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Zinn und Seltene Erden aus dem Erzgebirge?

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Erste Goldproduktion der Deutsche Rohstoff AG in der Georgetown Goldmine
Erste Goldproduktion der Deutsche Rohstoff AG in der Georgetown Goldmine

Cleantech & Seltene Erden News / Heidelberg, Sachsen. Das Medienecho, das die Deutsche Rohstoff AG aus Heidelberg derzeit erfährt, ist phänomenal: „Der deutsche Bergbau kommt zurück“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.12.2011), „Unter diesem Acker liegt ein Milliarden-Schatz“ (Bild.de, 30.12.2011) oder „Auf mehr als zehn Milliarden Euro schätzt die DRAG den aktuellen Wert ihrer Beteiligungen.“ (Spiegel Online, 7.11.2011) – Das junge Cleantech-Unternehmen will sich in den kommenden fünf Jahren als deutscher Rohstoff-Produzent etablieren und dabei in die Fußstapfen von Preussag oder der Metallgesellschaft treten. Die Deutsche Rohstoff AG – schon der Name alleine verrät die hohen Ziele der Gründer – setzt dabei insbesondere auf bereits weitgehend erkundete Vorkommen von Hightech-Metallen wie Zinn, Neodym und Co. – Rohstoffe, die in modernen Cleantech-Produkten wie Hybridautos, LEDs oder Solarzellen Verwendung finden. Die meisten dieser Vorkommen befinden sich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR: Im Erzgebirge in Sachsen könnte eine neue Bergbau-Zeit begründet werden.

Gründer der Deutsche Rohstoff AG: Dr. Gebel und Dr. Gutschlag

Dr. Titus Gebel, Vorstand Deutsche Rohstoff AG
Dr. Titus Gebel, Vorstand Deutsche Rohstoff AG

Gegründet wurde die Deutsche Rohstoff AG von den heutigen Vorständen, Jurist Dr. Titus Gebel und Volkswirt Dr. Thomas Gutschlag, ehemals Direktor der Deutschen Börse. Sie lernten sich bei der Vorbereitung für einen Börsengang einer kanadischen Rohstoff-Gesellschaft kennen – der Deal platzte, die Idee für die gemeinsame Firmengründung in der Heimat Deutschland war jedoch geboren. Im kommenden Jahr soll der Börsenwert auf 100 Mio. Euro steigen – bis 2015 halten die Gründer eine Verzehnfachung für nicht unrealistisch.

Die herausragenden Zukunftsaussichten des Unternehmens liegen im Grunde bereits in den 1970er Jahren: damals erkundete die DDR u.a. die Rohstoffvorkommen des Erzgebirges auf der Suche nach Uran und entdeckte die heute so wertvoll gewordenen Hightech-Metalle wie Seltene Erden (Promethium, Cer, Lanthan), Indium., Gallium, Cobalt und Zinn.

Dr. Thomas Gutschlag, Vorstand der Deutsche Rohstoff AG
Dr. Thomas Gutschlag, Vorstand der Deutsche Rohstoff AG

Preis für Zinn steigt auf 24.000 Euro je Tonne

Doch nach der deutschen Wende wurde durch den im Rahmen der Globalisierung möglich gewordenen Zugriff auf Rohstoffe aus China der Rohstoffabbau in Deutschland komplett eingestellt: Die Preise waren im Keller und der Abbau in Deutschland lohnte sich nicht mehr. Doch inzwischen ist der Rohstoffhunger im größten Förderland China so gestiegen, dass auch die Preise für Zinn und Co. in völlig anderen Dimensionen liegen. Der Zinnpreis etwa stieg in diesem Sommer auf 24.000 Euro je Tonne – vor 20 Jahren – und auch noch 2004 – lag der Zinnpreis noch bei 5.000 Euro pro Tonne. Aktuell kostet die Tonne Zinn rund 15.000 Euro.

Für Experten gilt der deutsche Ausstieg aus der Rohstoffförderung  heute, 20 Jahre danach, als großer industriepolitischer Fehler.

Ein Fehler von dem heute und vor allem in Zukunft die Deutsche Rohstoff AG profitiert. Denn bei einem der Vorkommen, die damals erkundet wurden und auf die das junge Unternehmen heute Zugriff hat, handelt es sich um die Lagerstätte Storkwitz bei Leipzig. Seit 2006 hat die Deutsche Rohstoff AG systematisch damit begonnen, die alten Erkundungsergebnisse der Lagerstätte, die sich in rund 400 Meter Tiefe befindet, systematisch auszuwerten und das Schürfrecht zu beantragen. Dieses wurde im September 2008 vom Sächsischen Oberbergamt verliehen.

Der Gehalt an Seltenen Erden in der Lagerstätte Storkwitz soll bei 3,55 Prozent liegen und derzeit rund 1,5 Milliarden US-Dollar Wert sein. Insbesondere der Anteil an Yttrium ist hoch. Insgesamt sollen sich in Storkwitz Seltene Erden Elemente (SEE)  von 41.600 Tonnen befinden.

Ergebnis einer Probebohrung der Deutsche Rohstoff AG
Ergebnis einer Probebohrung der Deutsche Rohstoff AG (Alle Bilder: DRAG)

Insgesamt treibt die Deutsche Rohstoff AG derzeit in Deutschland mehrere Vorhaben voran, Hightech-Metalle aus einst fast vergessenen Lagerstätten zu fördern. Die Vorhaben der Deutschen Rohstoff AG in Storkwitz ist eines von mehreren Bergbauprojekten im Erzgebirge, die derzeit durch Bohrungen und Prüfungen erkundet werden.

