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Bio-LNG: Shell startet Offensive zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs

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Tankstellenbetreiber Shell erweitert LNG-Tankstellen um 35 bis 40 Standorte bundesweit.

Die Deutsche Energie-Agentur empfiehlt seiner geraumer Zeit sogenanntes Bio-LNG für die Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs. Jetzt hat der Tankstellenbetreiber Shell eine Offensive mit dem CO2-neutralen LNG-Kraftstoff angekündigt. Demnach soll das LNG-Stationsnetz von Shell auf 35 bis 40 Standorte bundesweit erweitert werden. So sollen die CO2-Emissionen im Schwerlastverkehr um eine Million Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Shell möchte in erster Linie Bio-LNG einsetzen – und hierzu Biomethan aus Gülle, landwirtschaftlichen oder kommunalen Abfällen verwenden. Zur Initiative zählt auch, dass Shell die eigene Tankwagenflotte auf LNG umstellen möchte, um die gesamte Wertschöpfungskette zu dekarbonisieren.

Neben Bio-LNG bietet Shell unter anderem synthetischen Diesel aus Erdgas (GTL), komprimiertes Erdgas (CNG) und Dieselkraftstoff mit 33 Prozent regenerativen Komponenten (R33 Blue Diesel) an seinen klassischen Tankstellen an. Daneben unterstützt das niederländische Unternehmen auch den Aufbau von Wasserstoff- und Batterieladeinfrastruktur.

Laut einer Studie von Thinkstep kann Bio-LNG, das aus Biomethan aus organischen Abfällen oder erneuerbaren Energien besteht, den CO2-Fußabdruck auf volle CO2-Neutralität im Durchschnitt reduzieren. Bei klassischem LNG werden die Treibhausgasemissionen (inkl. Methan) von schweren LKW um 22 Prozent reduziert im Vergleich zu konventionellem Diesel. LNG-Fahrzeuge sind grundsätzlich beliebt bei Speditionen: Sie fahren leiser als vergleichbare Dieselfahrzeuge.

LKW-Hersteller wie Iveco begrüßen die Initiative von Shell, um als Übergangslösung im begonnenen Jahrzehnt die Treibhausgasemissionen im Schwerlastverkehr zu reduzieren: „Mit diesem Kraftstoff nutzt die Motorentechnologie der Iveco NP-Trucks, um zumindest für das kommende Jahrzehnt die beste Treibhausgasvermeidung für Straßenverkehrslösungen zu realisieren.“ Auch Scania sieht Bio-LNG als wichtigen Ansatz, um den Fahrzeugbestand sauberer zu machen.

Dieser massive Ausbau des europäischen Biogasverteilungsnetzes wird Flüssigbiogas aus Sicht des Speditionsbetreibers für den Schwerlast-Langstreckenverkehr zur wettbewerbsfähigsten Alternative zum Diesel machen.

Emanuel Lauf, Director New Vehicle Sales bei Volvo Trucks in Deutschland

Die Kohlenstoffintensität von Biomethan variiert allerdings je nach Ausgangsmaterial stark und (gemäß der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union II) beträgt zwischen -89 gCO2/MJ und +50 gCO2/MJ. Durch die Mischung von Biomethan und fossilem Methan unterschiedlicher Kohlenstoffintensitäten ist Shell in der Lage, LNG-Kraftstoff mit einer durchschnittlichen Kohlenstoffintensität von 0 gCO2/MJ oder weniger für seine Kunden im Schwerlasttransportsektor anzubieten. Eine Einsparung von bis zu eine Millionen Tonnen CO2 ist z.B. erreichbar, sofern das verwendete Biomethan vornehmlich aus Gülle hergestellt wird.

Zu den nächsten Standorten im Bauprogramm von Shell für LNG-Tankstellen in Deutschland gehören vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen Recklinghausen, Hermsdorf, Kirchheim/Teck, Weinsberg und der Raum Köln in den kommenden Monaten. Weitere sollen zügig folgen, soweit es die Verfahren zulassen. Mögliche Standorte für die geplante Gas-Verflüssigungsanlage werden derzeit geprüft, um bald mit den notwendigen Bewertungen, Genehmigungsanträgen und einer angemessenen Öffentlichkeitsbeteiligung zu beginnen. 

Die Initiative für LNG bzw. Bio-LNG ist sehr zu begrüßen, vorausgesetzt der Konzern ruht sich nicht auf der Lieferung von LNG aus, sondern versucht möglichst viel Bio-LNG einzusetzen. Dann spielt das Unternehmen den großen Vorteil von Gasen gegenüber Kohle und anderen Energieträgern aus: Es ist leichter sauber oder grün zu bekommen. Angesichts der nach wie vor steigenden CO2-Emissionen in einer bislang gescheiterten Verkehrswende, ist jeder großskalige Ansatz willkommen.

Wichtig ist aber, dass das nichts an der Notwendigkeit ändert, Transport auf die Schiene zu verlagern bzw. diese zu vermeiden. Darin liegt der größtmögliche Impact für die Erreichung der Klimaziele.

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