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Strompreise steigen: Wie sollten Verbraucher reagieren?

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Wechsel zu echtem Ökostromanbieter reduziert Kosten trotz steigender Strompreise.

Die Strompreise für Verbraucher sind in Deutschland auf ein Rekordniveau gestiegen. Laut Verpracherpreisindex des Vergleichsportals Verivox liegen die Kosten nun bei durchschnittlich 30,01 Cent pro Kilowattstunde – 4,1 Prozent mehr. Die Entwicklung zeigt: Es wird Zeit, sich als Verbraucher damit auseinanderzusetzen. Handlungsoptionen gibt es einige.

Die Umweltorganisation ROBIN WOOD hat sich ganz aktuell die Ökostromtarif-Angebote angesehen und nach strengen Kriterien überprüft. Demnach dürfen empfohlene Anbieter ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen verkaufen, sie sollten unabhängig von der Kohle- und Atomindustrie sein und die Energiewende zusätzlich durch den Bezug von Strom aus Neuanlagen oder durch feste Investitionsprogramme fördern.

Wer sich mit einem Wechsel des Stromanbieters befasst und auch einen volkswirtschaftlichen Blick auf die Energiewende richtet, sollte zu einem Ökostromanbieter wechseln, der wirklich einen Nutzen für den Ausbau Erneuerbarer Energien stiftet.

Demnach dürfen empfohlene Anbieter ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen verkaufen, sie sollten unabhängig von der Kohle- und Atomindustrie sein und die Energiewende zusätzlich durch den Bezug von Strom aus Neuanlagen oder durch feste Investitionsprogramme fördern.

Es gibt Kostenentwicklungen gegen die kann ein Verbraucher nichts unternehmen – steigen die Gebühren für Abfall beispielsweise, kann man nur bezahlen. Beim Strompreis ist das ein wenig anders: Obwohl die Kosten nun auf ein Rekordniveau gestiegen sind, sind immer noch Millionen Deutsche in Grundversorger-Tarifen, obwohl ein Anbieter-Wechsel heute in wenigen Minuten erledigt ist und bei Verbraucher von 4.000 Kilowattstunden pro Jahr zu einer dreistelligen Euro-Entlastung führt.

ROBIN WOOD hält folgende Ökostrom-Anbieter für empfehlenswert

Der Ökostromreport von ROBIN WOOD kann hier nachgelesen werden.

Flexible Stromtarife nutzen – im Sinne der Energiewende

Eine weitere Möglichkeit zur Reaktion für Verbraucher auf steigende Strompreise ist es neben dem Einsatz von Elektroautos, Photovoltaikanlagen, Balkonkraftwerken und Stromspreichern auch, zu zeit- und lastvariablen Tarifen zu wechseln – aWATTar beispielsweise bietet einen Stromtarif, der an den Börsenstrompreis gekoppelt ist.

Neben dem flexiblen Bezugstarif bietet aWATTar im Heimatmarkt in Österreich auch einen Einspeisetarif namens Sunny an – und zahlt Energieerzeugern mit Stromüberschüssen aktuell über 5 Cent pro Kilowattstunde. Für alle, die aus der 20-jährigen Einspeisevergütung mit ihrer Photovoltaikanlage herausfallen, kann ein solcher Tarif – Bezugstarif und Einspeisetarif sind kombiniertbar – eine gelungene Alternative sein.

Nützlich für die Energiewende ist der Tarif, weil die Verbraucher so Anreize erhalten, den Strom dann zu verbrauchen, wenn der Preis wegen viel Angebot günstig ist – also beispielsweise am Samstag oder Sonntag Vormittag das Elektroauto aufzuladen. Voraussetzung ist der Einbau eines intelligenten Stromzählers.

Für den Strompreisanstieg im Vergleich zum Jahr 2018 sind sowohl die EEG-Umlage als auch die Netzentgelte verantwortlich. Die gute Nachricht für Verbraucher ist: 2021 soll die EEG-Umlage als Gegenleistung für die Einführung der CO2-Abgabe sinken.

Die schlechte Nachricht ist: Sogar im Laufe diesen Jahres könnte es zu weiteren Preissteigerungen kommen, weil viele Versorger ihre jährlichen Preisanpassungen nicht mehr ausschließlich zum Jahresbeginn vornehmen, sondern diese splitten oder während des Jahres durchführen. Laut Verivox haben 35 Versorger für Februar und März Preiserhöhungen von rund 7 Prozent angekündigt.

Ein durchschnittlicher Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Verbrauch muss derzeit mit jährlichen Kosten von 1.200 Euro kalkulieren. Im Januar 2019 waren es noch 1.153 Euro – der Anstieg liegt bei 4,1 Prozent.

Ein Wechsel aus der Grundversorgung zum günstigsten Tarif spart durchschnittlich 270 Euro ein.

Valerian Vogel, Verivox

Gründe für steigende Strompreise

Die Gründe für den fortlaufenden Anstieg der Strompreise sind vielfältig – im Kern liegt es wohl daran, dass das Zusammenspiel des alten Energiesystems mit dem neuen Energiesystem nicht immer gut funktioniert. Wenn etwa an einem stürmischen und sonnenreichen Tag mit geringer Nachfrage der Strom aus Windparks und Photovoltaikanlagen in die Netze mit Vorrang eingespeist wird, können die konventionellen Kraftwerke nicht schnell genug heruntergefahren werden, um dafür Platz zu machen.

