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Milliardär Heinz Hermann Thiele investiert in Cleantech-Startup Pruvia

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Pruvia GmbH entwickelt Technologie zum chemischen Recycling von Plastik.

Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, in Europa eine kohlenstoffarme, ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft zu etablieren. In Deutschland ist jetzt ein Cleantech-Startup aufgetaucht, das hierzu einen Beitrag leisten könnte. Die Pruvia GmbH aus der Nähe von Würzburg will die eigene Technologie zum „endlosen Recycling von Plastikabfällen“ kommerzialisieren. Jetzt ist mit Unternehmer Heinz Hermann Thiele ein prominenter Investor bei Pruvia eingestiegen.

Der gebürtige Mainzer Heinz Hermann Thiele arbeitete sich zum Vorstand und Hauptaktionär der Knorr-Bremse AG nach oben, war bis 2016 Aufsichtsratsvorsitzender des erfolgreichen Unternehmens, einem der weltweit führenden Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Seit dem Börsengang 2018, der einen Erlöst von 3,9 Milliarden Euro generierte, hält Thiele noch 70 Prozent der Anteile an Knorr-Bremse. Den Erlös aus dem Börsengang investiert er über eine Holding in Kultur und Unternehmen – jetzt auch in Pruvia.

Laut Wikipedia zählt Thiele, der heute in München lebt und arbeitet, zu den 100 reichsten Menschen der Welt. Forbes schätzt sein Vermögen aktuell auf 13,9 Milliarden US-Dollar – damit belegte Thiele Platz 91 auf der Liste der vermögendsten Menschen des Planeten. Neben seiner Rolle bei Knorr-Bremse war er auch Hauptaktionär der Vossloh AG.

Die Technologie von Pruvia ist als MLM-R Konzept im Markenregister eingetragen. „Mit unserer firmeneigenen MLM-R -Technologie können Kunststoffe, wie zum Beispiel Metalle oder Glas, unendlich oft recycelt werden“, wird CEO Gernot Nitz auf der Webseite des Unternehmens zitiert. Es handelt sich um ein Thermolyse-Verfahren, das aus alten Kunststoffabfällen Rohstoffe für neue Kunststoffe machen soll. Laut Webseite ist die Technologie nicht nur skalierbar 1 Tonne pro Stunde bis 8 Tonnen pro Stunde), sondern auch flexibel, sauber und kosteneffizient.

Die Technologie dürfte aus der Forschung der Technologiechefin Prof. Dr. Maria Laura Mastellone hervorgegangen sein und in bereits bei Cleanthinking vorgestellten Pyrolyse- oder Thermolyse-Verfahren nicht unähnlich sein. Jede Tonne Plastikmüll soll zu einer Vermeidung von 1.200 Kilogramm CO2 führen, so die Berechnungen von Pruvia.

Mastellone hat sich in ihrer Doktorarbeit mit der rohstofflichen Verwertung von Kunststoffe mit Hilfe von Thermolyseverfahren beschäftigt – diesen Teil ihre Karriere übrigens nicht in Italien, sondern an der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Uni Hamburg-Harburg absolviert. Insgesamt bringt sie ihre 20-jährige Erfahrung zur Umwandlung von Abfall in wertvolle Ressourcen aus akademischer und industrieller Laufbahn mit ein. Heute ist sie Professoren in Neapel im Bereich Chemieanlagenbau und verantwortet den Technologieprozess bei Pruvia.

Potenziell soll die Pruvia-Technologie allein in Deutschland in der Lage sein, 12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zu vermeiden. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob den schönen Worten dann schrittweise auch sichtbare Taten folgen werden. Cleanthinking wird die Entwicklung von Pruvia verfolgen und über Fortschritte berichten.

Thiele hat 1,5 Millionen Euro in die Pruvia im Rahmen einer Kapitalerhöhung investiert. Das entspricht einer Firmenbewertung von rund 15 Millionen Euro – das zeigt, dass das Cleantech-Startup nicht mehr weit von der Kommerzialisierung entfernt sein kann. Laut Researchgate hat das Unternehmen eine Demonstrationsanlage finanziert. Eine wissenschaftliche Auswertung wurde im Dezember 2019 im Magazin Resources, Conservation & Recycling veröffentlicht.

Vielen Dank an Arnas Bräutigam von startupdetector für den Hinweise auf diese spannende Finanzierungsrunde.

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