Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Werbung

Stromintensive Industrie: Alu-Hersteller aus Norwegen setzt auf Deutschland

1 108

Privaten Stromverbraucher in Deutschland subventionieren durch den Umlagemechanismus nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zunehmend die stromintensive Industrie. Der norwegische Aluminium-Hersteller Norsk Hydro hat nun angekündigt, die Produktion am Standort Neuss wieder hochzufahren, u.a. wegen des günstigeren Strombezugs. Wie das Handelsblatt (Ausgabe vom 5.9.2012) schreibt, sei dies ein Beispiel dafür, dass der Boom der erneuerbaren Energien den stromintensiven Industrien wie z.B. der Aluminium-Herstellung Vorteile verschaffe.

Norsk Hydro baut Aluproduktion in Deutschland aus – trotz energieintensiver Produktion (Bild: Øyvind Breivik)

Cleantech News / Neuss, Düsseldorf. Norsk Hydro hat die Aluminium-Produktion in Neuss seit 2009 nur auf einem niedrigem Niveau von 50.000 Tonnen pro Jahr betrieben. Nun wolle man einige der stillgelegten Produktionsanlagen in Neuss im Verlauf des ersten Halbjahres 2013 wieder in Betrieb nehmen und damit die Erzeugung auf rund 150.000 Tonnen pro Jahr steigern. Wesentliche Voraussetzung dafür sei der Abschluss eines langfristigen Stromliefervertrages mit dem Versorger Vattenfall, heißt es Medienberichten zufolge.

Über den konkreten Strompreis, den Vattenfall und Norsk Hydro vereinbart haben, wurde nichts bekannt, doch dürfte dieser sich u.a. auch an den Strompreisen der Börse orientieren. Und die sind im vergangenen Jahr kräftig gesunken. Als Hauptgrund für die sinkenden Strompreise gilt die zunehmende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Dieser Strom aus Wind-, Solarenergie und Co. wird über die Strombörse verkauft und drückt derzeit den Preis nach unten. Das führt wiederum zu einer höheren EEG-Umlage, die auf die sog. nicht priveligierten Letztverbraucher umgewälzt wird. Doch die stromintensiven Industrien wie beispielsweise die Aluminium-Industrie sind von der Beteiligung an der EEG-Umlage weitgehend ausgenommen. Sie zählen zu den privilegierten Letztverbrauchern. Norsk Hydro profitiert also einerseits von sinkenden Strompreisen und andererseits von der Ausnahmeregelung bei der EEG-Umlage.

Funktionsweise des EEG-Vermarktungs-Mechanismus

Die EEG-Umlage funktioniert wie ein Fonds mit Ausgaben und Einnahmen. Die Vergütungszahlungen an die Betreiber sind die Bruttoausgaben (in 2011: rd. 16,4 Mrd. Euro). Einnahmen entstehen aus den Verkaufserlösen für den EEG-Strom an der Strombörse (in 2011 laut EEG-Umlagekonto rd. rd. 4,4 Mrd. Euro). Die EEG-Umlage setzt sich grob aus den Vergütungszahlungen (Ausgaben), vermindert um die Verkaufserlöse (Einnahmen) zusammen, und beträgt für 2011 etwa 12 Mrd. Euro (vereinfachte Darstellung). Aus diesem Grund führt auch ein sinkender Strompreis an der Börse, was durch die zunehmende Vermarktung von EEG-Strom über die Börse derzeit feststellbar ist, paradoxerweise zu einer Erhöhung der EEG-Umlage.

Als weitere Faktoren für die exakte Ermittlung der EEG-Umlage spielen noch eine vorzuhaltende Liquiditätsreserve sowie der Verlustvortrag aus dem Vorjahr eine Rolle. Der umzulegende Betrag für die Förderung erneuerbarer Energien wird durch die Ausnahmeregelungen für die Industrieverbraucher auf immer weniger Letztverbraucher verteilt und steigert die EEG-Umlage je kWh.

(Quelle: IWR)
Das könnte dir auch gefallen
1 Kommentar
  1. Sehr geehrter Herr Jendrischik,

    leider unterstellt der HB-Bericht, auf dem Ihr Artikel aufbaut, einen sachlich falschen Zusammenhang. Wir haben einen Vertrag zu festen Preiskonditionen abgeschlossen. Wir profitieren in keiner Weise von der Fluktuation des Strom-Börsenpreises, entgegen einer sich zurzeit verbreitenden Mutmaßung, die Sie wiedergeben.
    Es mag wohl sein, dass infolge der zwangsweisen Vorrangeinspeisung für erneuerbare Energien, die zeitweise mit dem nicht abschaltbaren Grundlaststrom für ein Überangebot an Strom und entsprechend fallende Kurzfristpreise sorgt, Spotpreise sehr niedrig, stundenweise sogar – aber das ist keine brauchbare Basis für unseren Betrieb. Unsere Hütte braucht über mehrere Jahre rund um die Uhr verlässlich und zu verlässlichen Konditionen immer gleichen Strom, mithin Grundlaststrom.
    Unsere Hütte hatten wir trotz dauerndern Verlust nur deshalb nicht geschlossen, sondern im Notbetrieb aufrecht erhalten, und die Mitarbeiter nicht entlassen, weil wir einerseits den Versprechen der Politik vertrauen, dass sie die Zusatzkosten auf den Strompreis nicht so ausgestalten wolle, dass dies die deutsche Grundstoffindustrie in Zwangsschließung, Ruin oder Auslandsverlagerung treibt; andererseits macht diese Hütte auch in den künftigen Preiszusammenhängen nur Sinn, um unsere Walzwerke im gleichen Landkreis (Neuss) zu beliefern.
    Wir haben auch deutlich gemacht, dass unsere Entscheidung unter dem Vorbehalt steht, dass die Minderbelastung mit CO2-Kosten im Strompreis, wie von Bundesregierung gewollt und EU verfügt, auch tatsächlich kommt.

    Mit besten Grüßen,
    Michael Peter Steffen, Leiter Kommunikation, Hydro Aluminium Rolled Products GmbH, Grevenbroich

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More