Einerseits, weil es technisch nicht möglich ist. Aber andererseits auch, weil die Anreize für die Kraftwerksbetreiber fehlen: Denn sie müssen Lieferverpflichtungen erfüllen und dies wirkt stärker als die Preissignale, die der Stromgroßhandel aussendet. Die Folge ist, dass mittlerweile an 211 Stunden im vergangenen Jahr negative Strompreise an der Börse zustande kamen – wer eine Kilowattstunde abnahm, erhielt bis zu 90 Euro dafür.

Es gibt noch ein weiteres Argument, wieso die Kraftwerke nicht abgeschaltet werden: Aus Sicht der Energiewirtschaft werden sie benötigt, um als Netzstützer Einfluss auf die Schwankungen der Frequenz im Netz zu nehmen – zur Einhaltung der Frequenz von 50 Hertz sind, so berichtet das Handelsblatt, bisher nur große Kraftwerke in der Lage.

Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigen

Die Analyse zeigt vor allem eines: Wir dürfen in der Anstrengung, erneuerbare Energien in den Markt zu bringen, nicht nachlassen, sondern müssen diesen Pfad beschleunigen. Denn im Hinblick auf die CO2-Emissionen hat sich im vergangenen Jahr eine positive Entwicklung gezeigt: Steinkohle und Braunkohle wurden durch Erneuerbare Energien verdrängt.

Insofern wäre es ein verheerendes Signal, würde Datteln 4, das umstrittene Kohlekraftwerk, tatsächlich noch ans Netz gebracht werden. Das viel bessere Signal ist doch, dass zunehmend ehemalige Kohlekraftwerke zu höchst flexiblen Gaskraftwerken auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung umgerüstet werden.

Kohleersatzbonus als Anreiz zur Flexibilisierung

Das soll auch im Kohleausstiegsgesetz, das die Regierung bis Ende Januar endlich verabschieden möchte, über Zuschüsse (den sogenannten Kohleersatzbonus) für Kraftwerksbetreiber vorangetrieben werden. Klar ist: Erdgas und Fernwärme werden eine viel größere Bedeutung erlangen als es derzeit in der öffentlichen Diskussion erkennbar ist.

Gas hat den Vorteil, dass es, wenn genügend erneuerbare Energien vorhanden sind, „grün“ gemacht werden kann – Stichworte sind Biomethan, Bio-LPG, grüner Wasserstoff. Allerdings sollte Deutschland einen klaren Pfad entwickeln, wie der dauerhafte Bezug von Fracking-Gas aus den USA und möglichst auch russisches Gas vermieden werden kann.

Fehlentwicklungen vermeiden: Solar-Deckel und Windkraft-Stau

Um aus der Strompreis-Spirale herauszukommen, sollte die Bundesregierung dafür sorgen, sich andeutende Fehlentwicklungen zu vermeiden. So sorgt der Genehmigungsstau bei Windkraftanlagen für steigende Strompreise – derzeit befinden sich laut energate Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 11.000 Megawatt in diesem Genehmigungsstau.

Gleichzeitig ist zwar die Abschaffung des 52-Gigawatt-Deckels vergangenes verkündet und beschlossen worden – allerdings fehlt dazu die gesetzliche Regelung, weil sich das Kohleausstiegsgesetz verzögert. Daher warnen jetzt bereits die Solarverbände dafür, der Deckel könne angesichts eines wachsenden Solarbooms schon im April 2020 erreicht werden – und bei Wegfall der Einspeisevergütung dann zu einem heftigen Einbruch führen.

Schließlich müssen alle Maßnahmen, die zur Flexibilisierung beitragen – wie beispielsweise der Zusammenschluss kleiner Erzeuger zu virtuellen Kraftwerke über energy2market oder Next Kraftwerke – unterstützt werden. Letztlich sind, wie Prof. Claudia Kemfert hier schreibt, die Technologien für 100 Prozent Erneuerbare Energien längst vorhanden – wir müssen sie nur einsetzen.

Unterdessen hat der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Gabriel Feldermayr, die Etablierung regionaler Strombörsen vorgeschlagen: Bislang gebe es keine Anreize für die süddeutschen Bundesländer, den Netzausbau voranzutreiben. Das könnte sich über Strombörsen, die regional orientierte Preise haben, ändern. So könnte die Energiewende beschleunigt werden, so der Ökonom in der Zeitung für die kommunale Wirtschaft.

VG Wort Identifikation
Hintergrund: Preisentwicklung der EEG-Umlage
% S Kommentare
  1. […] Meter, den es beispielsweise von wettbewerblichen Messstellenbetreibern oder in Verbindung mit innovativen Stromtarifen wie dem von aWATTAR zur Miete gibt. Die Netzbetreiber akzeptieren die Balkonkraftwerke sonst nicht, weil die […]

  2. Simon Schmitz sagt

    Hallo zusammen, sehr spannender Artikel, wir (aWATTar) würden nur gerne etwas korrigieren: der Einspeisetarif SUNNY, den wir anbieten, gilt derzeit nur in Österreich. Díe Einspeisung unserer Kunden mit PV-Anlage in Deutschland wird ganz normal über den Netzbetreiber (im Regelfall zum Fördertarif) abgerechnet. Danke!

    1. Damke, wird geändert!

  3. PV-Hersteller sagt

    Guter Artikel, leider mit einer Dopplung des ersten Abschnitts.

    1. Danke, der Fehler müsste nun korrigiert sein 🙂

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