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Roland Berger schlägt privat finanziertes europäisches Infrastruktur-Wachstumsprogramm vor

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Unternehmensberater Roland Berger hat in einem bemerkenswerten Interview mit der Süddeutschen Zeitung die Idee eines privat finanzierten Infrastruktur-Wachstumsprogramms ins Gespräch gebracht. Berger geht davon aus, dass weltweit hierfür bei privaten Investoren 170.000 Milliarden Euro zur Verfügung stünden – aber gerade in Deutschland und Europa werde dieses Geld „aus ideologischen Gründen“ nicht abgerufen. Die Staaten selbst könnten das Geld für Infrastruktur-Maßnahmen in Netzausbau, Energiewende, Telekommunikation oder Abwasserversorgung nicht aufbringen.

Energiewende News / München. Roland Berger ist ein Mann der klaren Worte. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisiert der Unternehmnesberater die europäischen Regierungen harsch. Sie seien im Tagesgeschäft gefangen und würden strategisch wichtige Entscheidungen vernachlässigen, so Berger sinngemäß. Man müsse gegensteuern in Richtung Wachstum: „Die Länder der Euro-Zone nehmen 40 Prozent der deutschen Exporte ab. Schon allein deshalb liegt es im deutschen Interesse, dass die Krisenländer wieder wachsen. Tatsache ist aber auch: Diese Länder stecken in einer strukturellen Krise, nicht in einer konjunkturellen.“

Keynesianisches Wachstumsprogramm hilft nicht weiter

Daher helfe ein mit Staatsschulden finanziertes Wachstumsprogramm nach keynesianischem Muster nicht weiter. Berger: „Wir brauchen ein privat finanziertes, marktwirtschaftliches Wachstumsprogramm. Weltweit stehen dafür geschätzt 170 000 Milliarden Euro privates Vermögen bereit. Investoren suchen händeringend Anlagemöglichkeiten.“

Dabei meint Berger auch Pensionskassen oder große Versicherungen, die aufgrund der Niedrig-Zinspolitik auf der Welt, ihren Verpflichtungen kaum nachkommen können. Daher ist die Bundesregierung derzeit mit den Rückversicherern Munich Re und Allianz im Gespräch – die Versicherungen könnten die Investitionen finanzieren, die der Übertragungsnetzbetreiber TenneT nicht mehr stemmen kann oder möchte. Die Aussicht auf gute Renditen weit oberhalb der für die Verpflichtungen notwendigen Renditen, stehen gut.

Europäische Energiepolitik und Planungssicherheit

Voraussetzung für Investitionen in die Energieversorgung in Europa – speziell auch in die deutsche Energiewende – sei eine „europäische Energiepolitik und entsprechende Planungssicherheit. Beides fehlt noch“. Allein in den Bereichen Netze und Speicher sind 220 Milliarden Euro Investitionen notwendig. „Bei der Wasserversorgung und Abwasserkanalisation liegt der Investitionsbedarf in Europa bei 150 Milliarden Euro, in Deutschland alleine bei 45 Milliarden Euro. Die deutsche Infrastruktur stammt hier aus den Jahren 1948 bis 1960. Jährlich versickert ein Drittel des geleiteten Trinkwassers. Ist das nicht verrückt?“, so Roland Berger im Interview.

Grund für die Zurückhaltung sei die Ideologie, dass Infrastruktur in Europa „tunlichst“ nicht in privaten Händen liegen dürfe. „Allein bei Wasser und Abwasser liegt der Investitionsstau in einer Größenordnung von 100 Milliarden Euro. Dem Staat fehlt das Geld. Privat steht Kapital genug bereit. Es ist doch kurios: In Frankreich ist die Wasserversorgung privat, den Strom muss der Staat bereitstellen. In Deutschland muss Wasserversorgung ausschließlich staatlich erfolgen, während der Großteil der Stromversorgung durch Private bereit gestellt wird.“

Kapitalbedarf für Infrastruktur-Modernisierung: 1.000 Milliarden Euro

In Europa werde der Kapitalbedarf für Ausbau und Modernisierung von Infrastruktur auf mindestens 1000 Milliarden Euro geschätzt, so Berger weiter. Europaweit arbeitsintensive Infrastrukturprojekte, finanziert als Public Private Partnershops (PPP), könnte die Wirtschaft ankurbeln – und mit höheren Steuereinnahmen und geringeren Sozialausgaben Staatsschulden abzubauen. „Dazu müsste die Politik nur ideologischen Ballast abwerfen.“

So könnte allein der Bereich Telekommunikation (breitbandige Daten-Autobahnen) Wachstumsdynamik auslösen: „Zum einen bis zu 300 Milliarden Euro arbeitsintensive Infrastrukturinvestitionen und zum Zweiten hohe Produktivitätssteigerungen in Privatwirtschaft wie in öffentlicher Verwaltung. Und zum Dritten könnte eine europäische Informatik- und Internet-Industrie entstehen.“

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