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SolarCloud: Energiekonto kontraproduktiv für Energiewende?

Energieversorger E.ON mischt den Photovoltaik-Markt mit seiner SolarCloud auf - aber rechnet sich das Angebot?

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Der Energieversorger E.ON ist mittlerweile recht ambitioniert bei der Definition von neuen Geschäftsmodellen, die zur künftigen, digitalen und dezentralen Energiewelt passen. Dennoch wirft das neue Angebot der SolarCloud, dem „Solarstrom-Selbstversorgung ohne Speicher“, einige Fragen auf. Nach allem, wie ich das Produkt verstehe, ist es eher kontraproduktiv für die Realisierung der Energiewende. Das ist schade – denn das Energiekonto an sich ist eine gute Idee.

Energiewende News / 2.2.2018. E.ON hat schon seit einiger Zeit die E.ON SolarCloud in der Vermarktung. Damit ist eine Art virtueller Stromspeicher gemeint, der sich immer dann füllt, wenn der heimische Stromspeicher, bei E.ON Aura von Solarwatt, durch die Dach-PV voll ist und der überschüssige Strom ins Netz, also in die SolarCloud eingespeist wird.

Jetzt bietet E.ON die SolarCloud allen Besitzern von Photovoltaikanlagen ab einem Basispreis von 30,99 Euro an. Und der Energieversorger verspricht, dass sich die Hausbesitzer damit im Sommer ein Guthaben für den Winter aufbauen können. Es entsteht also eine Art Energiekonto, für dessen Verwaltung der Kunde 30,99 Euro im Monat bezahlt.

Kurzum: der PV-Besitzer speist überschüssige Energie im Sommer ins Netz, ohne dafür eine Vergütung zu erhalten. Im Winter holt er die gleiche Menge zurück, ohne Kosten hierfür.

Der Haken: das Energiekonto SolarCloud von E.ON rechnet sich nicht

Nehmen wir einen Kunden, der eine PV-Anlage mit 3,7 kWp hat. Er hat einen Stromvertrag für 28 Cent je kWh und bekommt eine Einspeisevergütung von 12 Cent je kWh. Er hat 3.000 kWh Stromverbrauch pro Jahr. Sein Eigenverbrauch liegt bislang bei 30 Prozent.

Dieser Kunde entschließt sich, die Lösung SolarCloud von E.ON zu beziehen, in der Hoffnung, dann 100 Prozent Eigenstrom nutzen zu können. Bedeutet für ihn zusätzliche Kosten von ca, 360 Euro pro Jahr. Gleichzeitig verzichtet er bei den 2.000 kWh, die er ins Netz einspeist auf die Einspeisevergütung: Damit verzichtet er auf 240 Euro. Sein Gesamtaufwand liegt also bei 600 Euro.

Im Gegenzug bekommt er die gleiche Menge Strom wieder zurück und nutzt diese im Winter. Er spart also bei seinem Stromvertrag 560 Euro ein. In der Summe legt dieser Kunde also für das trügerische Gefühl, 100 Prozent Eigenstrom zu nutzen, 40 Euro zusätzlich auf den Tisch pro Jahr.

Kontraproduktiv für die Energiewende?

Aus meiner Sicht ergeben sich zudem für die möglichen E.ON-Kunden Anreize, die für die Energiewende aus volkswirtschaftlicher Sicht kontraproduktiv sind.

Effekt 1: Es werden weniger Stromspeicher installiert, wodurch die Belastung für die Netze wieder steigt. Diese können aber jede Entlastung gebrauchen.

Effekt 2: Es entsteht der Anreiz, im Sommer möglichst wenig Energie zu verbrauchen, um mehr Geld auf das Energiekonto SolarCloud einzuzahlen. Dadurch wird mehr Energie eingespeist, was gerade an sonnigen Tagen dazu führen kann, dass die ohnehin schon teilweise negativen Strompreise noch negativer werden.

Die SolarCloud von E.ON hat aus meiner Sicht also zwei fundamentale Probleme. Wenn man wirklich das Modell einer Bank, also eine Energiebank, kopieren wollen würde, müsste der Kunde, der den Strom anlegt, eine Verzinsung dafür bekommen. Jede zusätzliche Kilowattstunde würde helfen, dass auch die Gesamtbilanz ausgeglichen sein kann: denn gerade bei Besitzern von Heizstäben oder Wärmepumpen wir die überschüssige Energie des Sommers nicht für den Winter ausreichen. Eine Verzinsung wäre also zumindest ein finanzieller Anreiz.

Mehr zum Produkt gibt es auch bei E.ON auf der Webseite.

Außerdem müsste E.ON meines Erachtens nicht nur bilanziell Ökostrom zum Kunden bringen, sondern zusätzlich in Erneuerbare Energien investieren. Nur zusätzliche, neue Anlagen helfen mit, das die Energiewende gelingt. Werden keine zusätzlichen EE-Anlagen errichtet, wird in Wahrheit der Strommix geliefert – und der besteht im Winter überwiegend aus Kohlestrom.

Ob sich die SolarCloud für E.ON selbst rechnet, ist die große Frage. Da sind mir die Prozesse aber nicht klar, daher wage ich dazu keine Aussage.

Was meinen Sie: Ist das ein Angebot, das überzeugt und die Energiewende voranbringt?

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