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Premiere: Sattelauflieger fahren mit CargoBeamer durch den Gotthard

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Das Leipziger Cleantech-Startup CargoBeamer (mehr dazu auch hier) hat im Rahmen von Pilotfahrten auf der Lötschberg- und Gotthardachse erfolgreich ihre innovativen Waggons eingesetzt, mit denen erstmals auch nicht kranbare vier Meter hohe Sattelauflieger durch den Gotthard transportiert werden können. Bereits 2014 wird CargoBeamer erste reguläre Deutschland-Italien-Verkehre starten und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Verkehrsverlagerung im Schweizer Alpentransit leisten.

Bis zum vollständigen Ausbau aller Tunnels auf das so genannte „P400“-Profil (für vier Meter hohe Sattelauflieger) erlaubt die Gotthardstrecke nur eine maximale Eckhöhe der Trailer von rund 3,85 m. Der Alpentransit von vier Meter hohen Sattelaufliegern auf Schienen ist daher in der Schweiz bisher nur auf der Lötschberg-Achse möglich, die bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.

Dr. Hans-Jürgen Weidemann, Vorstandsvorsitzender der CargoBeamer AG: „Ich freue mich sehr, dass unser Ziel der effizienten und CO2-armen Elektromobilität für alle Sattelauflieger auch auf der Gotthard-Achse Realität wird“. Denn gerade nicht kranbare, vier Meter hohe Sattelauflieger in den verschiedensten Bauformen (Planen-Sattelauflieger, Kühlauflieger, Silo- oder Tankauflieger), dominieren die innereuropäischen Straßentransportrouten und bieten ein hohes Verkehrsverlagerungspotenzial.
CargoBeamer Gotthard Verladung
Für den Transport von Sattelaufliegern löst das Cleantech-Unternehmen mit den in 2011 entwickelten Wagen das technisch anspruchsvolle Problem: Die Sattelauflieger stehen im Waggon mit deutlich reduzierter Aufstellhöhe. Die einschränkenden „UIC“-Profile müssen aber auch im unteren Bereich des Waggons eingehalten werden – „einfach den Wagenkasten tiefer legen geht nicht“, sagt Weidemann. Der jüngst vom Eidgenössischen Bundesrat beschlossene „4m-Ausbau“ wird CargoBeamer in Zukunft zusätzlich den Transport aller MEGA Trailer auf der Gotthard Achse ermöglichen. Für bis zu 75 Prozent der rund eine Million Lkw-Fahrten über die Gotthard-Autobahn wird ab Betriebsstart der regulären CargoBeamer-Züge der Weg zur Nutzung der Schiene zu wettbewerbsfähigen Konditionen frei.
Noch in diesem Jahr wird CargoBeamer erste reguläre Deutschland-Italien-Verkehre aufnehmen; die Produktion der notwendigen Waggons ist bereits gestartet. BLS Cargo übernimmt die Traktion der Züge. Weiterer Vorteil: Für den „unbegleiteten“ Kombinierten Verkehr (UKV) Straße/Schiene sind Transportunternehmen bisher auf kranbare Ladeeinheiten angewiesen, die im „Vertikalverlad“ auf Flachwaggons gehoben werden. Der Anteil dieser Ladeeinheiten im Güterverkehr ist gering. Nur rund 5 Prozent des Straßen-Schwerlastverkehrs über den Gotthard sind mit vertikal (per Kran) verladbaren Containern, Wechselbrücken oder speziellen kranbaren Sattelaufliegern unterwegs. CargoBeamer löst auch dieses Problem: Alle – auch nicht kranbare Sattelauflieger – sind jetzt bahnfähig.

Hintergrund: Die CargoBeamer Technologie

CargoBeamer Waggons transportieren Sattelauflieger in wannenförmigen Waggonaufsätzen – in diesen kann jeder Auflieger abgestellt werden, ganz ohne jeden Umbau oder spezielle Ausrüstung für den Vertikalverlad. Ein wesentliches Hindernis der Verkehrsverlagerung wird so eliminiert. Besonderer Clou: Die Waggonaufsätze können ohne Anwesenheit des Zuges bereits mit den Sattelaufliegern vorgeladen werden, der Umschlag der beladenen Waggonaufsätze in CargoBeamer Waggons ist danach, vertikal per Kran oder mit Reach Stacker (mobile Umschlaggeräte) in allen konventionellen Terminals oder in automatisierten und energieeffizienten CargoBeamer Umschlaganlagen auch horizontal – parallel ohne Krantechnik – möglich.

Durch die Kompatibilität der Waggons mit allen Container-Kranterminals ist das bestehende, gut ausgebaute Netz der Kombi-Terminals sofort für alle Typen von Sattelaufliegern nutzbar.
In automatisierten CargoBeamer Terminals nimmt der gesamte Umschlagprozess einschließlich der üblichen Abfertigungsprüfungen weniger als eine Stunde in Anspruch, der eigentliche Umschlagvorgang dauert sogar nur 15 Minuten.

In Deutschland nutzt die Volkswagen AG diese Technik bereits erfolgreich im größten Automobilwerk Europas: Am Standort Wolfsburg kommen täglich über 1.000 MEGA Trailer mit Fertigungsmaterial für die Pkw am Werkstor an. Seit dem Betriebsstart der automatisierten CargoBeamer Umschlaganlage mitten im Werk steht diesen MEGA Trailern jetzt auch der umweltfreundliche Weg im Kombinierten Verkehr auf der Schiene offen – und wird für die Spanien- und Frankreich-Routen bereits regelmäßig genutzt.

(Dieser Beitrag über die CargoBeamer AG erschien am 20.1.2014 auf CleanThinking.de)

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