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Unfallrisiko Pedelec? Fahrradbranche wehrt sich

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Es ist ein typisches deutsches Verhalten: Neue, innovative Technologien werden in Deutschland oftmals zunächst negativ gesehen und deren Nachteile oder mögliche Probleme breit öffentlich debattiert – bis womöglich die Technologie wieder verschwindet und erst über Umwege wieder in Deutschland Akzeptanz findet. Ein Beispiel ist das vermeintliche Problem, dass Elektroautos keine Geräusche machen und damit Fußgänger gefährden könnten. Richtig ist: Die Elektroautos sind deutlich leiser als herkömmliche PKW – die künstliche Erzeugung von Geräuschen, etwa beim An-, Langsam- oder Rückwärtsfahren aber längst kein Problem mehr und in zahlreichen Modellen bereits gang und gäbe. Dennoch: Das Problemchen, das weitgehend gelöst ist, wird immer wieder thematisiert. In anderen Ländern werden dagegen eher die Vorteile des geräuscharmen Fahrens in den Vordergrund geschoben: Gerade im urbanen Verkehr kann damit erhebliche Reduzierung von Lärm gelingen.

Immenses Unfallrisiko durch schnelle Pedelecs?

Sicherheitsrisiko Pedelec Ein anderes Beispiel ist die nun aufkommende Debatte über die Unfallgefahr mit Pedelecs, also mit Fahrrädern, die unterstützend einen Elektromotor haben. Die Ergebnisse einer Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der zugehörigen „Unfallforschung der Versicherer“ (UDV) zur Sicherheit von Elektrorädern legen eine ganz erhebliche, zusätzliche Unfallgefahr nahe. Der Lobbyverband ADFC und die Fahrradbranche hingegen kritisieren die Studie massiv.

Die GDV war nach Crashtests mit Elektrofahrrädern zu dem Schluss gekommen, dass eine erhöhte Unfallgefahr für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer bestehe. Zudem seien Fahrer der sogenannten „Schnellen Pedelecs“ meist illegal unterwegs, weil ihnen die nach Ansicht der GDV verpflichtenden Ausstattung wie Blinker, Spiegel und Abblendlicht fehle. Der ADFC bestreitet diese Rechtsauffassung.

„Die Forderung des UDV nach einer Versicherungspflicht und Mofa-Prüfbescheinigung für schnelle Pedelecs geht ins Leere“, so Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC. „Die Schnellen Pedelecs sind bereits heute versicherungspflichtig.“

Mit alleiniger Motorleistung ohne Treten erreichen sie höchstens 20 km/h und gelten damit als Leichtmofa. Der GDV fordert eine Einstufung als Kleinkraftrad, weil mit zusätzlicher Muskelkraft auch Geschwindigkeiten über 20 km/h erreicht werden können. Diese Interpretation geht jedoch fehl, weil auch bei Fahrrädern ohne Motor höhere Geschwindigkeiten möglich sind. Auch die Forderung des GDV nach einer neuen Fahrzeugklasse zwischen „Schnellen Pedelecs“ und Pedelecs kann der ADFC nicht stützen:

„Einer neuen Klasse, die mit 30 km/h nur 5 km/h mehr Höchstgeschwindigkeit bietet als ein 250 Watt-Pedelec und im Vergleich etliche Nachteile hat, räumt der ADFC am Markt keine Chancen ein“, so Huhn.

[wp_campaign_2]Die Fahrradhersteller kritisieren, dass die Darstellung der GDV unzureichend trenne zwischen den Pedelecs, die die Tretbewegung mit einem Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit bis zu 25 Kilometern in der Stunde unterstützen, und den „Schnellen Pedelecs“, die bis zu 45 Kilometern in der Stunde vom Motor unterstützt werden. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) schätzt, dass etwa 95 Prozent der verkauften Fahrräder mit Elektromotor Pedelecs sind, die rechtlich als Fahrräder gelten. Schnelle Pedelecs sind versicherungspflichtig und dürfen nicht auf Radwegen benutzt werden.

„Von hohen Unfallrisiken durch schnelle Pedelecs, wie in einer aktuellen Studie der Unfallforscher der Versicherer (UDV) beschrieben kann also keine Rede sein, denn sie stellen nur einen kleinen Anteil an der Gesamtverkaufsmenge in Deutschland dar“, so Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des ZIV.

Die Kritik des ADFC zeigt, wie inhaltsleer und jenseits der Fakten auch diese Debatte geführt wird. Natürlich ist eine Debatte über die Sicherheit bei neuen Verkehrsmitteln sehr wichtig – gut wäre aber, wenn diese auf sachlicher Ebene ablaufen würde. Das hilft den Verkehrsteilnehmern am meisten – denn dann werden keine Gräben zwischen den Beteiligten eröffnet, sondern es besteht die Chance, eine gemeinsame Problemlösung zu definieren.

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