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Strompreise steigen: Was sind die Gründe?

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Fünf Wirtschaftsforschungsinstitute beurteilen den Wettbewerb auf dem Energiemarkt (Grafik: energlobe.de, Denny Rosenthal)
Fünf Wirtschaftsforschungsinstitute beurteilen den Wettbewerb auf dem Energiemarkt (Grafik: energlobe.de, Denny Rosenthal)

Im ersten Halbjahr 2010 sind die Strompreise für Haushaltskunden um 2.1 Prozent gestiegen. Zeitgleich berichtet das Nachrichtenmagazin Focus unter Berufung auf eine Mittelung des Bundeskartellamts, dass die Strompreise auch im kommenden Jahr deutlich steigen werden. 2011 sei „voraussichtlich“ mit höheren Strompreisen zu rechnen – wichtigster Grund hierfür sei der massive Ausbau der Solarenergie. So dürfte die Umlage – nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf Regierungskreise beruft – im Jahr 2011 um 1,4 Cent auf 3,5 Cent pro KWh steigen – ein Plus von mehr als 70 Prozent, das nach Angaben des Focus vor allem mit dem starken Ausbau der Photovoltaik-Anlagen zusammenhängt. Neben dem Kartellamt gehen auch die Vertreter von fünf Wirtschaftsforschungsinstituten, die vom Energiemagazin energlobe.de befragt wurden, von steigenden Preisen aus – die Gründe, die Vertreter RWI, ZEW, IW, DIW und IWH dabei angeben, sind jedoch unterschiedlich und differenziert.

Unter den Wissenschaftlern gibt es – das zeigt die Umfrage von energlobe.de eindeutig – zwei Gruppen: Die eine Gruppe sieht die regenerativen Energien als hauptsächlichen Kostentreiber, während die andere Gruppe insbesondere den mangelnden Wettbewerb und die Vormachtstellung der vier großen Energiekonzerne RWE, Vattenfall, EnBW und E.On als Hauptgrund für steigende Preise angeben.

Kemfert und Ehrenfeld kritisieren fehlenden Wettbewerb

Claudia Kemfert, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte, sie halte die EEG-Umlage für preistreibend. Auf die Anklagebank des größten Kostenverursachers setzt Kemfert hingegen Energieversorger und Wettbewerbsaufsicht: „In der Summe müssten Strompreise in etwa konstant bleiben – wenn wir ausreichend Wettbewerb hätten.“ So hätten sich die Stromgroßhandelspreise in den vergangenen zwei Jahren deutlich verringert – bei den Verbrauchern angekommen seien diese Veränderungen jedoch nicht.

Wilfried Ehrenfeld vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) glaubt wegen der Wettbewerbssituation nicht, dass längere Laufzeiten der AKW zu Preissenkungen führten. Ehrenfeld rechnet zudem damit, dass die Versorger auch in Zukunft den Preis für CO2-Zertifikate an den Endkunden weitergeben werden. Ab 2013 tritt hier eine Gesetzesänderung in Kraft: Dann müssen die Energieunternehmen die Zertifikate im europäischen Emissionshandel selbst ersteigern. Bislang bekommen die Firmen diese zu 90 Prozent staatlich und kostenlos zugeteilt.

Frondel, Mennel und Bardt sehen EEG als Haupttreiber

Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet eine Kostensteigerung auf drei Cent je KWh. Dabei sei das EEG „einer der Haupttreiber“ des Strompreises. Eine ähnliche Meinung vertritt Tim Mennel vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Mennel geht allerdings davon aus, dass die Einspeisevergütung stärker sinken wird, als im Gesetz zunächst vorgesehen.

Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bemängelt ansatzweise die Haltung der Verbraucher, die kaum bereit seien, den Anbieter zu wechseln. Nur 30 Prozent der Kunden prüften – zumindest gelegentlich – ob es sich für sie rechnen könnte, den Stromanbieter zu wechseln.

Wie dem auch sei: Die Informationen des Kartellamts und der großen Wirtschaftsforschungsinstitute verheißen für den Verbraucher weiterhin nichts Gutes: Weil die Strompreise steigen werden, sind Anstrengungen im Hinblick auf Energieeffizienz und Energiesparen immer wichtiger. Der „Druck“, der über die Preisanstiege ausgelöst wird – vielleicht kann er gesamtgesellschaftlich sogar einen positiven Effekt erzielen. Forscher wie Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut fordern seit langem steigende Strompreise, um die Maßnahmen für Energieeffizienz vorantreiben zu können.

1 Kommentar
  1. Thorsten sagt

    Solange die höheren Strompreise mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zu rechterfigen ist, kann ich damit leben. Thorsten

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