Klärschlammasche, wollen die beiden Unternehmen 6.500 Tonnen hochreine Phosphorsäure recyceln und damit wertvolle Ressourcen schonen. In den vergangenen zwei Jahren hatten HAMBURG WASSER und REMONDIS in einem Probebetrieb die technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des TetraPhos-Verfahrens bestätigt. Nach Angaben des Recycling-Unternehmens ist das patentierte Verfahren das einzige bekannt am Markt, das Phosphor wirtschaftlich zurückgewinnt.

Die Situation rund um Phosphor ist bislang eindeutig: Deutschland importiert die Ressource zu fast 100 Prozent aus dem Ausland. Aber Phosphor ist ein wichtiger Rohstoff – die Vorkommen werden immer knapper. Die Bundesregierung hat daher vorgegeben, dass der Rohstoff in Deutschland ab spätestens 2029 aus Abwasser recycelt werden muss.

Mit der neuen Anlage nimmt die Hamburger Phosphorrecyclinggesellschaft dieses Problem frühzeitig in die Hand, trägt aktiv zur Ressourceneffizienz bei und reduziert die Umweltbelastung. Für viele deutsche Großstädte übernimmt das Klärwerk Hamburg daher eine Vorbildfunktion auf dem Forschungsfeld der Phosphorrückgewinnung. Das Projekt wird seit Herbst 2017 durch das Bundesumweltministerium gefördert.

BMBF startet Fördermaßnahme für Sekundärphosphor

Mit einer neuen Fördermaßnahme will das Bundesministerium für Bildung und Forschung  genau solche regionalen Ansätze zum Phosphor-Recycling und zur Klärschlammverwertung unterstützen. Durch innovative wirtschaftliche Lösungen soll ein Beitrag zur verstärkten Nutzung von Sekundärphosphor und zur Umsetzung der neuen Klärschlammverordnung geleistet werden, heißt es in der Bekanntmachung „Regionales Phosphor-Recycling“ (RePhoR), die am 9. März im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. RePhoR ist Teil des BMBF-Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“.

Förderanträge für die Konzeptphase sind bis spätestens 29. Juni 2018 beim Projektträger Karlsruhe (PTKA) zu stellen. Antragsberechtigt sind neben Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft auch Kommunen bzw. Abwasserverbände, die als Betreiber von Kläranlagen von der P-Rückgewinnungspflicht aus der novellierten Klärschlammverordnung direkt betroffen sind.

So funktioniert die Phosphor-Rückgewinnung

Aus dem Klärschlamm der Kläranlagen werden mit Hilfe des TetraPhos-Verfahrens Phosphor und marktfähige Sekundärrohstoffe in gleichbleibender Qualität
und Verfügbarkeit zurückgewonnen. Hierfür wird der Klärschlamm in der zum TetraPhos-Verfahren zugehörigen Monoklärschlammverbrennungsanlagen
thermisch verwertet und die Asche nasschemisch behandelt.

Hierbei wird die Asche in verdünnter Phosphorsäure gelöst. Diese Phosphorsäurelösung reichert sich dabei mit dem Phosphatanteil der Asche an und wird anschließend in Selektionsstufen gereinigt. So lässt sich RePacid-Phosphorsäure für die Herstellung von Phosphaten gewinnen. Zudem werden Eisen- und Aluminiumsalze erzeugt, welche wiederum zur Phosphat-Elimination in der Kläranlage verwendet werden können und einen zusätzlichen wichtigen Kreislauf schließen. Als weitere Wertstoffe entstehen Gips und die abgereicherte Asche für die
Baustoffindustrie.

Mehr zum Thema Phosphor und Recycling lesen Sie auch auf der Webseite von REMONDIS. Lesen Sie auch: Abwärme-Recycling als eine Technologie der Energiewende

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