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Pyrum Innovations AG: Cleantech-Unternehmen recycelt Altreifen

Deutsch-französisches Technologie-Unternehmen will über einen Börsengang bis zu 45 Millionen Euro erlösen / Hohe Nachfrage

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Es war Mitte Juli 2011 als wir von Cleanthinking zum ersten Mal über ein junges deutsch-französisches Cleantech-Startup mit dem Namen Pyrum Innovations berichteten. Damals erhielt die 2007 gegründete Pyrum eine Förderung über rund eine Million Euro der EU für die eigene saubere Technologie. Denn die Dillinger wollten Altreifen zum Recycling nutzen, um einen umweltfreundlichen Kreislauf zu ermöglichen. Jetzt gibt es Neuigkeiten von der heutigen Pyrum Innovations AG.

Cleantech News / 12.1.2018. Die Fakten sind flott berichtet: Die Dillinger Pilotanlage, die aus Altreifen und anderen Gummi-Abfällen wertvolle, neue Rohstoffe und Produkte macht, läuft. Und weckt Interesse von potenziellen Kunden, beispielsweise aus der Automobil- und Zulieferer-Industrie. 300 Angebote hat die Pyrum Innovations AG rausgeschickt – immerhin fünf Anlagen sind offenbar in Planung.

Plant den Börsengang: Die Pyrum Innovations AG mit dem Thermolyse-ProzessDie Pilotanlage von Pyrum in Dillingen ist 25 Meter hoch. Dort werden Kunststoffe und Gummi-Granulat von Altreifen in die Bestandteile Öl, Gas und Koks zerlegt. Der Prozess braucht hohe Temperaturen von 700 Grad und findet unter Ausschluss von Sauerstoff statt – ist also keine Verbrennung sondern eine Thermolyse. Mit der Technologie entstehen Dämpfe, die
bei niedrigen Temperaturen zu Öl kondensieren, zu Permanentgas (gasförmige Kohlenwasserstoffverbindungen) sowie zu Koks werden. Das Unternehmen hält mehrere Patente.

Erster Pyrum-Kunde: Innovative Recycling AG

Eine davon in Sembach bei der Innovative Recycling AG. Dort entsteht nach offiziellen Angaben von Pyrum ein Recycling-Werk für 15.000 Tonnen Altreifen pro Jahr. Der Spatenstich soll 2018, die Inbetriebnahme 2019 erfolgen. Jeder Pyrum-Reaktor schafft 5.000 Tonnen pro Jahr – die Anlage besteht also aus drei solcher Technologieteile.

Alle drei Monate sind technische Wartungen notwendig – damit der komplette Prozess nicht stillgelegt werden muss, werden Anlagenteile einzeln gewartet. Das Hochfahren der Anlage dauert nach Angaben von Pyrum sehr lange und ist – im Gegensatz zum Normalbetrieb der Anlage – energieintensiv. Erzeugt die Anlage in diesem Betriebszustand Gas, reicht die daraus generierte elektrische Energie aus, um den Prozess am Laufen zu halten. Überschussenergie wird sogar ins Stromnetz eingespeist.

Pyrum Innovations AG Vorstände Pascal Klein und Julien Dossmann
Julien Dossmann …
Vorstand Pascal Klein
… und Pascal Klein

Diese Kundenanlage ist komplett finanziert. Weitere Anlagen im Südwesten Frankreichs und in Indonesien ebenfalls. Aber: Generell sind Banken sind skeptisch, ob der neuartige Thermolyse-Prozess des deutsch-französischen Unternehmens funktioniert. Das liegt auch daran, dass es bereits eine Reihe von Unternehmen in der Vergangenheit gab, die ähnliche Technologien versprachen – viele davon sind über Ankündigungen nie hinausgekommen.