Aufgrund der weltweiten Knappheit und der damit in Verbindung stehenden hohen Weltmarktpreise für SEE und andere Hightech-Metalle stehen die Aussichten des Heidelberger Unternehmens gut. Neben den veränderten Rahmenbedingungen durch die Preise hat sich auch die Bergbau-Technologie weiterentwickelt, so dass sich auch die Kosten und Möglichkeiten der Förderung und der Nutzbarmachung der Metalle verändert haben.

Doch bei aller Euphorie: Geduld der Anleger – das Unternehmen ist an der Börse notiert – ist weiterhin gefragt. Der Abbau von Zinn in der Nähe des Dorfes Gottesberg im Erzgebirge ist schon zwei Schritte weiter als die Planungen in Storkwitz – dennoch wird es – wenn alles nach Plan läuft – noch drei Jahre dauern, bis im Erzgebirge Zinn in größeren Mengen abgebaut werden kann. Probebohrungen wurden kürzlich begonnen. 180.000 Tonnen Zinn sollen im Erzgebirge zu finden sein: Die aktuelle Jahresproduktion auf der ganzen Welt liegt bei 350.000 Tonnen. Das Vorkommen hat einen Wert von 3,6 Milliarden Euro.

BASF an Deutscher Rohstoff AG beteiligt

Insgesamt sind die Vorkommen von Zinn und Co im Erzgebirge klein – für Großkonzerne wäre daraus kaum ein einträgliches Geschäft erwachsen. Für die Deutsche Rohstoff AG, die in Heidelberg lediglich 20 Mann beschäftigt, sind die Vorhaben eine wahre Goldgrube. Durch Beteiligungen, u.a. von BASF (BASF hält sieben Prozent), und den Börsengang sammelte das Unternehmen in den vergangenen Jahren der Recherche einige Millionen ein – Geld, das sich in den kommenden Jahrzehnten als renditeträchtig erweisen muss.

Technologie in der Nähe der Wolfram Camp Mine der Deutschen Rohstoff AG
Technologie in der Nähe der Wolfram Camp Mine der Deutschen Rohstoff AG

Erste Erfolge im Ausland kann die Deutsche Rohstoff AG bereits vorweisen: Im Dezember begann die Deutsche Rohstoff AG planmäßig mit der Produktion von Wolfram-Konzentraten in der Wolfranm Camp Mine im australischen Queensland.

In der Georgetown Goldmine in Australien baut das Unternehmen Gold und Silber ab: Die Gesamtproduktion belief sich in den ersten neun Monaten 2011 auf 11.892 Untzen Gold und 6.415 Unzen Silber. Auch im Bereich Öl und Gas ist die Deutsche Rohstoff AG in Deutschland aktiv: 2011 wurden Anteile an der Tochter Rhein Petroleum GmbH verkauft, um übrige Ressourcen-Projekte zu finanzieren.

Für 2011 wird mit einem Nettoergebnis von mindestens 10 Mio. Euro ausgegangen. Schon 2012 sollen Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert werden.

Klar ist: Die Vorhaben der Deutschen Rohstoff AG sind noch lange nicht am Ziel und sichern nicht über Jahre den Nachschub an Seltenen Erden etwa für die europäische Industrie. Vielmehr dürften die Vorkommen einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Konzerne wie BASF oder Siemens sicheren Zugriff auf bestimmte Metalle erhalten und somit an Planungssicherheit und Unabhängigkeit gegenüber China gewinnen. Hierfür das Bergbau-Werkzeug im Erzgebirge wieder auszupacken dürfte eine lohnenswerte Entwicklung sei. Denn wer weiss, was sich unterhalb der bekannten Vorkommen noch so an erzgebirgischen Schätzen befindet…

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% S Kommentare
  1. Glückauf sagt

    So lange China weiter wächst wird der hunger nach mineralischen Rohstoffen eher steigen als sinken und somi auch der Preis. Ich gehe davon aus das der deutsche Erzbergbau in den nächsten Jahren zurück kommt. Daran wird die DRAG sehr gut verdienen!

  2. […] Effizienz News / Heidelberg, Chemnitz. Die Deutsche Rohstoff AG meint es wirklich ernst mit dem Abbau von Seltenen Erden im sächsischen Erzgebirge. Heute gab das Heidelberger Cleantech-Unternehmen die Gründung Seltenerden Storkwitz AG bekannt. […]

  3. G.R. sagt

    Meiner Meinung nach ist die Deutsche Rohstoff AG zur Zeit eines der interessantesten Unternehmen auf dem deutschen Börsenparkett, an dem sich jeder Interessierte beteiligen kann.
    Der geschätzte Wert der Rohstoffe, für die sich die DRAG die Explorationsrechte gesichert hat (Zinn und Seltene Erden) bzw. schon die Schürfrechte ( für Gold und Wolfram) nutzt, beträgt ca. 10Mrd€. Dabei wird die DRAG zur Zeit noch mit nur ca. 62 Mio€ bewertet. Und das, obwohl 2011 vorraussichtlich mehr als 10Mio€ Gewinn vor Steuern erwirtschaftet wurden und der Vorstand einen weiter steigenden Umsatz und Gewinn für 2012 angekündigt hat.

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