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Gebäudeintegierte Photovoltaik: Ein Solardach für’s Museum

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Schifffahrtsmuseum
Quelle der Fotos: RGZM

Gebäudeintegrierte Photovoltaik News / Mainz. Beim Umbau alter Gebäude wirft der Einsatz moderner Versorgungs- und Energietechnik viele bautechnische und ästhetische Fragen auf. Insbesondere das Einbetten von Photovoltaik in den Baukörper ruft noch immer viele Skeptiker auf den Plan. Dass in der gebäudeintegrierten Photovoltaik (GIPV) auch für historische Gebäude große Chancen liegen, belegt der geglückte Umbau des Museums für Antike Schiffahrt in Mainz.

Die Installation von Photovoltaik in alte Gebäude erscheint vielen deswegen so konfliktreich, weil die meist großflächigen und reflektierenden PV-Module eine Störung der Gebäudeästhetik vermuten lassen. Die noch relativ junge Solarindustrie hat sich dazu jedoch schon eine Menge Lösungen einfallen lassen. Mittlerweile gibt es sogar Unternehmen, wie die Soltecture GmbH und die Odersun AG, die sich allein auf das Entwickeln und Herstellen von Systemlösungen für Solararchitektur konzentrieren.

Um zu entscheiden, ob das Integrieren von PV in historischem Bestand geglückt ist oder nicht, muss man berücksichtigen, dass die Bauwerke in ihrer Geschichte meist mehrfach verändert worden sind. Dieses Recht sollte also auch für heutige Baumaßnahmen gelten. Die Strategie beim Einsatz von PV in historischen Bauten kann ganz unterschiedlich sein. Dafür gibt es drei grundlegende Ansätze: Entweder werden die PV-Module versteckt oder sie erscheinen ganz deutlich sichtbar als neue Bauteile und markieren damit eine neue Zeitschicht des Gebäudes. Die dritte Strategie schreibt die Bautradition fort, indem die PV-Module harmonisch in die vorhandene Substanz eingefügt werden.

Museum für antike Schifffahrt in MainzBeim Umbau und der Sanierung des Museums für Antike SchifFfahrt in Mainz hat sich der Architekt Ralph Schulte für den dritten Weg entschieden. Ursprünglich wurde die Halle 1870 als Lokomotiv-Reparaturwerkstatt erbaut. Von 1929 bis 1989 diente sie als Großmarkt und beherbergt seit 1994 das Schifffahrtsmuseum. Für diesen Zweck wurden vor rund 20 Jahren die Ziegel gedeckten Dachreiter entfernt und durch eine rund 2.000 qm große Oberlichtverglasung mit Sonnenschutzglas ersetzt. Eine Fehlplanung, wie sich rasch zeigte: Das einfallende Sonnenlicht blendete die Besucher, heizte die Halle übermäßig auf, zerstörte das organische Material der Exponate und störte ganz empfindlich den szenischen Aufbau der Ausstellung.

Bei der Suche nach einer Lösung dieser Probleme wurde Schulte bei der SCHOTT AG fündig. Das halblichtdurchlässige PV-Modul ASI THRU kann viel mehr, als Strom erzeugen. Schulte: „Die semitransparenten Module von SCHOTT erfüllen gleich mehrere technische und ästhetische Funktionen: Sie reduzieren den Tageslichteinfall, halten dabei aber auch den Kontakt zur Außenwelt aufrecht. Außerdem ersetzen sie eine Klimaanlage, da sich der Innenraum nicht mehr aufheizt. Die Abdunkelung schützt die Exponate und erlaubt nun endlich spannende Inszenierungen mit künstlichem Licht. Last but not least machen der hohe Dämmwert der Scheiben und die Erzeugung von Solarstrom das Dach energetisch doppelt effizient.“

Ein genaues Bild von der Planung und Umsetzung des Solardachs vermittelt Ralph Schulte am 8. November auf dem Kongress Bauhaus.SOLAR in Erfurt. Dort diskutieren vom 8. bis zum 9. November 2011 Experten aus Solarindustrie, Architektur und Wissenschaft den heutigen Stand und zukünftige Trends des solaren Bauens (www.bauhaus-solar.de). Bis zum 13. Dezember müssen sich noch die Besucher des Mainzer Schifffahrtsmuseums gedulden: Dann wird der erste Abschnitt der Ausstellung wieder für den allgemeinen Publikumsverkehr zugänglich sein.

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