Daher, so sagen die Gründer, heutigen Vorstände und 50-Prozent-Anteilseigner Pascal Klein und Julien Dossmann, scheitere manche Finanzierung für die rund 20 Millionen Euro teuren Anlagen. Eine Vorfinanzierung von Kundenprojekten wiederum kann sich Pyrum nicht erlauben. Also ist klar: Frisches Geld muss her.

Pyrum Innovations AG soll an die Euronext

Pilotanlage von Pyrum in DillingenDie Pyrum Innovations AG adressiert ein gewaltiges Problem und kann damit eine hervorragende Story zum „Going Public“ aufbauen. Denn Gummi- und Kunststoffabfälle werden in Europa und weltweit bislang oft nicht recycelt, sondern in Zementwerken verbrannt oder deponiert. Eine so verbrannte Tonne Altreifen erzeugt 2,6 Tonnen CO2.

Pyrum hingegen verwandelt diese klimaschädlichen Abfälle in wertvolle Ressourcen  – der Liter Öl kostet beispielsweise weniger als 15 Cent. Gelingt der Pyrum Innovations AG die Skalierung und der weitere Verkauf und Betrieb ihrer Anlagen, entsteht ein geschlossener Kreislauf, der wahrlich großen Impact für Umwelt und Klima hat. Dass die Technologie funktioniert, sollen unabhängige Gutachten von KIT, Steinbeis Stiftung und der TU Hamburg verifizieren.

Überzeugend fand das offenbar die Kölner Industrie Beteiligungsgesellschaft IBG, die im Jahr 2017 nach Angaben von Pyrum „mehrere Millionen Euro“ investierte, um zehn Prozent der Firmenanteile zu werben. Klein und Dossmann halten noch zirka 51 Prozent der Geschäftsanteile. 40 Prozent liegen bei „Business Angels“, die der Gesellschaft in schwierigen Zeiten durch ihr Investment unter die Arme griffen.

Die jungen Vorstände, Dossmann und Klein sind auch zehn Jahre nach der Unternehmensgründung erst Anfang 30, wollen ihre AG in Frankreich an der Euronext an die Börse bringen. Und zwar bereits im ersten halben Jahr 2018. Den Pariser Börsenplatz schätzen sie aufgrund einiger Reformen als besonders attraktiv ein. Unterstützt werden die jungen Unternehmen von einem Börsenguru namens Louis Thannberger (IPO N° 1), der nach eigenen Angaben bereits mehr als 400 Unternehmen beim Börsengang begleitet hat  – und den Börsenplatz Euronext besonders gut kennt.

Das frische Geld – Pyrum möchte zirka 40 Millionen Euro erlösen – soll für die Vorfinanzierung von weiteren Kundenanlagen, aber auch für die weitere Forschung an zusätzlichen Anwendungsgebieten verwendet werden. Denn grundsätzlich lassen sich in den Anlagen auch andere Gummiabfälle, Ölschiefer, Biomasse, Bitumen und diverse Kunststoffe verarbeiten. Weitere Einsatzgebiete perspektivisch könnten auch Farbstoffe oder Bodenverbesserer sein.

Cleanthinking-Einschätzung: Die Pyrum Innovations AG kann eine der Erfolgsgeschichten aus dem deutsch-französischen Cleantech-Markt im Jahr 2018 und den Folgejahren werden. Bevor das Unternehmen an die Börse geht, sollte es sich allerdings Gedanken über die Kommunikationsstrategie machen. Die Webseite und Präsentationen wirken ohne deutliches Facelifting semi-professionell. 

Agiert das 15-Mann-Unternehmen bis zum Börsengang auch im Hinblick auf Marketing und Öffentlichkeitsarbeit richtig, kann aufgrund der hoch interessanten Technologie, der klaren Problemlösung mit vorhandenem Geschäftsmodell mit nach Aussagen von Pyrum hoher Rentabilität ein wichtiger Beitrag zur globalen Energiewende geleistet werden. Im laufenden Jahr rechnet Pyrum mit 80 Millionen Euro Umsatz.

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